Asch/As 1918 - 1948
Dokumentation ohne Kommentare

Ausstellungseröffnung im Haus der Heimat in Wiesbaden

Die heutige tschechische Stadt Asch/As und der Heimatverband des Kreises Asch (ein Zusammenschluss der aus Asch vertriebenen Deutschen) haben sich an ein Projekt gewagt, das nicht die Zustimmung tschechischer Nationalisten fand. Sie konzipierten eine Ausstellung, die sich mit dem deutsch-tschechischen Verhältnis auseinandersetzt.

Geschichtliche Ereignisse unterliegen oft politischen Einflüssen. Wenn es um die Vergangenheit eines Staats geht, wird versucht, die eigene Weste rein zu halten und dunkle Punkte aufzuhellen oder zu vertuschen. Das jüngste Beispiel zeigt die Diskussion um den Genozid an den christlichen Armeniern durch die Türken im Ersten Weltkrieg.

Die westlichste Stadt in der Tschechischen Republik Asch/As hat bei der Aufarbeitung der deutsch-tschechischen Vergangenheit einen unkonventionellen Weg beschritten. Die Exponate der Ausstellung "Asch/As 1918 - 1948" sind ohne jegliche Kommentare.
Im Ausstellungskatalog heißt es dazu: "Natürlich gibt es für beide Seiten nur eine Geschichte und eine historische Wahrheit. Aber die Interpretationen und Beurteilungen dieser Wahrheit führen noch immer zu unterschiedlichen Auffassungen über Recht und Gerechtigkeit, Schuld und Unschuld."

So einigte man sich darauf, in dieser Dokumentation die Geschichte möglichst wenig durch eigene Meinungen zu interpretieren und zu kommentieren, sondern die nüchternen Dokumente für sich sprechen zu lassen. Es zeigte sich aber, dass selbst bei dieser löblichen Absicht ganz unterschiedliche Geschichtsbilder entstehen können, denn es kommt sehr wohl darauf an, welche Dokumente man auswählt oder nicht auswählt. So stellen z. B. Zeitungsberichte oder die vielfach verwendeten Zitate aus der Chronik der Stadt Asch natürlich keine objektiven Quellen dar, sondern sie sind sehr wohl vom jeweiligen Verfasser beeinflusst ( bis 1945 ein deutscher Schreiber, danach ein tschechischer). Auch die Gewichtung einzelner Aspekte und selbst die Art und Weise der Präsentation kann die Beurteilung des Betrachters entscheidend beeinflussen.

"Wir haben versucht, dies alles in objektiver Weise zu realisieren, aber wir wollten nicht Leid gegen Leid aufrechnen und uns nicht anmaßen, Schuld oder Unschuld zuzuweisen", so die Väter der Ausstellung Horst Adler von der deutschen Seite und Ing. Jiri Kratky von der tschechischen Seite.

Die Ausstellung beginnt nicht mit dem Jahr 1938, dem Abschluss des Münchner Abkommens, sondern mit dem Jahr 1918, der Gründung der Tschechoslowakischen Republik. Es werden die Wunden gezeigt, die die damaligen Ereignisse auf der deutschen und der tschechischen Seite geschlagen haben. Ein Plakat weist auf den 4. März 1918 hin. Die Sudetendeutschen forderten damals das Selbstbestimmungsrecht und die Angliederung der von den Deutschen bewohnten Sudetengebiete an Österreich. Die friedliche Demonstration wurde vom tschechoslowakischen Militär gewaltsam aufgelöst. Es waren 54 Tote und über 100 Verletzte zu beklagen.

Auch heute ist Konrad Henlein, der Führer der Sudetendeutschen Partei, der in Asch/As lebte, für viele Tschechen noch ein rotes Tuch. Dasselbe gilt für das Münchner Abkommen vom 28.September 1938. Auch wird das Freikorps aus Asch gezeigt, das die Aufgabe hatte, "unsere Heimat zu schützen und die Rückkehr tschechischen Militärs mit Waffengewalt zu verhindern". Hier muss gesagt werden, dass die tschechoslowakische Politik von ihrer Nationalstaattheorie nicht abging und selbst den Sudetendeutschen kulturellen Autonomie verweigerte. Die Folge war das Münchner Abkommen, das heute noch eine schmerzliche Wunde im tschechischen Geschichtsverständnis ist. Auch das Überschreiten der vorher deutsch-tschechoslowakischen Grenze durch Hitler am 3. Oktober 1938 über den Grenzübergang Selb-Asch wird dargestellt.

Weiter wird auf ein schmerzliches Kapitel für die deutsche Bevölkerung in Asch, die Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg, eingegangen. Zahlreiche Dokumente, auch über die völkerrechtswidrige Enteignung durch die Benesch-Dekrete und eine Liste der im Pilsener Gefängnis "Bory" umgekommenen Deutschen aus Asch, legen ein Zeugnis über die damaligen Verhältnisse ab. Die Ausstellung endet mit der Übernahme der Macht durch die Kommunisten im Jahre 1948.

Die Ausstellung wurde im Haus der Heimat in Wiesbaden von dem Landesvorsitzenden des Bundes der Vertriebenen, Alfred Herold, und dem 2. Bürgermeister von Asch, Jiri Knedlik, eröffnet. Vom Museum der Stadt Asch/As waren noch mitgekommen, Ing. Jiri Kratky und Mag. Pavel Chrast.

Alfred Herold sagte einleitend, diese Ausstellung diene der deutsch-tschechischen Verständigung in bestem Sinn. Nur wer das Schicksal der Menschen kenne, könne sich objektiv damit auseinandersetzen.

Herold wies auf die zahlreichen Begegnungen zwischen vertriebenen Sudetendeutschen und Tschechen hin.

"Wenn die Politik in Berlin so weit wäre, wie die Verständigung auf der Ebene der Bürgermeister, so sei das ein ganz großer Fortschritt in den deutsch-tschechischen Verhältnis", so Herold.

Bürgermeister Jiri Knedlik bezeichnete die Ausstellung als einen Durchbruch in den deutsch-tschechischen Beziehungen. Sie solle zur deutsch-tschechischen Freundschaft beitragen. Die Geschichte dürfe nicht vergessen werden.

Jiri Kendlik führte weiter aus, diese Ausstellung, die in Asch/As gezeigt wurde, habe das Interesse der Medien gefunden. Allerdings hätte es auch Proteste gegeben.
Ein tschechischer Nationalist beschmierte die Exponate.

Als Ehrengäste begrüßte Alfred Herold, als Vertreter der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag, Rudi Haselbach, den stellvertretenden Stadtverordnetenvorsteher Wolfgang Nickel und Manfred Laubmeyer in Vertretung des Oberbürgermeister Hildebrand.

Adolf Wolf