Wer sind die Buchenlanddeutschen?

Am östlichen Karpatenrand zwischen Galizien und Siebenbürgen liegt die Bukowina, auch Buchenland genannt.

Vor 1771 war die Bukowina heiß umstritten von den Russen, Polen und Türken - auch andere Völker beteiligten sich daran. Das Land wurde in den zurückliegenden Jahren oft besetzt und dadurch auch zerstört. Durch ein Geheimabkommen 1771 zwischen Österreich und der Türkei wurde die Bukowina österreichisches Kronland. Damals regierte Kaiserin Maria Theresia von Österreich.

Als dringende Aufgabe beschäftigte sich die Monarchie damit, das fast menschenleere Gebiet zu bevölkern. Eine Bestimmung des Kaisers Josef II von Österreich 1782 ebnete den Weg zur Ansiedlung in der Bukowina. Dieser Aufgabe stellten sich Siedler aus Schwaben, der Pfalz, Hessen und Baden. Sie stellten auch den größeren Anteil an Einwanderern. Im gleichen Jahr wurde die erste deutsche Siedlung in Czernowitz-Rosch errichtet. Czernowitz wurde die Hauptstadt der Bukowina und somit wurde auch Deutsch als Amtssprache eingeführt.

Was hat wohl die Menschen seinerzeit dazu bewogen, die Heimat und das Elternhaus zu verlassen, um in der ungewissen Ferne einen neuen Hausstand in Glück und Freiheit zu gründen? Es gab viele Gründe. Diese Menschen waren es, die die Bukowina zu einer Kornkammer und zu einem Kulturland machten.

Auch andere Volksgruppen wie Juden, Polen, Ruthenen, Russen, Slowaken, Ukrainer und Magyaren siedelten in der Bukowina und erbauten sich eine Existenz.

Das Zusammenleben dieser Vielvölkergruppen untereinander war sehr gut und ohne Vorbehalt, weil jeder auf den anderen Mitmenschen ohne Vorurteil zugegangen ist.

Nach einiger Zeit bildeten sich Interessengemeinschaften und Vereine wie die freiwillige Feuerwehr, Männer- und Frauenchöre, Männer-, Frauen- und Jugendbund sowie andere wurden gegründet. Diese Bünde und Gruppen dienten zum Erhalt der deutschen Sitten und Bräuche, zur Förderung der Sprache und der Kultur, zur Unterhaltung und Kommunikation - jedoch ohne politischen Hintergrund.

Die kulturelle Entwicklung ging in der Bukowina und Landeshauptstadt Czernowitz rasch voran. Volksschulen, ein Staats- und ein K. und K.-Gymnasium wurden gebaut. Katholische und evangelische Kirchen sowie ein Waisenhaus wurden gebaut. Eine Oberrealschule und eine deutschsprachige Universität wurden im Jahr 1875 gegründet. Ganz wichtig waren Bauten wie das Deutsche Haus in Rosch und das Deutsche Haus in Czernowitz. Im Czernowitzer Gemeinderat war ein Deutscher erster Bürgermeister.

Die Jahre vergingen, der Aufschwung der Bukowina ist am deutlichsten in der Hauptstadt Czernowitz zu sehen, die in 100 Jahren vom Bauerndorf zur Groß- und Industriestadt wurde.

Und nun stand der Erste Weltkrieg vor der Tür, wie dieser ausging, ist wohl bekannt. Die Russen besetzten das Land und zogen auch wieder ab.

Durch den Vertrag von St. Germain verzichtete Österreich offiziell auf die Bukowina. Das Königreich Rumänien besetzte das Land und übernahm die Macht, es wurde vieles anders und schwieriger.

Die politische Entwicklung in Mitteleuropa in den Jahren 1925 - 1939 war sehr turbulent, darunter litten auch die Menschen im Osten Europas.

Als der Zweite Weltkrieg begann, besetzten die Russen die Bukowina.

Eine rechtliche Grundlage wurde geschaffen zwischen den Sowjets und der Reichsregierung, die Umsiedlung aller Deutschen war perfekt. Die deutsche Bevölkerung mußte mit 50 kg Umzugsgepäck und 35 kg Handgepäck ihre geliebte Heimat verlassen. Sie wurden durch die Nationalsozialisten "heim ins Reich" geführt, das sagte die Propaganda. In den Monaten August bis November 1940 wurde diese Umsiedlung vollzogen. Betroffen waren ca. 95 000 Menschen aus der Bukowina, man nannte sie volksdeutsche Umsiedler, sie wurden nicht wie versprochen im Großdeutschen Reich, sondern im polnisch besetzten Gebiet Warthegau und Oberschlesien angesiedelt.

Im Januar 1945 mußten die Buchenlanddeutschen diese Gebiete, um ihr Leben zu retten, wieder verlassen. Viele flüchteten, viele wurden vertrieben oder auch verschleppt.

Heute ist die Nordbukowina der Ukraine angegliedert, die Südbukowina gehört heute zu Rumänien.

Flucht - Vertreibung - Verschleppung - ein neuer Anfang

Monate vor Kriegsende 1945 sind die Buchenlanddeutschen auch Buchenländer genannt, durch Flucht, Vertreibung und Verschleppung wieder obdachlos geworden. Sie mußten, um ihr nacktes Leben zu retten, ihre Wohngebiete verlassen und zogen in westliche Richtungen.

Viele unserer Landsleute wurden vom Osten kommend noch zusätzlich von den Tschechen vertrieben und von den Sowjets verschleppt.

Einige Jahre nach Kriegsende fand man sich zusammen, mit viel Fleiß und Pioniergeist wurden Siedlungen aufgebaut. Es entstanden in Darmstadt die Buchenlandsiedlung, eine weitere in Neu-Isenburg sowie in Stuttgart-Büsnau und in Salzgitter-Lebenstedt, um nur einige Siedlungen zu nennen. Im Jahre 1949 wurde die Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen in München gegründet und im Anschluß die Landesverbände. Der Landesverband Hessen mit Sitz in Darmstadt hat bereits sein 50jähriges Bestehen gefeiert.

Seine Mitglieder treffen sich regelmäßig im Buchenlandheim Darmstadt und pflegen heimatliche Sitten und Bräuche. In eigener Regie haben die Buchenländer ein Altenwohnheim in Darmstadt aufgebaut, welches sehr begehrt ist und von alten Menschen bewohnt wird, darüber sind sie besonders stolz.

Jedes Jahr an Pfingsten findet ein Treffen der Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen statt, im Jahr 2000 wurde dieses Bundestreffen zum ersten Mal in der alten Heimat Südbukowina mit großem Erfolg und Begeisterung durchgeführt.

Erika Schäfer, Landesvorsitzende