Deutsche Migration in Mittel- und Osteuropa

Sonderausstellung der Stiftung gegen Vertreibungen in Gernsheim
"Die Gerufenen - Deutsches Leben in Mittel- und Osteuropa"

"Das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann, ist geschichtslos aufzuwachsen", so Landrat Thomas Will bei seinen Grußworten zu Beginn der Ausstellungseröffnung "Die Gerufenen - Deutsches Leben in Mittel- und Osteuropa" im Heimatmuseum der Schöfferstadt Gernsheim am vergangenen Wochenende. Er wünschte sich dabei von den Veranstaltern, dass auch in den nächsten Jahren solche Aktivitäten im Kreis Groß-Gerau beibehalten werden, damit den Menschen noch viele solcher historischer Momente nahe gebracht werden können.

Bürgermeister Peter Burger hatte die Ausstellung als 1. Teil einer Trilogie "Heimatweh" (Die Gerufenen, Erzwungene Wege und Angekommen) am 09.01.16 vor zahlreichen Besuchern eröffnet, die vom Kunst- und kulturhistorischen Verein Gernsheim, der Ostdeutschen Heimatstube und dem Groß-Gerauer Kreisverband des Bundes der Vertriebenen (BdV) veranstaltet wird. Sie zeigt in zahlreichen Schautafeln anschaulich die Entstehung der deutschen Ostsiedlung vom frühen Mittelalter und die darauf folgende Migrationsgeschichte über eine Zeitspanne von über 800 Jahren. Dabei gelangt halb Europa in den Blick der Betrachtungen, in dem unterschiedliche Völker, ethnische und religiöse Gruppen über einen so langen Zeitraum friedlich zusammen lebten.

Klaus Müller, Vorsitzender des Kunst- und kulturhistorischen Vereins konnte zur Ausstellungseröffnung zahlreiche Ehrengäste begrüßen: Georg Sturmowski, ehemaliger Vizepräsident des hessischen Landtages, Werner Amend, Bürgermeister von Riedstadt, Heinrich Adler, Erster Stadtrat der Stadt Gernsheim, Hildegard Bolenz, Leiterin des Kulturamtes, Wilhelm Fritsch, Ehrenbürger der Stadt Gernsheim, Hannelore Keilig, Kreisbeigeordnete, Georg Stolle, stellvertretender BdV-Landesvorsitzender, sowie Helmut Brandl, Mitglied der Leitungsgruppe des BdV-Kreisverbandes Groß-Gerau.

Hans-Josef Becker, BdV-Ortsvorsitzender von Gernsheim und Mitglied der Leitungsgruppe des BdV-Kreisverbandes Groß-Gerau wies in seiner Einführung zur Ausstellung auch auf die Ankunft der ersten Heimatvertriebenen in den Februartagen des Jahres 1946 im Kreis Groß-Gerau hin und zitierte dabei einen damaligen Bericht des Darmstädter Echos vom 9. Februar mit den Worten: "Das graue Elend kommt".

Anspielend auf einen Artikel einer Zeitung im Vorfeld der Bundespräsidentenwahl im Jahre 2004 mit der Überschrift "Mysterium der Herkunft", wusste damals kaum jemand etwas über Bessarabien, der Heimat und den Wurzeln der Familie des früheren Bundespräsidenten Horst Köhler. So sei es erwiesen, dass die Heimat der Vertriebenen und viel mehr noch ihre Siedlungsgeschichte, die tief ins Mittelalter zurückreicht, für die meisten Deutschen im Dunkeln liege. - Dem möchte diese Ausstellung entgegenwirken.

Georg Stolle dankte der Stadt Gernsheim für die Bereitstellung der Räumlichkeiten und den übrigen Veranstaltern für ihr Engagement bei der Ausrichtung dieser Ausstellung. Als langjähriger Bürgermeister der Stadt Bensheim und jetziger stellvertretender BdV-Landesvorsitzender ging er auch auf das Deutsch-Europäische-Bildungswerk ein, dessen Vorsitzender er ist. Nach Stolles Worten waren Themen der Ausstellung bereits bei Fahrten des Bildungswerkes in Länder nach Ost- und Südosteuropa in Form verständigungspolitischer Seminare auf dem Programm. In diesem Jahr noch seien solche Fahrten mit Unterstützung des Bundesinnenministeriums nach Lodz, ins Altvatergebiet und nach Königsberg mit zahlreichen persönlichen Kontakten geplant.

Die musikalische Umrahmung der Ausstellungseröffnung gestaltete Vivien Petropoulos auf der Querflöte mit Werken von Antonin Dvorak, Felix Mendelssohn Bartholdy und Georg Friedrich Händel.

Die Besucher hatten danach Gelegenheit, die Ausstellung zum ersten Mal in Augenschein zu nehmen. Die Ausstellung ist bis zum 28.02.16 an jedem Mittwoch von 17 bis 19 Uhr sowie am Sonntag (07.02.16) von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Zusätzliche Führungen und Öffnungszeiten können unter Telefon 06258 108113 erfragt werden. Ein die Ausstellung inhaltlich begleitender Katalog kann während der Eröffnungszeiten oder beim BdV-Kreisverband Groß-Gerau (Telefon 067158 85391) für 13 Euro erworben werden.

bdv-kvb-gg-press 2016
Januar 2016