Gedenken an den ersten Vertriebenentransport 1946

In würdevoller Weise gedachten am Samstag, 6. Februar, trotz des Faschings der Kreisverband des Bundes der Vertriebenen (BdV) der Ankunft des 1. Vertriebenentransportes genau vor 70 Jahren. Kreisvorsitzender Helmut Seidel (Erbach) hatte aus diesem Anlass zu einem Gedenken am Vertriebenenstein vor der Breuberghalle in Breuberg-Neustadt eingeladen. Begrüßen konnte er dazu bei angenehmer Witterung neben BdV-Kreisvorstandsmitgliedern auch den Bürgermeister der Stadt Breuberg, Jörg Springer (SPD), seinen Vorvorgänger Ehrenbürgermeister Günter Verst (SPD), den evangelischen Pfarrer von Breuberg-Neustadt, Dr. Michael Weber, sowie den Ehrenvorsitzenden des Heimat- und Geschichtsvereins Lützelbach Wilhelm Gieg mit seiner Gattin Ella. Außerdem waren Mitglieder der CDU und Heimatvertriebene der Unterzent gekommen.

Seidel erinnerte daran, dass seinerzeit nach Beendigung des Krieges entgegen dem Menschen- und Völkerrecht 14 Millionen Deutsche aus ihren ost- und südostdeutschen Siedlungsgebieten vertrieben wurden, wobei über 2 Millionen den Tod fanden. Nach der sogenannten wilden Vertreibung, die bereits gleich nach Kriegsende 1945 einsetzte, erfolgte 1946 und danach die Vertreibung in Transporten, meist in Güter- oder sogar Viehwaggons. Eines der zahlreichen Auffanglager in Deutschland befand sich in Sandbach in den ehemaligen Baracken der Zwangsarbeiter der Gummiwerke Veith. Der erste von 19 Transporten traf hier am 2. Februar 1946 ein, also genau vor 70 Jahren. Dieser Transport mit etwa 1.200 Personen kam aus Reichenberg, der ehemaligen Hauptstadt des Sudetenlandes in Nordböhmen. Seidel verlas dazu einen Zeitungsartikel, den Wilhelm Gieg vom 7.2.1996, den er zum 50-jährigen Gedenken verfasst hatte. Darin wird berichtet, dass in den Lagern Sandbach und Neustadt insgesamt 22.067 Personen registriert wurden, von denen 8.170 im Kreis Erbach eine neue Heimat fanden. Zur Erinnerung daran hatte Seidel am Gedenkstein ein Blumengebinde mit Schleife niedergelegt und Fahnen aus den verschiedenen deutschen Ostgebieten, auch dem Sudetenland aufgestellt, von wo die meisten der weiteren Transporte kamen. Für die aus Bölten in Mähren mit ihrem katholischen Pfarrer angekommenen Vertriebenen hat die Stadt Höchst die Patenschaft übernommen.

In einem Grußwort hob Bürgermeister Springer hervor, diese Ereignisse als Mahnung in Erinnerung zu halten, und zitierte seinen aus Schlesien stammenden Vater, der den Odenwald zwar als seinen neuen Wohnsitz, Schlesien aber nach wie vor als seine Heimat bezeichnete. Ehrenbürgermeister Verst erinnerte an die jetzige Situation der großen Zahl von Flüchtlingen, die in Deutschland eine neue Bleibe suchten, und ermahnte, auch deren schlimmes Schicksal eines jeden von ihnen im Auge zu behalten.

Das Gedenken an die Ankunft der Heimatvertriebenen soll am 9. Oktober in einer Veranstaltung des BdV zum 'Tag der Heimat' in der Breuberghalle in größerem Rahmen erfolgen.

Text: Helmut Seidel; Fotos: Günther Wytopil
Februar 2016