Hessische Schlesier verjüngen ihren Landesvorstand

Nachkriegsgeborene Schlesier sind aufgerufen zur Mitarbeit

Der scheidende Landesvorsitzende Helmut Liewald (Bunzlau, jetzt Frankfurt) blickte in seinem Vorstandsbericht auf ein Engagement für die Heimat der vielen hessischen Schlesier zurück. Insbesondere die seit 60 Jahren stattfindenden viertägigen Landeskulturtage bleiben Zeugnisse für die Bedeutung Schlesiens für Deutschland. Bei ihrer Landesdelegiertentagung im Wiesbadener "Haus der Heimat" bekannten sich die Vertreter der Kreisgruppen der Nieder- und Oberschlesier zur Verantwortung der Zeitzeugen gegenüber der reichen Kultur ihrer schlesischen Heimat. Betont wurde dabei auch, dass vor 70 Jahren nicht "Flüchtlinge" zu Hunderttausenden nach Hessen kamen, sondern aus ihrer jahrhundertealten Heimat im Frieden systematisch Vertriebene.

Die Verantwortung gegenüber den Opfern und der schlesischen Heimat, in der immer noch 300.000 deutschstämmige Menschen leben, liege aber nicht nur bei den Betroffenen, sondern auch bei den Nachkriegsgeborenen, der sogenannten "Bekenntnis-Generation".

Dies konnte die Schlesische Delegiertenversammlung bei der anschließenden Vorstandswahl auch umsetzen. Zum ersten Mal wählten die Schlesier mit Albrecht Kauschat aus Limburg einen 1952, nach der Vertreibung geborenen Hessen zum Vorsitzenden. Sein Vater stammte aus Breslau und Waldenburg in Niederschlesien. Zu Stellvertretern wurden Klaus Paetz (Niedernhausen, aus Westpreußen) sowie Georg Stolle (Bensheim, aus Neustadt/Oberschlesien) gewählt, die selbst die Vertreibung erlebt haben.

Ebenfalls langjährige Vertriebenenarbeit bringen Schatzmeister Helmut Liewald (Bunzlau/Frankfurt), Geschäftsführerin Ingrid Reiß (Aussig/Wiesbaden), Schriftführer Heinz Jenke (Liegnitz/Wiesbaden) mit ein ebenso wie die Beisitzer Lieselotte Krause (Breslau/Offenbach) und Winfried Labatzke (Kreis Wohlau/Waldmichelbach). Die Bekenntnisgeneration wird neu von den Beisitzern Patricia Ehl (Königstein, Vater aus Oels) sowie Michael Giller (Butzbach, Vorfahren aus Kattowitz und Beuthen/Oberschlesien) vertreten, der auch die Gemeinschaft evangelischer Schlesier in Hessen und Rheinland-Pfalz/Saarland vertritt. Weiterhin wird der Ehrenlandesvorsitzende Joseph Pietsch (Darmstadt, früher Trebnitz und Waldenburg-Altwasser) für Kontinuität stehen.

Der neue Landesvorsitzende Albrecht Kauschat will die Kreisgruppen der Schlesier sowie die Schlesier im BdV stärken sowie der Öffentlichkeit die frühere und aktuelle Bedeutung Schlesiens für Deutschland bewusst machen. Dazu rief er die Schlesier der Vertriebenen-Generation auf, ihre Erfahrungen weiter in die Landsmannschaft einzubringen. Den nachkommenden Generationen biete sich die Aufgabe, die Schlesierinnen und Schlesier, die so viel Schweres in ihrem Leben durchmachen mussten, weiter zu unterstützen. Auch warteten im heutigen Schlesien Begegnungen mit der Kultur und Schlesiern, die die Zukunft bereichern könne, so Kauschat. Ebenso müsse die jüngere Generation erkennen, dass ihre Vorfahren, besonders die Frauen in den Kriegs- und Nachkriegszeiten das bewahrt und wieder aufgebaut haben, was heute in der ganzen Welt als ausgezeichnete Grundlage für die Zukunft anerkannt sei. Da die Landsmannschaft Schlesien -Nieder- und Oberschlesien- allen Generationen dafür eine gute Grundlage biete, lud Kauschat zur Mitarbeit bei den Schlesiern ein.

Text und Foto: Albrecht Kauschat
April 2016