Tag der Heimat - Kultur der alten Heimat erhalten

Innenminister Beuth erinnert an 60. Gründungstag

Wetzlar (ew). Der traditionelle "Tag der Heimat", den der Kreisverband und der Ortsverband Wetzlar des Bundes der Vertriebenen e. V. (BdV) gemeinsam veranstalten und der seit vielen Jahren stets bei vollem Saal im Bürgerhaus "Siedlerklause" in Büblingshausen stattfindet, erinnerte in besonderer Weise an die Gründung des BdV vor 60 Jahren. Für die Festrede anlässlich dieses "runden Geburtstages" konnte Hessens Innenminister Peter Beuth gewonnen werden. "Das Land Hessen wird Ihnen auch in Zeiten des Umbruchs, die der BdV derzeit durchlebt, eine verlässliche Stütze sein und dabei mit Rat und Tat zu Seite stehen", sicherte der Innenminister unter dem Beifall des Publikums zu.

Der BdV könne auf eine erfolgreiche Zeitspanne von sechs Jahrzehnten zurückschauen. Er habe die bundesdeutsche Gesellschaft mit den erschütterten Einzelschicksalen der Heimatvertriebenen konfrontiert, dem Land Denkanstöße gegeben "und stets den Finger in die Wunde gelegt, wo immer es aus seiner Sicht erforderlich war". 60 Jahre liegt die Gründung des Bundes der Vertriebenen und die Aufnahme seiner wichtigen Arbeit nun zurück. In all den Jahren trat und tritt der Bund auf der Grundlage der Charta der Heimatvertriebenen von 1950 für Menschlichkeit, Völkerverständigung und Dialog ein. Jährlich, so Beuth, stellt das Land Hessen mehrere hunderttausend Euro bereit, um die Arbeit des BdV sowie Sprach- und Integrationsmaßnahmen für Spätaussiedler ideell und finanziell zu unterstützen. "Das Schicksal der Vertriebenen mahnt uns gegenwärtig und auch für die Zukunft zum Frieden", hob der Innenminister hervor - und verwies auf mehr als 65 Millionen Menschen, die laut aktueller Schätzungen der UN weltweit auf der Flucht sind.

Manfred Hüber (Leun), BdV-Kreisvorsitzender und Kreisobmann der Sudentendeutschen Landsmannschaft sowie Kuno Kutz (Hüttenberg), BdV-Ortsvorsitzender und Vorsitzender der Kreisgruppe Wetzlar der Landsmannschaft Ost- und Westpreußen, hatten mit ihrem bewährten Team für die Organisation dieser für den heimischen BdV wichtigsten Veranstaltung im Jahr gesorgt. Hüber wies in seiner Begrüßung darauf hin, dass der Bund vertriebener Deutscher und die Landsmannschaften in Hessen bereits 1953 zum Bund der Vertriebenen durch das "Marburger Abkommen" vereinigt wurden. Vom damaligen Innenminister Heinrich Schneider (SPD) - übrigens einem gelernten Maurer aus Dorlar - stammt der Erlass, dass für die hessische Landesregierung der Bund der Vertriebenen der einzige offizielle Ansprechpartner der Heimatvertriebenen sei. "Das gilt übrigens bis heute", so Hüber.

Das diesjährige Leitwort zum Tag der Heimat lautet "60 Jahre - Einsatz für Menschenrechte, Heimat und Verständigung". Das benennt laut Hüber die Grundwerte, "die auch junge Menschen ansprechen". Menschenrechtsverletzungen durch Flucht und Vertreibung seien auch heute wieder aktuell. "Der BdV und seine Mitgliedsverbände müssen als Brückenbauer, als Pfleger der Kultur und als verlässliche Partner im Inland, aber auch besonders in den Staaten erfolgreich sein, die seinerzeit die Vertreibung der Deutschen praktiziert haben. Die großen Probleme können nur durch Dialog und Verständigung gelöst werden, von Mensch zu Mensch und von Regierung zu Regierung", umriss Hüber das Aufgabenfeld des BdV.

"60 Jahre BdV sind 50 Jahre Friedensbewegung in bestem Sinne. Die Charta der Vertriebenen von 1950, in der die Vertriebenen schon fünf Jahre nach den schrecklichen, von Flucht und Vertreibung verursachten Ereignissen auf jegliche Vergeltung und Gewalt verzichteten und sich zu einem friedlichen und menschlichen Miteinander verpflichteten, ist eine historische Leistung, ein Zeichen unglaublicher Größe", ließ der heimische CDU-Landtagsabgeordnete Hans-Jürgen Irmer wissen und dankte für die "Aufbau- und Lebensleistung der Vertriebenen im Sinne und zum Wohle Deutschlands". In ähnlicher Weise - und speziell auch die Charta der Vertriebenen vom August 1950 ausdrücklich würdigend, äußerten sich in ihren Grußworten Wetzlars Oberbürgermeister Manfred Wagner (SPD), der Hauptamtliche Kreisbeigeordnete Stephan Aurand (SPD) und die Kreistagsvorsitzende Elisabeth Müller (CDU).

Zum feierlichen Totengedenken fand Kuno Kutz die rechten Worte. Die Nationalhymne zum Mitsingen intonierten die Wetzlarer Musiksenioren. Am bunten Programm des "Tages der Heimat 2017" aktiv beteiligt waren die Chorgemeinschaft von Union-Chor und Sängerchor Lahngruß Wetzlar unter der Leitung von Christa Löffler, der Egerländer Volkstanzkreis unter Gerlinde Kegel, der Chor der Landsmannschaft Egerland Oberndorf unter Helga Semper und die Wetzlarer Musiksenioren unter der Leitung von Edmund Beppler.

Fotos und Text: Franz Ewert, Wetzlarer Neue Zeitung vom 05.09.17
Oktober 2017