3. Sitzung des Asylkonvents in der Hessischen Staatskanzlei

Integration der Flüchtlinge darf keine "Einbahnstraße" sein

Auf Einladung von Ministerpräsidenten Volker Bouffier kamen am Mittwoch in der Hessischen Staatskanzlei in Wiesbaden rund 60 Spitzenvertreter aus Wirtschaft, Politik, kommunalen Verbänden, von den freien Wohlfahrtsverbänden, Polizei, Bundeswehr und Rettungsorganisationen, sowie von Religionsgemeinschaften, und weiteren gesellschaftlich relevanten Gruppen, darunter auch vom Bund der Vertriebenen mit dessen Landesvorsitzenden Siegbert Ortmann zur dritten Sitzung des sog. Asylkonvents zusammen.

Zu Beginn gaben der Ministerpräsident und die Ressortminister für Inneres und Sport, Peter Beuth, für Soziales und Integration, Stefan Grüttner und für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung Tarek Al-Wazir aktuelle Darstellungen über die gesamte Flüchtlingsthematik.
Unter anderem seien danach im vergangenen Jahr rund 80 000 Asyl suchende Menschen nach Hessen gekommen. Im laufenden Jahr 2016 liege die Zahl der angekommenen Flüchtlinge in den fünf hessischen Erstaufnahmeeinrichtungen mit weiteren 33 Außenstellen derzeit bereits bei rund 12.000 Personen, überwiegend aus Syrien, dem Irak und Afghanistan. Im Jahre 2015 seien 9300 Rückführungen erfolgt.
Nach anfänglichen Schwierigkeiten gewähre das Land den Kommunen nunmehr ausreichend finanzielle Mittel zu Bewältigung der Unterbringung, Versorgung und Betreuung dieser großen Flüchtlingsströme in ganz Hessen.

Ministerpräsident Volker Bouffier dankte sodann den Teilnehmern/innen des Asylkonvents für die bereits geleistete hervorragende Arbeit, "um Schritt für Schritt die Integration von Flüchtlingen mit Bleiberecht auf einen guten Weg zu bringen".

Es folgten die Berichte der sieben Arbeitsgruppen "Arbeitsmarkt", "Gesundheit", "Bildung", "Sicherheit", "Ehrenamt" , "Wohnen" und "Integration" über ihre bisher erarbeiteten Initiativen und deren mögliche Umsetzungen in allernächster Zeit.
Da der hessische Arbeitsmarkt stabil und aufnahmefähig sei, reiche er somit rein quantitativ für die große Zahl der Asylsuchenden aus, stellte der Leiter der Bundesanstalt für Arbeit in Hessen, Frank Martin, fest. Allerdings gestalte sich insoweit die jeweils notwendige Qualifikation für Ausbildung und Berufsausübung und die dafür erforderlichen deutschen Sprachkenntnisse als besonders schwierig. Dies sind nun Bereiche für die anderen Arbeitsgruppen, die bis zur nächsten Zusammenkunft am 1. Juli 2016 ihre Vorschläge detailliert vorlegen werden.

Zur Frage der Integration der hier ankommenden Flüchtlinge beteiligte sich auch der BdV-Landesvorsitzende Siegbert Ortmann an dem Gedankenaustausch unter den Teilnehmern/innen des Asylkonvents. Seiner Meinung nach lasse sich die Integration von Neuankömmlingen in diesem Land nicht von Staats wegen verordnen und auch die Politik auf den verschiedenen Ebenen stoße mit ihren immer neuen und wohlgemeinten Anregungen und Initiativen erkennbar an ihre Grenzen. Deshalb dürfe eine Erfolg versprechende Integration von Neubürgern eben keine "Einbahnstraße" sein und sie werde letztendlich auch nur gelingen, wenn die zu uns kommenden Menschen sozusagen als "Bringschuld" nicht nur den Wunsch auf ein verständlicherweise besseres Leben, sondern den festen und eigenen Willen zu einer ernsthaften Eingliederung in unsere Gesellschaft und die hier gegebenen Lebensverhältnisse hätten. "Als selbst Heimatvertriebener nach dem 2. Weltkrieg und der damals bekanntermaßen sehr erfolgreich verlaufenden Integration, erlaube ich mir diese Anmerkung", so der hessische BdV-Landesvorsitzende abschließend.

bdvhessen-press/2016
Text und Foto: Siegbert Ortmann
Februar 2016