Identität schützen - Menschenrechte achten

Festakt zum zentralen Tag der Heimat in Berlin

Zur diesjährigen Festveranstaltung zum Tag der Heimat konnte der Präsident des Bundes der Vertriebenen, Dr. Bernd Fabritius (MdB), am vergangenen Samstag wieder rund 1000 Teilnehmer aus der ganzen Republik in der Urania in Berlin begrüßen.

Aus Hessen waren als Ehrengäste zum zentralen Festakt angereist: Landtagspräsident Norbert Kartmann, die Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler Margarete Ziegler-Raschdorf, BdV-Präsidiumsmitglied Reinfried Vogler, BdV-Landesvorsitzender Siegbert Ortmann und der Landesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft Markus Harzer.

Das diesjährige Leitwort zum Tag der Heimat lautet: " Identität schützen - Menschenrechte achten". Damit werde nach Ansicht von BdV-Landeschef Ortmann der Schutz von Identität sowie die Ächtung von Vertreibungen und ethnischen Säuberungen als Kriterien einer modernen Menschenrechtspolitik besonders treffend angesprochen und in den kommenden Wochen würden hierzu zahlreiche Festveranstaltungen auch im Bundesland Hessen stattfinden.

Besondere Beachtung bei der diesjährigen zentralen Veranstaltung in Berlin fand die Anwesenheit des Bundespräsidenten Joachim Gauck, der seine Festrede mit der schmeichelnden Anmerkung begann, dass ihm von Beginn seiner Präsidentschaft klar war, einmal als deutscher Bundespräsident vor den Heimatvertriebenen in diesem Land, zu deren Anliegen und Geschichte er sich sehr verbunden fühle, zu sprechen. Und diese Gelegenheit biete sich zum Tag der Heimat 2016 in besonderer Weise. In seiner 30-minütigen Festrede, die immer wieder von Beifall unterbrochen wurde, ging der Bundespräsident sehr eindrucksvoll auf das Schicksal der Vertriebenen und Flüchtlinge nach dem 2. Weltkrieg und deren Sorgen und Nöte, aber auch auf ihre Erfolgsgeschichte bei der Integration in einem Land ein, das nach einem verlorenen Krieg völlig zerstört gewesen sei. Aber selbst nach 7 Jahrzehnten seien noch immer nicht alle Wunden geheilt und noch nicht alles erlittene Unrecht eingestanden und so sei die kürzlich vom Bundestag beschlossene Entschädigung für die deutschen Zwangsarbeiter als ein deutliches Signal an die Gesellschaft gewesen, nämlich des Inhalts: "Wir interessieren uns für Euer Schicksal, wir wollen das Wissen über eure Erlebnisse nachfolgenden Generationen vermitteln"!

In Bezug auf die alljährlichen Veranstaltungen zum Tag der Heimat stellte der Bundespräsident dann unmissverständlich fest: "Das Erinnern, das Gedenken und das Bewahren von Traditionen darf nicht allein in den Verbänden aufgehoben sein. Geschichte und Kultur der ehemaligen deutschen Siedlungsgebiete gehören in das kollektive Gedächtnis der ganzen Nation". Natürlich ging der Festredner auch auf das gegenwärtige globale Problem von Flucht und Vertreibung ein und äußerte dazu abschließend: " Viel Arbeit liegt vor uns, aber wir werden festhalten an unseren Grundlagen der Demokratie und des Rechtes und wir werden geprägt bleiben vom humanen Geist und einer Haltung der Offenheit, Hilfsbereitschaft und Mitmenschlichkeit gegenüber Verfolgten, Vertriebenen und Entrechteten. Das bleibt unser Markenzeichen, das wollen wir und das werden wir nicht aufgeben!"

BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius bedankte sich anschließend für "die wegweisenden Worte" des Bundespräsidenten und vor allen auch die klaren Aussagen über den viel zulange andauernden "Erinnerungsschatten" der deutschen Heimatvertriebenen und Flüchtlinge nach dem 2. Weltkrieg und dessen längst überfällige Aufarbeitung in der Gesellschaft. Zur aktuellen Flüchtlingssituation wiederholte Dr. Fabritius in seiner Ansprache: " Wir schulden Vertriebenen und Flüchtlingen von heute Empathie und Verständnis. Wir brauchen aber auch eine klare Differenzierung zwischen schutzbedürftigen einerseits und solchen Menschen, die zu "zum Glück" nicht vertrieben werden und die nicht fliehen müssen und somit überwiegend nicht schutzbedürftig sind". Im übrigen forderte er von den heute bei uns ankommenden Flüchtlingen und Zuwanderern endlich eine klare Aussage darüber, -ähnlich der Charta der Vertriebenen von 1950 -, mit eindeutigen Bekenntnissen zum deutschen Rechtsstaat, seiner demokratischen Grundordnung und der Wertegemeinschaft in unserem Land. Sein abschließender Appell richtete sich dann noch an die vielen ehrenamtlichen Mitgliedern und Helfern des Bundes der Vertriebenen mit den Worten: "Wir tragen die alte und auch die neue Heimat in unseren Herzen und wollen dies in die Zukunft mitnehmen!"

Im Anschluß an den Festakt fand noch eine Kranzniederlegung vor der Gedenkanlage "Diese Flamme mahnt - Nie wieder Vertreibung" auf dem Theodor-Heuss-Platz statt, wo unter anderem Bürgermeister Frank Henkel (CDU) gedenkende Worte an die zahlreichen Zuhörer richtete.

Text: Siegbert Ortmann
Fotos: BdV-Landesverband Hessen, Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
September 2016