Neujahrsgespräch des Ministerpräsidenten Koch mit den Vertretern der Vertriebenenverbänden hat schon Tradition

Auch Sozialministerin Lautenschläger und Kultusministerin Wolff nahmen teil

Dass der Ministerpräsident Roland Koch die Vertreter des Bundes der Vertriebenen und der Landsmannschaften zu einem Neujahrsgespräch empfängt, ist schon zur Tradition geworden. Die Teilnahme von Sozialministerin Silke Lautenschläger und Kultusministerin Karin Wolff zeigt die Bedeutung dieses Termins für die Landesregierung. Der Landesbeauftragte der der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Rudolf Friedrich, nahm ebenso teil wie die Landtagsabgeordnete Gudrun Osterburg als Vorsitzende des Unterausschusses für Heimatvertriebene, Aussiedler, Flüchtlinge und Wiedergutmachung.

Ministerpräsident Roland Koch begrüßte die Vertreter der Heimatvertriebenen und dankte ihnen für ihre Aktivitäten zugunsten der Integration und der ostdeutschen Kultur. Dass die Anliegen der Heimatvertriebenen ernst genommen werden, zeige die Anwesenheit mehrerer Vertreter der Landesregierung und des Parlaments. Der Hessische Landtag werde in den nächsten Tagen den Haushalt 2006 beschließen und damit die Arbeit der Verbände weiter auf eine sichere Basis stellen. Als Gegenleistung erwarte er von den Verbänden Kontinuität in der guten Zusammenarbeit. Die partnerschaftliche Arbeit mit gemeinsamen Kooperationen müsse weitergehen. Er sei froh über die harmonische Arbeit hier in Hessen und werde manchmal von anderen Bundesländern darauf angesprochen. "Wir können stolz sein auf die Veränderungen in diesem Politikfeld seit 1999. Der Zug bewegt sich und er bewegt sich in die richtige Richtung", so der Ministerpräsident. In einem umfassenden Gedankenaustausch nahm er weiter zu der fertig gestellten Lehrerhandreichung "Flucht und Vertreibung" und dem geplanten "Zentrum gegen Vertreibungen" Stellung. Das Zentrum sei von der Bundeskanzlerin bei ihrem Besuch in Polen angesprochen worden. Das Thema stehe weiter auf der politischen Tagesordnung, allerdings solle man der neuen Bundesregierung Zeit geben. Es sei keine Thematik, um Konflikte aufzubauen, allerdings werde es auch nicht in Vergessenheit geraten. Er bleibe bei seiner Aussage, dass Hessen dabei ist, wenn sich auch andere Bundesländer an den Zentrum beteiligen.

Der Landesvorsitzende des Bundes der Vertriebenen, Alfred Herold, bedankte sich für die Einladung und ging auf die Aktivitäten seines Verbandes im vergangenen Jahr ein. Er ging insbesondere auf das Landesjubiläum "Hessen - 60 Stolze Jahre" ein und berichtete über die geplante Veranstaltung der Sudetendeutschen Landsmannschaft am 5.2.2006 in Weilburg aus Anlass der Ankunft des ersten Vertriebenentransportes in Hessen. "Das war der Beginn der organisierten Unmenschlichkeit", stellte Herold fest. Der "Tag der Heimat" 2006 werde im Rahmen des Hessen-Jubiläums mit einer Festrede des Ministerpräsidenten im Biebricher Schloss besonders festlich begangen. Er bedankte sich beim Ministerpräsidenten dafür, dass Hessen beim "Zentrum gegen Vertreibungen" Zustimmung signalisiert habe. Wenn es nicht gelinge, dieses Vorhaben zu verwirklichen, werde der Unmenschlichkeit das Wort geredet.

An dem Gedankenaustausch beteiligten sich Dr. Hans Jandl, der die Kulturarbeit ansprach und Dr. Herfried Stingl, der zur Thematik Schule und Schulbücher vortrug. Über die Aktivitäten des Deutsch-Europäischen Bildungswerkes informierte Hartmut Saenger und Adolf Wolf mahnte den Erhalt der Fördereinrichtung für junge Zugewanderte in Hasselroth an. Die Fragenkomplexe wurden vom Ministerpräsidenten Roland Koch, der Sozialministerin Silke Lautenschläger und der Kultusministerin Karin Wolff umfassend beantwortet.

Sozialministerin Silke Lautenschläger hat insbesondere auf die Integrationsprobleme jugendlicher Spätaussiedler hingewiesen und das Integrationskonzept des Landes Hessen erläutert.

Frau Kultusministerin Karin Wolff stellte fest, dass im Gegensatz zu früher jetzt im Fach Geschichte ein ganzes Schuljahr für die Nachkriegsgeschichte vorgesehen sei. Dies sei im Lehrplan verbindlich geregelt. Zur Lehrerhandreichung führte sie aus, dass diese Broschüre bereits vor Monaten an die Schulen ausgeliefert wurde. Der Handreichung sei ein Hinweis auf die Lehrpläne und die Unterrichtsmaterialien beigefügt. Insgesamt hätte sich die Mentalität dahingehend geändert, dass eine stärkere Öffnung für das Thema Vertreibung in der Gesellschaft festzustellen sei.

Zum Abschluss des Gespräches zeigte sich Landesbeauftragter Friedrich erfreut über die gute Zusammenarbeit zwischen der Hessischen Landesregierung und dem Bund der Vertriebenen sowie den Landsmannschaften. Er teilt mit, dass der diesjährige "Tag der Heimat" mit der Staatskanzlei inhaltlich vorbereitet wurde. Der Landesbeauftragte verwies auf sein Angebot, dass die Lehrerhandreichung "Flucht und Vertreibung" in seinem Büro abgerufen werden kann.

Der Landesvorsitzende des Bundes der Vertriebenen, Alfred Herold, erklärte anschließend, das Neujahrsgespräch habe wie in den vergangenen Jahren in einer sachlich, entspannten und freundschaftlichen Atmosphäre stattgefunden. Die Hessische Landesregierung, besonders Ministerpräsident Roland Koch und Sozialministerin Silke Lautenschläger hätten immer ein offenes Ohr für die Belange der Heimatvertriebenen in Hessen gehabt.
Rückblickend bemerkte Herold, heute 60 Jahre nach der Ankunft des ersten Vertriebenentransportes in Hessen müsse die Gemeinschaftsleistung von Einheimischen und Heimatvertriebenen bei Integration besonders gewürdigt werden. Diese Leistung sei eine der Grundlagen für das Wirtschaftswunder gewesen.

Adolf Wolf