Schutzschild und Schirm der Heimatvertriebenen

Ministerpräsident Roland Koch beim Tag der Vertriebenen beim Hessentag

Zum siebten Mal fand beim Hessentag der Tag der Vertriebenen statt. Auf Anregung des Landesbeauftragten der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Rudolf Friedrich, wurde damit den Heimatvertriebenen in Hessen die Gelegenheit gegeben, sich öffentlich darzustellen.

Den Höhepunkt beim diesjährigen Tag der Vertriebenen beim Hessentag in Butzbach bildete der Volkstumsnachmittag im Bürgerhaus .Der Saal platzte aus allen Nähten. Es mussten noch Stühle herbeigeschafft werden.

Prominenter Gast war der Hessische Ministerpräsident Roland Koch. In seiner Rede hob er einleitend das Zusammengehörigkeitsgefühl mit den Heimatvertriebenen in Hessen hervor. Die Anregung von Rudolf Friedrich, einen Tag der Vertriebenen einzuführen, habe er gerne aufgenommen und umgesetzt. Hessen wäre unvollständig ohne die Geschichte der Heimatvertriebenen, die das Land mit aufgebaut hätten. Sie seien ein Vorbild für andere Gruppen. Die Heimatvertriebenen "schlugen Wurzeln ohne die eigenen Wurzeln auszureißen", sagte Koch weiter.

Heute stelle die Enkelgeneration die Fragen, woher kommen die Großeltern ,wie haben sie gelebt? Bei Erhaltung des Kulturgutes der Heimatvertriebenen werde Hessen Unterstützung leisten. Das sei eine große Herausforderung, ein politische Aufgabe und ein Stück Selbstverständnis, stellte der Ministerpräsident fest. Unter tosendem Beifall versicherte Koch: "Ich verspreche, dass der Ministerpräsident ein Schutzschild und ein Schirm für die Heimatvertriebenen ist."

Auf die Vergangenheit eingehend, führte der Ministerpräsident weiter aus, es müssten alle Kapitel der deutschen Geschichte offen betrachtet werden. Neben dem Leid, das Deutschland anderen Völkern zugefügt habe, dürfe man das Leid der deutschen Heimatvertriebenen nicht vergessen. So müsse zusammen mit anderen Mahnmalen das Zentrum gegen Vertreibungen nach Berlin kommen. Deshalb habe Hessen als erstes Bundesland die Patenschaft über die Stiftung "Zentrum gegen Vertreibungen" übernommen. Der Ministerpräsident lobte weiter Rudolf Friedrich für sein besonderes Engagement.

Alfred Herold, Landesvorsitzender des Bundes der Vertriebenen, dankte Roland Koch für die ideelle und materielle Unterstützung. Er gratulierte ihm zum Europäischen Karlspreis der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Herold ging auf die Geschichte des Hessentags ein. Das Fest aller Hessen habe seine Wurzeln im Sudetendeutschen Tag in Frankfurt in den 50er-Jahren. Heute komme es darauf an, die Identität der Heimatvertriebenen zu wahren. Solchen Treffen hätten idenditätsstiftende Wirkung. Der Landesvorsitzende verwies weiter auf das Schicksal der Spätaussiedler, der Deutschen aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Sei hätten einen großen Blutzoll leisten müssen und einen dreifachen Kreuzweg erlitten.

Auch bei den Grußworten wurde die Verbundenheit mit den Heimatvertriebenen deutlich. Der CDU- Landtagsabgeordnete, Klaus Dietz, führte aus, die Erinnerung an die Vertreibung müsse erhalten bleiben und in die Schulen hineingebracht werden.

Die Bedeutung der Veranstaltung zeigte sich auch an den Ehrengästen. So waren neben Landtagspräsident Norbert Kartmann, selbst Vertriebener, die hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger, der Landesbeauftragte der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Rudolf Friedrich, Ltd. Ministerialrat Dirk Hummel und Georg Unkelbach vom Hessischen Sozialministerium, die Landtagsabgeordneten, Gudrun Osterburg (CDU), Klaus Dietz (CDU) und Roland von Hunnius (FDP) gekommen.
Von der kommunalen Ebene nahmen teil, Stadtrat Anton Huber in Vertretung des Bürgermeisters von Butzbach und Rüdiger Veit, Erster Kreisbeigeordneter des Landkreises Friedberg.

An den offiziellen Teil schloss sich ein buntes und abwechslungsreiches Programm an. Die Moderation lag in den Händen von Ingrid Paulus. Die Vertreibung habe nicht vermocht, das Kulturgut der deutschen Heimatvertriebenen sterben zu lassen, sagte sie einleitend.

Die Original Böhmerländer unter Leitung von Horst Nausch brachten in großer Besetzung schmissige Weisen. Es wirkten weiter mit: Der Erzgebirgische Heimatverein Nauheim- Weiterstadt, die Volkstanzgruppe der Egerländer Gmoi Gießen, die Egerländer Singgruppe Münchholzhausen, die Siebenbürgische-Sächsiche Tanzgruppe Nieder- Olm und die Kindertanzgruppe der Deutschen Jugend aus Russland, Frankfurt/Main.

Am Vormittag hielt der Landesbeauftragte eine Sprechstunde ab, die sehr gut besucht war.
Es folgte die öffentliche Sitzung des Landesbeirats für Vertriebenen- Flüchtlings- und Spätaussiedlerfragen, an der die hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger und der Landesbeauftragt Rudolf Friedrich teilnahmen.
Bei der Sitzung kamen junge Spätaussiedler zu Wort, die ihren Werdegang nach der Ankunft in Deutschland schilderten. Sie berichteten über Probleme, nicht von der Gesellschaft angenommen zu werden. Wie bei den Lebensberichten deutlich wurde, sind Eigeninitiative, Leistungsbereitschaft, Selbstvertrauen und die Akzeptanz der einheimischen Bevölkerung Grundpfeiler für eine gelungene Integration.

Adolf Wolf im Juni 2007