Gäste aus dem russischen Teil Ostpreußen bei BdV-Tagung in Heppenheim

Den Abschluss der 53. landwirtschaftlichen Woche "Südhessen 2008" bildete die gemeinsame Tagung des BdV-Kreisverbandes Bergstraße und des "Heimatvertriebenen Landvolks Hessen" in der Kreisstadt Heppenheim. Diese Veranstaltung wird seit Jahren als "Tag der Vertriebenen" durchgeführt. Schwerpunkt der Tagung war die Entwicklung der Landwirtschaft im russischen Teil Ostpreußens. Die Beauftragte des regionalen Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten, Galina Maksimchuk, stellte die Konzeption zur Förderung der Landwirtschaft vor.

Zwischen dem Landkreis Bergstraße und dem Kreis Labiau (jetzt Polessk) besteht ein Kooperationsvertrag. An dem Zustandekommen dieser Kooperation war Hans-Ulrich Karolus von der Landsmannschaft Ost- und Westpreußen maßgeblich beteiligt. Er brachte unter Anderen landwirtschaftliche Maschinen nach Ostpreußen.

Als Ehrengäste konnte die BdV-Kreisvorsitzende, Rosel Koberg den Vorsitzenden des Kreistages des Landkreises Bergstraße, Werner Breitwieser, Landrat Matthias Wilkes, den Vertreter des Bürgermeisters von Heppenheim, Horst Wondrej und Kreislandwirt Günter Jöst begrüßen. Ein besonderer Gruß galt der Delegation aus dem heutigen Kalingrader Gebiet, der angehörten, Galina Maksimchuk, Prof. Dr. Wladimir Gilmanov und Alexander Paskar.

Landrat Matthias Wilke stellte in seinem Grußwort die besondere Verbundenheit der Landwirte zum "Boden" heraus. Besonders die heimatvertriebenen Bauern hätten diesbezüglich eine besondere Beziehung zu ihrer Heimat. Er verwies auf den bestehenden Kooperationsvertrag zu dem die Heimatvertriebenen den Grundstein gelegt hätten. Diesen Vertrag bezeichnete der Landrat als "ein kleines Samenkorn, das langsam aufgeht". Damit würden auch Brücken zu den Menschen in Ostpreußen gebaut.

Einleitung dankte Frau Galina Maksimchuk für die Bereitschaft, eng zusammenzuarbeiten. Sie skizzierte den russischen Teil Ostpreußens als kleinste Region der Russischen Förderation, die keine Grenze zum Mutterland habe.

Deutschland nannte sie als den führenden Handelspartner. Sie vermittelte den Teilnehmern ein neues Programm, das die regionale Entwicklung fördern, Wohlstand und Lebensqualität bringen soll. Ziel sei es, sich an den Lebensstandard der Anrainerstaaten anzugleichen. Als einzelnen Schwerpunkte führte die Referentin aus: Entwicklung der Energiewirtschaft und des Transportwesens, Intensivierung der Landwirtschaft und Ausbau der Nahrungsmittelindustrie und Förderung des Tourismus. Besondere Priorität habe die Förderung der landwirtschaftlichen Produktion. So erhielten die Landwirte zinslose Darlehen.

Frau Maksimchuk sprach von einem Umbruch im Bewusstsein der Menschen in Ostpreußen. Die Menschen hätten die Liebe zum Boden entdeckt. Abschließend dankte sie für die Unterstützung. "Wir müssen noch viel von Ihnen lernen. Wir laden Sie ein, damit Sie uns weitere Kenntnisse vermitteln", unterstrich sie unter Beifall der Teilnehmer.

In Vertretung des Direktors der Landwirtschaftlichen Berufsschule in im ehemaligen Kreis Labiau referierte Prof. Dr. Wladimir Gilmanov. Er berichtete, dass ein Teil der landwirtschaftlichen Betriebe ihre Produktion steigern konnten. Die Förderung müsse aber vorangetrieben werden, stellte er fest. Zur Beschleunigung trage die Koordination zwischen dem Staatsapparat, den Banken und den landwirtschaftlichen Betrieben bei.

Zur Produktivität der landwirtschaftlichen Betriebe führte er aus, bei der Fleischproduktion sei ein Wachstum von 106,6 Prozent im Verhältnis zum Jahr 2006 festzustellen. Probleme bereite jedoch die Milchproduktion. Der Niedergang bleibe bestehen.

Als akutestes Problem bezeichnete Prof. Gilmanov den Fachkräftemangel in der Landwirtschaft. Den ländlichen Raum sähen junge Leute als nicht attraktiv an. Sie zögen lieber in das Ballungsgebiet um Königsberg. Hinzu komme die längere Ausbildung in der Landwirtschaft im Verhältnis zu anderen Bereichen.

Der Referent für das heimatvertriebene Landvolk im Landesvorstand des BdV-Hessen ,Otto Klösel, zeigte sich erfreut über die positive Entwicklung. Die heimatvertriebenen Landwirte aus dieser Region hätten die dortige Situation mit Sorge beobachtet. "Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei Ihren Vorhaben. Die heimatvertriebenen Landwirte sind eng mit dem Boden verbunden. Sie finden bei uns immer offene Ohren", sagte zu den Gästen aus dem russischen Teil Ostpreußens.

Adolf Wolf
im März 2008