Vor dem Untergang bewahrt

Ausstellung im Haus der Heimat in Wiesbaden

Der Zweite Weltkrieg und die Folgen der Vertreibung der Deutschen aus Schlesien setzte dem dortigen deutschen Kulturgut sehr zu. Einen Einblick in die Rettung der Zeugen der deutschen Vergangenheit gibt eine Ausstellung unter dem Titel "Vor dem Untergang bewahrt", die im Haus der Heimat in Wiesbaden eröffnet wurde.

Der Landeskulturreferent des BdV-Hessen, Otmar Schmitz, führte bei der Begrüßung aus, der Titel der Ausstellung treffe genau die Ziele der Kulturarbeit der Vertriebenen.

Als Ehrengäste konnte er den früheren Chef des Bundeskanzleramtes unter dem ehemaligen Bundeskanzler, Dr. Helmut Kohl, Bundesminister a. D. Dr. Friedrich Bohl, und den Leitenden Ministerialrat a. D., Dirk Hummel, begrüßen.

Weiter verlas Schmitz ein Grußwort des hessischen Innenministers, Volker Bouffier, in dem es heißt, die Bewahrung der Kulturgüter habe einen hohen Wert für die Gesellschaft.

Der Landesvorsitzende des BdV-Hessen, Alfred Herold, hob hervor, die Ausstellungen im Haus der Heimat in Wiesbaden "sind mit ein Kernstück unserer Arbeit". Er beklagte, dass oft die Geschichte falsch dargestellt werde oder "mit dem Stacheldraht der Ignoranz umgeben wurde". Der Landesvorsitzende wies auf die grenzüberschreitenden Aktivitäten der Heimatvertriebenen hin. Mit Blick auf die Erhaltung der Kulturgüter in seiner Heimat fuhr er fort: "Die deutschen Heimatvertriebenen sind nach der Neuordnung der politischen Verhältnisse nicht mit geballten Fäusten, sondern mit gefalteten Händen in ihre Heimat gefahren". Sie hätten in großem Maß zur Erhaltung des deutschen Kulturguts beigetragen.

Leitender Ministerialrat a. d. Dirk Hummel überbrachte die Grüße der Hessischen Sozialministerin Silke Lautenschläger sowie des Landesbeauftragten der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Rudolf Friedrich. Die Kulturarbeit der Heimatvertriebenen wirke völkerverständigend, stellte er fest.

In die Ausstellung führte der Leiter der Forschungsstelle für Personalschriften an der Philipps-Universität Marburg, Prof. Dr. Dr. h.c. Rudolf Lenz, ein. Er berichtete über seine wissenschaftlichen Arbeiten sowie über die Schwierigkeiten bei den Bemühungen um die Erhaltung des deutschen Kulturguts in Schlesien. Im Rahmen der Ermittlung, Katalogisierung und Aufarbeitung von Leichenpredigten sei man auch auf die ehemals reiche Kulturlandschaft Schlesien aufmerksam geworden. Seit 1981 würden diese Arbeiten durchgeführt. Dabei zeigte sich auch, "dass ein Gutteil des kulturellen Erbes Schlesiens - nicht nur die papierne, sondern auch das steinerne - vom Untergang bedroht war, sollte nicht Abhilfe geschaffen werden". Bisher hätten 23 Restaurierungsprojekte in Schlesien durchgeführt werden können, drei Projekte seien in Angriff genommen worden.

Als markantes Beispiel nannte Prof. Lenz die Restaurierung des Rybisch-Hauses in Breslau (siehe Bild). Hier bestehe ein besonderer Bezug zu Hessen. Der Erbauer des Rennaissance-Gebäudes, Heinrich Rybisch, wurde in Büdingen in Hessen geboren, war königlicher Rat, General-Steuereinnehmer und Rentmeister für Schlesien und die beiden Lausitzen. Er ließ das Palais zwischen 1526 und 1531 errichten.

Prof. Lenz schilderte die Probleme und Widerstände bis zur Durchführung der Restaurierung. Erst 1996 habe sich auf der polnischen Seite etwas bewegt, als sich abzeichnete, dass 1997 der Eucharistische Weltkongress in Breslau in Anwesenheit des Papstes stattfinden würde und die Stadt herausgeputzt werden musste, erläuterte Prof. Lenz. Die Restaurierung konnte jedoch bis zu diesem Ereignis nicht abgeschlossen werden. Erst am 15. Oktober 1998 sei es möglich gewesen, das Rybisch-Haus in einem Festakt in Anwesenheit des Stadtpräsidenten Bogdan Zdrojewski und von Bundesminister Dr. Friedrich Bohl der polnischen Öffentlichkeit zu übergeben.

Weitere Restaurierungsprojekte waren das Grabmahl von Heinrich Rybisch in der Elisabethenkirche in Breslau, das Mausoleum der Familie von Prottwitz und Gaffron in Nimpsch sowie die Fresken in der Dorfkirche zu Lüssen. Außerdem wurden nicht nur mehrere Nepomuk-Denkmäler in Niederschlesien restauriert, sondern auch die Epitaphien an der Christophori-Kirche in Breslau. Die Finanzierung dieser Maßnahmen erfolgte durch das Bundesministerium des Innern sowie durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Die Restaurierung der des Epitaphs von Katharina Rabisch, der Schwiegertochter von Heinrich Rybisch, in der Elisabethenkirche in Breslau, wurde im Jahre 2006 durch Mittel des Hessischen Sozialministeriums ermöglicht.

Die Ausstellung umfasst 105 Tafeln. Sie ist bis zum 27. Februar 2009 im Haus der Heimat in Wiesbaden, Friedrichstraße 35, zu sehen.
Öffnungszeiten von Montag bis Freitag von 14.00 bis 19.00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Adolf Wolf
im Januar 2009