Im Dienste der Menschheit

Ausstellung "Im Dienste der Menschheit - Bedeutende Persönlichkeiten
aus dem historischen deutschen Osten" im Haus der Heimat in Wiesbaden eröffnet

Seit Ende April birgt das Haus der Heimat einen ganz besonderen Schatz: die Präsentation von bedeutenden Persönlichkeiten aus dem historischen deutschen Osten.

BdV-Landeskulturreferent Otmar Schmitz hatte das Ereignis von langer Hand vorbereitet. Seine Mühe hat sich gelohnt, Die hervorragende Ausstellung kann sich im wahrsten Sinne des Wortes sehen lassen. Gezeigt wurde sie bereits an 28 Orten, davon siebenmal im Ausland. Erarbeitet wurde die Ausstellung von einer Expertengruppe, noch unter der Leitung des in Neusatz/Niederschlesien geborenen Professors Dr. Eberhard Günter Schulz, der leider in 2010 verstarb.

Sie zeigt einen Überblick über Leben und Schaffen von insgesamt 80 Persönlichkeiten aus den Geistes- und Naturwissenschaften, der Medizin, Jurisprudenz, Literatur, den bildenden Künsten, der Musik, dem religiösen Leben, der Technik und Wirtschaft, der Politik und dem Militärwesen, deren Herkunft aus dem deutschen Osten prägend gewesen ist.

Die Ausstellung ist in mehrfacher Hinsicht ein interessantes Lehrstück: Alle Dargestellten haben Herausragendes geleistet und damit weltweite Anerkennung gefunden. Die meisten sind Beispiele für eine Weltoffenheit, die jede nationale Enge und jeden Lokalpatriotismus hinter sich lässt. Und Weltoffenheit ist letztlich die Bedingung für jeden Fortschritt.

Zugleich leistet die Ausstellung einen Beitrag zur Herausbildung eines gesunden deutschen Nationalbewusstseins nach alledem, was von 1933 bis 1945 in Deutschland und durch Deutschland geschehen ist. Das deutsche Volk hat bewundernswerte Beiträge zur Kultur der Menschheit geleistet und daran haben Deutsche in den historischen Siedlungsgebieten im Osten einen überdurchschnittlichen Anteil beigetragen.

Zur Eröffnung konnte das "Haus der Heimat" in Wiesbaden die Geladenen kaum fassen. Die Anwesenheit der Literaturwissenschafterin Prof. Dr. Roswitha Wisniewski - sie hat viele Jahre mit Professor Schulz gemeinsam gearbeitet und geforscht - gab der Eröffnungsveranstaltung ein besonderes Gewicht. Aus Stolp in Pommern stammend, war sie die erste Frau, die an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg einen Lehrstuhl erhielt. Als Vizepräsidentin steht sie heute der "Stiftung Deutsche Kultur im östlichen Europa - OKR", vor. Mit besonderem Applaus wurde Viola Plump, Tochter von Professor Schulz, begrüßt. Wiesbadens Oberbürgermeister Dr. Helmut Georg Müller war durch Stadträtin Dr. Doris Jentsch hervorragend vertreten. "Ich werde mich dafür einsetzen, dass die Ausstellung von der Jugend besucht wird" erklärte sie in ihrem Grußwort.

In ihrer Ansprache erklärte Professor Wisniewski, dass es für jedes Land der Bundesrepublik Deutschland eine selbstverständliche stolz und gern erfüllte Pflicht ist, herausragende Persönlichkeiten und kulturelle Leistungen zu würdigen. Das ist für die heute nicht mehr zu Deutschland gehörenden oder deutsch geprägten Regionen im östlichen Europa nicht mehr einschränkungslos möglich, bei aller Hochachtung vor den immer stärker einsetzenden Bemühungen der jetzt dort lebenden Menschen.

Die früher dort beheimateten Deutschen haben das kulturelle Erbe als geistiges Gepäck mitgebracht. Und so ist in der Bundesrepublik Deutschland seit 1945 ein beachtliches Werk der Bewahrung der kulturellen Leistungen bedeutender Persönlichkeiten aus dem Osten Mitteleuropas entstanden. Durch Museen, Galerien, Bibliotheken, Heimatstuben, Universitätslehrstühle, der Stiftung OKR, entwickelte sich ein Netzwerk zur Bewahrung, Sanierung und Präsentation des deutschen kulturellen Erbes aus dem östlichen Europa. Es war gewissermaßen "heimatlos" geworden. Nach den Vertriebenen und Flüchtlingen sind es heute besonders junge Wissenschaftler, auch der östlichen Nachbarvölker, die sich der kulturellen Vergangenheit der Deutschen aus dem Osten annehmen.

Als Beispiel nennt Professor Wisniewski das Werk von Ewa Hendryk "Hinterpommern als Weltmodell in der deutschen Literatur nach 1945". Mit dieser Arbeit wird der Versuch unternommen, sich der gar nicht einfachen, aber doch höchst interessanten regionalen Wirklichkeit Hinterpommerns, einer der verlorenen deutschen Provinzen, anzunähern und das noch unzulänglich erfasste literarische Spektrum aufzuarbeiten. Die Arbeit bietet eine umfassende Bestandsaufnahme der Schriftsteller aus Hinterpommern, sowie deren Werke und Themenkomplexe. Die Ausschnitte und Querschnitte der pommerschen Realität werden an exemplarisch ausgewählten Texten vorgeführt. Im Vordergrund steht das gute, alte Hinterpommern, ein spezifischer Lebensraum, verstanden als Weltmodell, das Konzept "Heimat" und seine unterschiedlichen Gestaltungsweisen wie auch das Thema der Flucht und Vertreibung aus Hinterpommern.

Besonders freut es Professor Wisniewski, dass im Bericht der Bundesregierung vom 16. Dezember 2009 über Maßnahmen zur Förderung der Kulturarbeit, gemäß 96 des Bundesvertriebengesetzes, die Kulturförderung als "visionäres Kernanliegen" anerkennt.

Es ist ihr ein besonderes Anliegen, Christine Brückner geboren bei Bad Arolsen zu nennen, in deren Romanen immer wieder die Bindung an die Heimat angesprochen wird sowie den Bildhauer Bernhard Heiliger aus Stettin, dessen Werk "Die Flamme", den Ernst-Reuter-Platz in Berlin ziert.

Unverzeihlich wäre jedoch, so die Festrednerin, bei dieser Veranstaltung den großen Königsberger Immanuel Kant in der Ansprache nicht zu würdigen, der seine Heimatstadt nie verließ, aber dennoch Weltgeltung erreichte. Sein philosophischer Entwurf "Zum ewigen Frieden", welcher die Präliminarartikel zum ewigen Frieden unter Staaten enthält, sollte immer wieder neu aufgelegt werden. "Hoffen wir, dass es dereinst gelingt, den ewigen Frieden zu schaffen. Diese Ausstellung soll dazu beitragen, dass wenigstens Kultur immer bewusster wird", schloss Professor Wisniewski.

Beim Rundgang durch die Ausstellung, deren Exponate über zwei Etagen verteilt sind, lobten alle die grundsätzliche Idee der Darstellung und die ausgezeichnete praktische Umsetzung. Die beiden anwesenden Präsidialmitglieder des Bundes der Vertriebenen, zugleich Mitglieder des hessischen BdV Landesvorstandes, Alfred Herold und Hartmut Saenger, waren beeindruckt von der Fülle des Dargebotenen. Dr. Herfried Stingl vom BdV-Landesvorstand und der ehemalige Landesbeauftragte der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler Rudolf Friedrich, waren ebenso unter den Gästen wie die frühre CDU-Stadtverordnete Ingrid Reiss.

Ein soeben vom Bergstadtverlag W. G. Korn, Freiburg, vormals Breslau, neu aufgelegtes Begleitbuch gibt ausführliche Erläuterungen zu den auf den Tafeln gezeigten und kurz charakterisierten Persönlichkeiten. Es ist zum Preis von 20,00 in der Ausstellung erhältlich.

 

 

 

 

 

Im Dienste der Menschheit - Bedeutende Persönlichkeiten aus dem historischen deutschen Osten.
Haus der Heimat, 65185 Wiesbaden, Friedrichstraße 35, Telefon 0611-36019-0
Dauer der Ausstellung: 29. April - 28. Mai 2011
Geöffnet: Montag - Freitag 14.00 - 19.00 Uhr
Samstag 10.00 - 14.00 Uhr
Eintritt frei

Im Mai 2011