"Haus der Heimat" in Wiesbaden besteht seit 50 Jahren

Stellvertr. Ministerpräsident Jörg-Uwe Hahn:
"Recht auf Heimat ist keine deutsche Erfindung, sondern im Völkerrecht festgeschrieben".

Das "Haus der Heimat" in Wiesbaden - Heimat für Vereine und Landsmannschaften - feierte am Samstag seinen 50. Geburtstag. Der Kulturring, Dachorganisation der Vereine und Landsmannschaften im Haus, hatte gemeinsam mit dem Bund der Vertriebenen (BdV), Landesverband Hessen, zur Feier eingeladen.

Beim "Haus der Heimat kommt es hier nicht unbedingt auf das Gebäude an, sondern auf den Inhalt", erklärte Manfred Laubmeyer, Vorsitzender des Kulturringes, in seiner Festrede. Stolz legt er eine lange Gästeliste vor. Ausführlich hatte sich "ein Zeitzeuge", der Landesbeauftragte der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler a.D. Rudolf Friedrich, schriftlich erinnert.

Seit 1962 treffen sich im HdH Vereine und Landsmannschaften "zur Durchführung von kulturellen, gesellschaftlichen und vereinsmäßigen Veranstaltungen und zur Verbreitung des Heimatgedankens", so Laubmeyer weiter. Bis zu 1.900 Veranstaltungen im Jahr würden durchgeführt. "Mit der Welle der Spätaussiedler in den 80er und 90er Jahren war das Haus stark belegt mit Sprachkursen und Beratungsstunden für viele, die die deutsche Sprache nicht sprechen durften. Zusätzlich wurden sie mit der hiesigen Mentalität der Gesellschaft vertraut gemacht." Bis heute werde das Haus intensiv für Sprachkurse, Integration sowie für Tanz- und Sportausbildung genutzt. In den letzten Jahren vor allem von der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland. Auch baulich werde immer wieder etwas verändert.

So seien zum Beispiel Ausstellungsräume geschaffen worden. In diesen Räumen, sie sind direkt von der Straße aus zugänglich, befindet sich seit Samstag eine Ausstellung zur Geschichte des Hauses. An großen Schautafeln und in Vitrinen haben die Menschen die das Haus nutzen, ihre wichtigsten Erlebnisse dokumentiert. Die Ausstellung ist noch bis Samstag, d. 13. Oktober geöffnet. Montag bis Freitag ab 14.00 Uhr, Samstag ab 10.00 Uhr. Sonntag geschlossen.

In seiner Festansprache bekräftigte der Hessische Minister der Justiz, für Integration und Europa und stellvertretender Ministerpräsident Jörg-Uwe Hahn, dass die Haushaltsansätze für die Vertriebenen- als auch für die Spätaussiedlerprojekte auf hohem Niveau erhalten bleiben.

Sein besonderes Lob galt Manfred Laubmeyer. Dessen "Kulturring Haus der Heimat" habe in all den Jahren bei der Konzeption des HdH eine wichtige Rolle gespielt und deshalb zur Erfolgsgeschichte beigetragen. Auch der Hessische Landesbeirat für Vertriebene, Flüchtlinge und Spätaussiedler habe viele nützliche Vorschläge eingebracht. Zu danken sei dem Landesverband des BdV, dem die Verwaltung des HdH übertragen wurde. Dieser Aufgabe ist der BdV immer mit großer Sachkenntnis und in verantwortungsbewusster Weise nachgekommen.

Wiesbadens Oberbürgermeister Dr. Helmut Müller überbrachte Grüße des Magistrats.
Er erinnerte daran, wie sich die Aufgaben in der Vertriebenenarbeit im Laufe der Jahre gewandelt haben. In den Nachkriegsjahren standen Lastenausgleichsfragen und Wohnungsbau im Vordergrund, stand später die Pflege der Tradition sowie die Pflege Brauchtums des Ostens und Mitteldeutschlands im Vordergrund. Diesen Aufgaben ist das Haus der Heimat immer im vollen Umfang gerecht geworden.

BdV-Landesvorsitzender Siegbert Ortmann nannte in seinem Grußwort das "Haus der Heimat" "ein geistig-kulturelles Zentrum der Vertriebenen, Flüchtlinge und Spätaussiedler aus Wiesbaden und darüber hinaus". Doch jede darin residierende Institution, müsse immer wieder ihre Arbeit überprüfen. Werden die Ziele erreicht, die man sich vorgenommen hat? Hat sich das Umfeld verändert? Muss man sich als Volksgruppenverband neu für die Zukunft aufstellen und ausrichten? Was kann besser und effizienter gemacht werden, um eine mit Steuermitteln unterstützte Einrichtung dieser Art in Zukunft weiterhin zu rechtfertigen? Diese und ähnliche Fragen müssten wir uns, als derzeitige Nutzer im Haus der Heimat, regelmäßig stellen. Wir müssten uns intensiv um die interne Zusammenarbeit im Hause kümmern weil wir am selben Ziel arbeiten, nämlich Geschichte und Kultur der östlichen Vertreibungsgebiete zu erforschen und an zukünftige Generationen weiterzugeben. Und dabei spiele auch die Qualität der einzelnen Einrichtungen eine Rolle. Denn nur durch Qualität werde man sich dauerhaft in der hessischen, deutschen und europäischen Kulturlandschaft behaupten können. Das erfordere aber wiederum ausreichend geeignetes, hauptamtliches Personal."Und so wende ich mich auch bei dieser Gelegenheit an den zuständigen hessischen Ressortminister und bitte ihn weiterhin um Gewährung der für alle diese Aktivitäten notwendigen Geldmittel. Mitgliedsbeiträge und Spenden reichen dafür längst nicht mehr aus", so Ortmann.

Ganz still wurde es im Saal, als Helena Päßler vom Kulturring das Schlußwort sprach. 1965 war sie aus der Tschechoslowakei im Rahmen der Familienzusammenführung in die Bundesrepublik gekommen. Ihr Onkel wurde 1945 von Tschechen erschossen, weil er, wie sie sagte, "ein Herz" hatte. Er hatte einem 15jährigen deutschen Soldaten Zivilkleidung gegeben, damit er nach Hause kommen konnte. Fünf Tage vor Hl. Abend 1965 kam die Familie im Auffanglager Nürnberg an. Der Willkommensgruß am Bahnhof war: "Wann nimmt das denn ein Ende mit den Flüchtlingen". "Es wird auch kein Ende nehmen", schloß sie " solange es in anderen Ländern immer noch Unterdrückung, Verfolgung, und wirtschaftliche Not gibt".

Manfred Laubmeyer hatte für einen festlichen musikalischen Rahmen für die Jubiläumsveranstaltung gesorgt. Der Chor Ost- und Westpreußen Berlin-Mark-Brandenburg trat mit "Die Gedanken sind frei" und "Schicke deine Sehnsucht" auf. Der Trompeter Eduard Mollecker wurde von seiner Frau Natalia am Flügel begleitet. Für "Marsch" von J. Clarke und "Trumpet voluntary" gab es dankbaren Applaus. Die junge Katharina Schwarz, Siegerin beim Wettbewerb "Jugend musiziert" eroberte im Nu mit ihrem Tanz und Gesang die Herzen der Gäste.

Text: Norbert Quaiser
Fotos: Erika Quaiser

Im September 2012