Christen in der Türkei

Kulturseminar der Ackermann-Gemeinde Hessen in Butzbach
Matthias Dierßen sprach über die historische Entwicklung des Christentums in der Türkei und die aktuelle Lage nach dem "Arabischen Frühling"

Unter ein aktuelles Thema hatten Peter Hoffmann und Wolfgang Neudörfl das Kulturseminar zum Jahresausklang gestellt: Die politischen Erschütterungen im östlichen Mittelmeerraum, die auch die Türkei, "das Land der Kirche", wie Johannes Paul II. die Türkei nannte, tangieren. Denn in Antiochia nannten die Christen sich zum ersten Mal Christen. Die Stadt heißt heute Antakya und liegt auf dem Territorium der Türkei. Auch Tarsus, die Heimat des Apostels Paulus, ist heute türkisch. Und viele der Stätten, die uns aus der Apostelgeschichte vertraut sind - von Ephesus bis Caesarea: Das Christentum gehört zweifelsfrei zur Türkei.

Der Referent, Matthias Dierßen, kennt "Land und Leute" aus eigener Erfahrung. Als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Kirchengeschichte von Böhmen-Mähren-Schlesien, hat er mit Professor Grulich die Türkei oft bereist. "Das war kein Vortrag aus einem Lehrbuch" sagte jemand.

Nach dem Seminar wurde die Einladung von Pfarrer Eberhard Heinz zum Gottesdienst gern angenommen. Was die wenigste wußten: die Pfarrgemeinde Sankt Gottfried ist gerade einmal hundert Jahre alt und für den Neubau der Sankt-Gottfrieds-Kirche gaben Heimatvertriebene den Anstoss.

Es gab schon früher eine katholische Gemeinde in Butzbach. Die heute evangelische Markuskirche stammt aus dem Beginn des 14. Jahrhunderts und hatte sicher noch eine Vorgängerin. Mit der Reformation kam das Ende der katholischen Gemeinde. Erst seit 1857 gab es wieder regelmäßig katholische Gottesdienste, zuerst noch im Schloß, dann ab 1880 in der St. Josefs-Kirche, der heutigen Friedhofskapelle. Durch die Heimatvertriebenen, die nach dem Zweiten Weltkrieg nach Butzbach kamen, wuchs die Zahl der Katholiken so stark an, dass ein Kirchenneubau erforderlich wurde. Die Sankt-Gottfrieds-Kirche wurde 1953 eingeweiht.

Der 500 Jahre alte Marienaltar ist etwas Besonderes in Sankt Gottfried. Er steht im rechten Seitenschiff. Dieses musste extra höher gebaut werden, damit der Altar hineinpasst. 1880 schenkte ihn die ev. Kirchengemeinde den Katholiken für ihre neue St. Josefs-Kapelle.

Nur in der Advents- und Fastenzeit ist die Außenseite des Altars zu sehen. Denn in diesen Zeiten des Fastens und der Vorbereitung wird traditionell der Altar zugeklappt. Eigentlich schade, denn die Malerei auf der Außenseite ist sehr schön und mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Fünf Nothelfer hatte der Künstler, der den Altar schuf dargestellt, zwei davon haben übrigens direkten Bezug zum Seminarthema: die heilige Margareta von Antiochia und der heilige Erasmus. Das Bild zeigt ihn als Bischof von Antiochia im Gefängnis.

Ein Gedenken vor dem Altar war der besinnliche Abschluß eines gut gelungenen Ackermann-Kultur-Seminars.

Text: Norbert Quaiser; Fotos: Erika Quaiser
Im Dezember 2012