Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat die Heimatvertriebenen in seiner Festrede am "Tag der Heimat" in Berlin als "Brückenbauer" zu den östlichen Nachbarn gelobt.
"Vertriebene sind Zeitzeugen, Brückenbauer und Visionäre".
Der "Tag der Heimat" dürfe nicht zum Ritual werden.

Zum Festakt im ICC - Internationalen Congress Centrum in Berlin, waren am Sonntag Gäste aus allen Teilen Deutschlands angereist, darunter eine starke hessische Delegation. Der versicherte "ihr" Ministerpräsident, dass die finanziellen Mittel für die Vertriebenenarbeit in Hessen unter seiner Regierung nicht gekürzt werden. "Denn das, was den Vertriebenen geschehen ist, darf nicht in Vergessenheit geraten", so Bouffier. Zum nächsten "Hessentag", ursprünglich eine Gründung um Flüchtlingen und Heimatvertriebenen ein Gefühl für ihre neue Heimat zu verschaffen, sind alle nach Kassel eingeladen.

Der "Tag der Heimat" sei ein besonderer Tag, nicht nur für die Heimatvertriebenen, sondern für ganz Deutschland. Der Tag dürfe nicht zum Ritual werden, sondern ein belebendes Element bleiben. Gerade in der modernen Welt der Überschriften, vermittelt das Wort "Heimat" das "Gefühl einer gelungenen Existenz".

"Ein Mann, den ich sehr verehre", so der Ministerpräsident, "der Philosoph Otto Marquardt, hat einen Spruch philosophisch brillant formuliert und dann in einem Satz zusammengefasst: "Zukunft braucht Herkunft". Es ist die Chance, Zukunft zu gewinnen, wenn man die Herkunft kennt. Deshalb haben wir die Verpflichtung, jungen Menschen, die weder verwandtschaftliche Bindungen noch persönliche Erfahrungen besitzen, die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg nahe zu bringen."

Es gäbe viele Gründe, dem Bund der Vertriebenen und den Landsmannschaften zu danken. Ihre Aufbauleistung, ihre Integrationsleistung und ihr fortwährendes gesellschaftliches Engagement, dies alles sei von grundlegender Bedeutung. Jetzt erfülle sich, so Bouffier, das, was in der "Charta der deutschen Heimatvertriebenen" festgeschrieben wurde, nämlich, dass die deutschen Heimatvertriebenen sich am Aufbau der demokratischen Strukturen in Europa beteiligen.

Bouffier hält den Bund der Vertriebenen für ein wesentliches Verbindungselement zwischen den Ländern in Europa, nämlich Brücken zwischen den Herkunftsländern und den Ländern, zu bauen, die heute Teil der Europäischen Union sind. Es sei keine Frage, dass wir unsere Zukunft mit Europa verbinden müssten, aber mit realistischem Blick: "Staaten haben keine Freunde, Staaten haben Interessen", so Bouffier.

Die Vertriebenen seien keine "randständige Restgruppe", die die Zeit nicht verstanden hätten. Mit Vertriebenen könne man auch nicht "nach Zweckmäßighkeit" umgehen. "So lange die Benes-Dekrete aktuell sind, ruht die Vergangenheit nicht", so der Hessische Ministerpräsiden unter starkem Applaus. "Wir wollen einen nationalen Gedenktag, zum Gedenken an die Opfer von Flucht und Vertreibung und zwar möglichst bald" fügte er hinzu. Damit stellte er sich hinter eine entsprechende Forderung von Präsidentin Erika Steinbach.

"Mit Trauer und Scham gedenken wir der vielen Millionen Menschen, die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in der dunkelsten Epoche deutscher Geschichte wurden", sagte Bouffier. "Doch jedes Unrecht stehe auch für sich. Die Vertreibung von 14 Millionen Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg dürfe weder verdrängt noch vergessen werden."

Lied und Variationen zu "Kein schöner Land" intonierten die "Potsdamer Turmbläser" zum Abschluß meisterhaft. Nach Verklingen des letzten Tones lange Stille und schließlich ein ganz großer Applaus.

Im Anschluß an den Festakt fand am Ehrenmal für die deutschen Heimatvertriebenen auf dem Theodor-Heuss-Platz, die feierliche Kranzniederlegung mit Ansprachen des Berliner BdV- Landesvorsitzenden Rüdiger Jakesch, BdV-Präsidentin Erika Steinbach und dem Berliner Innensenator Frank Henkel statt.

Text: Norbert Quaiser
Fotos: Erika Quaiser

Im September 2012