Bund der Vertriebenen (BdV) Kreisverband Wetzlar begeht "Tag der Heimat" in Wetzlar-Büblingshausen

Festredner Johann Böhm: "Die Opfer müssen ins Recht gesetzt werden"

Unter dem Motto "Erbe erhalten- Zukunft gestalten" hat der BdV-Kreisverband Wetzlar im Büblingshäuser Bürgerhaus den bundesweiten "Tag der Heimat" gefeiert.
Festredner vor 200 Teilnehmern war der frühere Präsident des Bayerischen Landtags und Alt-Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Johann Böhm.

Neben der CDU-Bundestagsabgeordneten Sybille Pfeiffer, erwiesen der Landtagsabgeordnete und Mitglied des Kreistages Dr. Matthias Büger (FDP), der Landtagsabgeordnete Hans-Jürgen Irmer (CDU), die Kreistagsvorsitzende Elisabeth Müller (CDU), der Erste Kreisbeigeordnete Wolfgang Hofmann (FWG) sowie Stadtrat Karlheinz Kräuter (SPD) dem Bund der Vertriebenen ihre Referenz.

"Jeder Mensch muss wissen, wo er herkommt und wo er steht. Erst dann kann er seine Zukunft gestalten," sagte BdV-Kreisvorsitzender Manfred Hüber bei der Begrüßung. Vielfach verbanden die Redner ihre Grußworte mit einem Dank an die Heimatvertriebenen für deren Mitwirkung am Wiederaufbau Deutschlands nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945.

In seiner Festansprache nahm Johann Böhm, selbst Heimatvertriebener aus dem Egerland, Bezug auf die Befindlichkeit seiner Landsleute nach deren Vertreibung aus der Heimat in der damaligen Tschechoslowakei. Durch ein Dekret des damaligen tschechoslowakischen Staatspräsidenten Eduard Benesch - das sogenannte Benesch-Dekret - von 1945, seien die Sudetendeutschen, entgegen allen Menschenrechten, ihrer Staatsbürgerschaft enthoben, entschädigungslos enteignet und als Landesfeinde ausgewiesen worden. Wo Unrechtsakte fortwirken, sei die Politik zum Handeln aufgefordert, zumal die Benesch-Dekrete bis heute Gültigkeit hätten, erklärte Böhm. Die Opfer müssen ins Recht gesetzt werden. Diese haben gelitten und leiden immer noch. Sich um die Opfer zu kümmern, sei eine gesamtpolitische Aufgabe. Zugleich erinnerte Böhm daran, dass die Vertriebenen-verbände bereits fünf Jahre nach Kriegsende, mit ihrer "Charta der deutschen Heimatvertriebenen" den Verzicht auf Rache und Vergeltung erklärt hätten. "Sie haben dem Nationalstaatswesen abgeschworen und auf ein friedliches Europa gesetzt".

Als ein "Geschenk des Himmels" würdigte Böhm die Partnerschaften deutscher Gemeinden mit den Ursprungsorten der Vertriebenen. Die Vertriebenen fühlten sich wieder aufgenommen. Aus dem Gefühl des Ausgestossenseins erwuchs ein neues Heimatgefühl. Dass sich die Vertriebenenverbände der Pflege ihrer angestammten Kultur zur Aufgabe gemacht haben, spiegelte sich wider, in den Darbietungen der "Wetzlarer Musik-Senioren", unter Stabführung von Helmut Mosberger (Burgsolms), den vereinigten Sängern aus den Chören der Büblinghäuser "Harmonie", des "Lahngrußes" und des Wetzlarer "Unionschores" unter Leitung von Matthias Zipp (Tiefenbach) und des "Handglockenchors Hüttenberg" unter Leitung von Cornelia Neitzel (Rechtenbach).

Erna Staroste von der Landsmannschaft Schlesien sprach eindrucksvoll das Gedicht "Des Vaters Vermächtnis" von Matthias Claudius. Kuno Kutz von der Landsmannschaft der Ost- und Westpreussen erinnerte an die über drei Millionen Toten und Vermißten, die bei der Vertreibung aus ihrer Heimat das Leben gelassen haben. Er wies auch darauf hin, dass sich derzeit weltweit 40 Millionen Menschen auf der Flucht befinden oder vertrieben werden.

Der gemeinsame Gesang der deutschen Nationalhymne "Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland" und des Volksliedes "Kein schöner Land in dieser Zeit", beschloß die eindrucksvolle Festversammlung.

Text: Norbert Quaiser

Im September 2012