Trachtler mit "Huasnoantoutara" und "Batzerlstrümpfen"
dominierten bei Eröffnung der Ausstellung
"Egerland - gestern - heute" in Offenbach

Großer Besucherandrang gleich am ersten Tag

Am Sonntag, 2. Juni 2013 eröffneten Stadträtin Marianne Herrmann und Museumsleiter Dr. Jürgen Eichenauer im Haus der Stadtgeschichte die Ausstellung "Egerland - gestern - heute" in Offenbach, die sich dem sechzigsten Gründungsjahr der Egerländer Gmoi z'Offenbach e.V. widmet.

Gertraud Hirsch, Vorsitzende der Egerländer Gmoi z'Offenbach e.V., kam mit dem Händeschütteln kaum nach, so zahlreich war sie von Gratulanten umringt. Der 60. Geburtstag "ihrer" Gmoi war ein guter Anlaß auch von weit her anzureisen.
Stadträtin Marianne Herrmann (SPD), den Bundeskulturwart der Egerländer Gemeinden, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, zugleich Bundeskulturreferent der Sudetendeutschen Landsmannschaft, den stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Sudetendeutschen Landsmannschaft und hessischen BdV-Landesvorsitzenden Siegbert Ortmann sowie den hessischen Landesobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft Alfred Herold, sah man an der Spitze der Gratulanten.

Die Familienmusik Heß aus Hirschhorn am Neckar sorgte mit einer traditionellen egerländischen Instrumentenbesetzung für die musikalische Umrahmung.

Die Ausstellung widmet sich einer gelungenen Integrationsleistung, die sich sowohl durch kulturelle Arbeit als auch Teilnahme am öffentlichen Leben auszeichnet: Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen etwa 400.000 Sudetendeutsche nach Hessen. Viele von ihnen fanden in Offenbach am Main eine neue Heimat, woraufhin sich im Jahr 1953 die "Eghalanda Gmoi z'Offenbach" gründete.

Die Mitglieder verfolgen das Ziel, die Kultur des egerländischen Volksstammes als Teil des ehemaligen Landes Böhmen zu pflegen, zu erhalten und vor allem auch den Mitbürgerinnen und Mitbürgern in Offenbach näher zu bringen. Das sechzigjährige Jubiläum der Egerländer Gmoi wird zum Anlaß genommen, die egerländische Kultur von ihren ersten Anfängen im 12. Jahrhundert bis zu ihrer Eingliederung in Offenbach als Beispiel einer gelungenen Integration vorzustellen und im Rahmen dieser Ausstellung mit Bildern und Exponaten zu präsentieren.

Stadträtin Marianne Herrmann (SPD) sagte in ihrem Grußwort, dass die Egerländer Gmoi mit einer Vielzahl von Aktivitäten seit 60 Jahren dazu beitrage, daß das Egerland als uralte Kulturlandschaft nicht in Vergessenheit gerät. Mit der Offenbacher Vereinsgründung 1953 hätten Flüchtlinge und Vertriebene, die zerlumpt, ohne Habe, in Züge gesetzt, aus allen nur denkbaren egerländischen Dörfern, Orten und Städten auch in Offenbach am Main eingetroffen waren, wieder eine neue Verbundenheit und ein neues Zuhause gefunden. Das Wort Heimat sei an dieser Stelle zu wertvoll, um es ein zweites Mal zu benutzen. Für die schwer kriegszerstörte Stadt Offenbach habe die Aufnahme der Egerländerinnen und Egerländer, sowie einer großen Zahl weiterer deutscher Volksgruppen in der unmittelbaren Nachkriegszeit eine kaum mehr vorstellbare Aufgabe bedeutet, über deren Bewältigung die Protokolle des damaligen städtischen Flüchtlingsausschusses noch ein genaueres Bild zeichnen.

Heute zählt der Verein 170 Mitglieder. Aus der Erlebnisgeneration sei eine Bekenntnisgeneration geworden, die sich für egerländisches Brauchtum und egerländische Kultur einsetzt. Einige Mitglieder treffen sich wöchentlich, singen Lieder und studieren Tänze ein. "Ich bin froh", so Stadträtin Marianne Herrmann, "dass diese Aktivitäten in und aus Offenbach am Main heraus stattfinden und wir auf diese Weise neben vielen weiteren Orten und Städten zu einem Hort der egerländischen Traditionspflege geworden sind".

Bundeskulturwart Dr. Wolf-Dieter Hamperl fasste in seinem Festvortrag die reiche Geschichte und Kultur seiner Heimat zusammen. Im Jahre 1135 erstmals erwähnt, sei mit der Vertreibung der angestammten Bevölkerung in den Jahren 1945/46 der territoriale Begriff "Egerland" im staatsrechtlichen Sinne erloschen. Damit sei auch die egerländer Kultur in der Heimat untergegangen. Allein im Kreis Tachau sind 32 Dörfer "verschwunden". "Dagegen konnten die drei Weltbäder Karlsbad, Marienbad und Franzensbad noch rechtzeitig vor dem Verfall gerettet werden und ziehen inzwischen heute wieder Gäste aus aller Welt an", so Dr. Hamperl.

Großen Anteil an der Erschließung des Egerlandes und des westlichen Böhmens hatten vor allem die Klöster. Das Stift Tepl darf sich mit seinen rd. 70.000 Bänden zu den berühmtesten wissenschaftlichen Bibliotheken zählen. Lang ist die Liste bedeutender im Egerland geborener Größen der Literatur, Naturwissenschaftler, Fabrikanten, Maler, Graphiker und Musiker. Ernst Mosch kennt auch heute noch jeder. Als Glanzlicht Egerländer Geistesgeschichte darf man den "Ackermann von Böhmen" bezeichnen.

Das Bewußtsein auf jahrhundertealte Traditionen, auch im produktiven Bereich, war sicher mitentscheidend, dass sich die Egerländer in ihren neuen Siedlungsräumen schon bald als eine Kraft erwiesen, die dem zerstörten Nachkriegsdeutschland beim Wiederaufbau helfen konnten. Bundeskulturwart Dr. Wolf-Dieter Hamperl erinnerte dabei an die Blasinstrumentenhersteller aus Graslitz, die in Nauheim bei Groß-Gerau neue Produktionsstätten errichteten und an den Schönbacher Geigen- und Holzinstrumentenbau, der sich in Bubenreuth in Bayern zu neuer Blüte entwickelte.

"Ein wackeres, abgeschlossenes Völkchen..." sagte schon Goethe von den Egerländern. Ein wahrhaftig "eigenständiges Völkchen" waren die Egerländer tatsächlich - eine Volksgruppe, die bis heute ihre Eigenständigkeit bewahrt hat.
Der Eghalanda Gmoi z'Offenbach darf zu ihrer beispielhaften und erfolgreichen Arbeit während des 60-jährigen Bestehens gratuliert werden.

Die Ausstellung findet vom 2. Juni bis zum 30. Juni 2013 im Haus der Stadtgeschichte, 63065 Offenbach, Herrnstraße 6, statt.
Öffnungszeiten: Mo. geschlossen; Di./Do./Fr. 10 - 17 Uhr; Mi. 14 - 19 Uhr; Sa./So. 11 - 16 Uhr.
Eintrittspreise: Erwachsene 2,50 EURO, Rentner 2,00 EURO, Jugendliche 1,00 EURO.

Text: Norbert Quaiser; Fotos: Erika Quaiser
Im Juni 2013