Einmalig auf der Welt - die Schrotholzkirchen in Oberschlesien

Hessischer Bund der Vertriebenen holt Wanderausstellung nach Wiesbaden

In Oberschlesien bestehen Schrotholzkirchen schon seit Jahrhunderten. Nicht immer hat der historische Baubestand die Wertschätzung der heutigen Zeit erfahren. Das mag einer der Gründe sein, weshalb so manches Gotteshaus dem Verfall überlassen oder abgebrochen wurde.

Im Bau solcher Schrotholzkirchen zeigte sich die Natur- und Gottverbundenheit der Oberschlesier. Die Kirchen sind nicht nur Zeuge der waldreichen Vergangenheit, sie sind vor allem Wahrzeichen der oberschlesischen Kulturlandschaft. Die mit der Axt behauenen, "geschrotenen" Holzstämme waren billiges Baumaterial. Die Armut des Landes paarte sich hier mit dem Überfluss an Holz. Biedere Handwerker waren es, die in fleißiger Arbeit diese Bauwerke schufen.

Der hessische BdV-Landeskulturreferent Otmar Schmitz hat die Wanderausstellung "Schrotholzkirchen in Oberschlesien" ins Haus der Heimat nach Wiesbaden geholt und am 16. Mai eröffnet. Vom Oberschlesischen Landesmuseum in Ratingen wurde das Konzept für die Ausstellung erarbeitet. Unter den Gästen war deren Kurator Dr. Stephan Kaiser. Ein besonderes Willkommen galt Georg Unkelbach vom Hessischen Sozialministerium, Monika Mucha, Landesvorsitzende der Landsmannschaft der Oberschlesier, BdV-Kreisvorsitzender Manfred Laubmeyer, Helmut Liewald, Landesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien sowie Prof. em. Dr. Winfried Baumgart - Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Auf großformatigen Rolldisplays werden 31 Schrotholzkirchen aus den Woiwodschaften Schlesien und Oppeln vorgestellt. Es fehlen weder die erste urkundliche Erwähnung, besondere Baumerkmale noch Einzelheiten der inneren Ausstattung. Die charakteristischen Beispiele aus allen Landesteilen offenbaren den besonderen Charme dieser Kirchenbauten. Auch Hinweise, wie z.B. bei der Filialkirche St. Laurentius in Sacharsowitz " Im Juni 1997 wurden die wertvolle Figur der Anna Selbtritt und die Flügel des Triptichons gestohlen und durch Kopien ersetzt", sind vermerkt.

Frau Mucha entdeckte sofort das Bild "ihrer" Hedwigskirche in Hindenburg. In der Kapelle der heiligen Barbara befindet sich ein aus Kohle gefertigter Altar, gestiftet durch die Kumpel der Hindenburger Gruben Guido und Delbrück. 1931 wurde der als "Janosch" bekannte Kinderbuchautor und Schriftsteller Horst Eckert in der Hedwigskirche getauft.

Dem Oberschlesischen Landesmuseum in Ratingen steht Dr. Kaiser als Direktor vor.
Man nutzt heute dort, wie er ausführte, aktiv und innovativ die Möglichkeiten grenzüberschreitender Zusammenarbeit mit Museen und kulturellen Einrichtungen in den schlesischen Landesteilen Polens und Tschechiens. Eine Kooperationsvereinbarung zwischen dem Land Nordrhein-Westfalen und der Wojewodschaft Schlesien bietet dafür den offiziellen Rahmen. Großer Wert wird Wanderausstellungen zugemessen, um Information außerhalb des Museums zu leisten. Sie sollen auch anregen, Schrotholzkirchen an ihren Ursprungsorten in schlesischer Heimat zu besuchen. Für die Woiwodschaften Schlesien und Oppeln gibt es ausgearbeitete Routen.

Die vorliegende Ausstellung, geschickt von Hubert Leja und Anna Kokoc in 2 Sälen arrangiert, stellt ein gutes Beispiel von gelungener Präsentation dar. Sie kann als herzliche Einladung gelten, sich nach Oberschlesien auf den Weg zu machen.

Die Ausstellung ist noch bis 22. Juni 2013 im Haus der Heimat in Wiesbaden, Friedrichstr. 35 zu besichtigen.
Öffnungszeiten:
Mo. - Fr. 14.00 - 19.00 Uhr, Sa. 10.00 - 14.00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Text: Norbert Quaiser; Fotos: Erika Quaiser
Im Juni 2013