60 Jahre Bundesvertriebenengesetz

Feierlicher Festakt vor historischer Kulisse in der Alten Börse in Leipzig

"Nationaler Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung" am 19. Mai?

Zu dieser Jubiläumsveranstaltung hatte der Landesverband der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen/Schlesische Lausitz e.V. geladen und über 200 Besucher kamen an den geschichtsträchtigen Ort im Herzen von Leipzig. BdV-Kreisvorsitzender Peter Wolf konnte eingangs eine große Anzahl von Ehrengästen begrüßen, darunter die CDU-Bundestagsabgeordnete Bettina Kudla aus Leipzig, die CDU- Landtagsabgeordneten Frank Heidan und Frank Hirche, die Regierungsbeamten Dr. Jens Baumann und Helmut Arens vom sächsischen Innenministerium sowie den hessischen BdV-Landesvorsitzenden Siegbert Ortmann (MdL a.D.).

MdL Frank Hirche, der zugleich Landesvorsitzender des BdV im Freistaat Sachsen ist, betonte in seiner Ansprache, dass sich das Bundesvertriebenengesetz (BVFG), das am 19. Mai 1953 verabschiedet worden sei, in all den vergangenen Jahren und nach einigen Gesetzesnovellierungen als "nichts Gestriges" erwiesen habe, sondern nach wie vor verbinde es Vergangenheit mit Gegenwart und Zukunft und sichere somit die Wurzeln und das Bekenntnis zur Heimat der Vertriebenen . Auch biete dieses Gesetz weiterhin die Möglichkeit der gemeinsamen grenzüberbrückenden Kulturwahrung und sei dafür mit entsprechenden finanziellen Förderungsfundamenten ausgestattet. "Es ist damit Chance wie auch Verpflichtung für uns, Gutes gemeinsam zu leisten und nicht nur Brücken zu bauen, sondern diese auch zu begehen", so der sächsische BdV-Landesvorsitzende.

Den Festvortrag hielt Prof. Dr. Matthias Stickler aus Würzburg. Er schilderte sehr verständlich für die Zuhörer den geschichtlichen Beitrag der Stuttgarter Charta vom 5. August 1950 zur Aussöhnung Deutschlands mit seinen östlichen Nachbarn und ging dann über zu dem Werdegang des Bundesvertriebenengesetzes mit Bedeutung für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, wobei er immer die Politik im Fokus behielt. Zu guter Letzt machte er noch einen Vorschlag zu der aktuellen Diskussion über einen nationalen Gedenktag für die Opfer von Vertreibung und schlug dafür den Tag der Verabschiedung des Bundesvertriebenengesetzes im Deutschen Bundestag vor, nämlich den 19. Mai vor.

Die Bundestagsabgeordnete Bettina Kudla referierte im Anschluss daran über die besondere Bedeutung des Bundesvertriebenengesetzes für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Eingliederung der Vertriebenen und betonte, dass Integration und nicht Assimilation das Ziel dieses Gesetzes gewesen sei und das dazu nach wie vor auch die Erhaltung und Pflege des Kulturgutes der Vertriebenen gehöre. Die inzwischen auf 21. Mio. Euro aufgestockten Mittel im Bundeshaushalt seien gerechtfertigt, weil die Kulturarbeit nach 96 BVFG kein spezielles Vertriebenenthema sondern Bestandteil der gesamtdeutschen und europäischen Kultur sei.

Geradezu ein "Ohrenschmaus" waren die Gesangseinlagen des Chores der Vertriebenen "Lied der Heimat" aus Leipzig unter der russlanddeutschen Chorleiterin Rosa Wegelin. Und geschmackvoll abgerundet wurde das Veranstaltungsprogramm noch von einem Auftritt der Kindertanzgruppe der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland (Ortsgruppe Leipzig).

Am Rande der Jubiläumsfeier konnte sich Landesvorsitzender Frank Hirche über eine Mitteilung der ebenfalls anwesenden stellvertretenen Landesvorsitzenden der Sudetendeutschen Landsmannschaft im Freistaat Sachsen, Erika Köcher, besonders freuen, die eine Mitgliedschaft ihres Verbandes im sächsischen Bund der Vertriebenen in Kürze ankündigte.

Der hessische BdV-Landesvorsitzende war von dieser Feierlichkeit in Leipzig als Beweis eines lebendigen Verbandslebens sehr beeindruckt und nahm auf seine Heimreise die Gewissheit mit, dass das Anliegen der Vertriebenen und Spätaussiedler auch im Freistaat Sachsen erkennbar in die Zukunft gerichtet sei.

Text: Norbert Quaiser; Fotos: Siegbert Ortmann
Im Mai 2013