Abschied von Dipl.-Päd. Dr. Hans Jandl in Hallgarten

Landesobmann Alfred Herold: Der "Rothmühler" war ein deutscher Patriot

Die tönerne gotische "Madonna mit der Scherbe" in der Mariae Himmelfahrtskirche zu Hallgarten, gilt den Besuchern des Rheingaues als ein besonderes Kunstwerk.
Die aus nah und fern Angereisten, die sich in der vorigen Woche in Hallgartens Kirche versammelt hatten, waren nicht wegen der Madonna gekommen, sondern um Abschied zu nehmen von Dr. Hans Jandl, der am 4. 11., im Alter von 90 Jahren verstarb.

"Der ist in tiefster Seele treu, der die Heimat liebt wie Du" sagte Landesobmann Alfred Herold in seinem Nachruf. Bei Kriegsende war Hans Jandl in sowjetische Gefangenschaft geraten. Dort gelang ihm die Flucht, wurde aber schon bald von Tschechen inhaftiert und mußte untertage Zwangsarbeit leisten. Sein Vater überstand die tschechische Inhaftierung nicht. Mit seiner Mutter wurde er in die sowjetische Besatzungszone vertrieben. Von dort gelangte er nach Bayern, studierte Pädagogik und fand 1954 in Hallgarten im Rheingau ein neues Zuhause. "Ganz nebenbei" erwarb er an der Pädagogischen Universität Frankfurt am Main den akademischen Grad "Diplompädagoge".

"Ehrenamtlich engagierte sich Dr. Jandl auf vielen Ebenen in der Sudetendeutschen Landsmannschaft und nicht zuletzt für seine Schönhengster Heimat", so Herold. Im BdV-Landesverband Hessen habe der Verstorbene 21 Jahre lang das Landeskulturreferat geführt. Das sei eine sehr zeitaufwendige, aber auch sehr fruchtbare Arbeit gewesen", fügte der Landesobmann hinzu.

Der Höhepunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit war jedoch seine Promotion über die Geschichte seiner Heimatgemeinde Rothmühl im Sudetenland im Jahre 2005 . "Wer mit 82 Jahren noch zu einer solchen physischen und psychischen Leistung fähig war, dem kann man nur bewundernd gratulieren. Dr. Jandl habe das Wissen einer Klosterbibliothek und den Fleiß eines Bienenvolkes gehabt", so Alfred Herold.

Seine Heimatbesuche hätten sich gehäuft und die Kontakte zu den jetzt in der Heimat wohnenden Menschen erwiesen sich als sehr fruchtbar. Hans Jandl habe das Sprichwort "Grenzen sind die Narben der Geschichte" dutzendfach in die Tat umgesetzt. So sei er, im wahrsten Sinne des Wortes, zum Brückenbauer zwischen Sudetendeutschen und Tschechen geworden.

Bei all seinen Bemühungen um einen gerechten Ausgleich zwischen unseren Völkern, durfte jedoch die geschichtliche Wahrheit nie auf der Strecke bleiben. "Schuldanerkenntnis und Versöhnungsbereitschaft sind nicht konkurrierende sondern einander bedingende Begriffe", dieses Wort habe Hans Jandl zutiefst verinnerlicht.

Für Dr. Hans Jandl sei das Wort "Heimat" mehr als eine angenehme Wohn- und Arbeitsstätte gewesen, wie es heutzutage oft heißt, sondern für ihn war Heimat "ein heiliges Wort".

Dass Hans Jandl gerechterweise viele Auszeichnungen und Orden erhalten habe, spräche für sich. Das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse und der Hessische Verdienstorden seien hier stellvertretend genannt.

"Dr. Hans Jandl war für mich mehr als ein heimatbewahrender, zuverlässiger Freund und Mitarbeiter. Er war auch, im besten Sinne des Wortes, ein deutscher Patriot", schloss Landesobmann Alfred Herold.

Weihbischof Gerhard Pieschl, Landsmann Dr. Jandl's aus Mährisch Trübau, hielt den Trauergottesdienst. "Das gerade gemeinsam gesungene "Halleluja", habe sich der Verstorbene ausdrücklich gewünscht", sagte der Bischof. Dr. Jandl habe dadurch mitteilen wollen, dass es sich bei seinem Tod nicht um einen gnadenlosen Abschied ohne Wiederkehr handelt, sondern um eine "Beurlaubung". Seit Kindestagen sei ihm dieses Wort wohlvertraut. "Immer wenn wir Kinder nach dem Besuch unserer Großeltern aus Mährisch Trübau nach Hause kamen fragten unsere Eltern "Habt ihr euch auch beurlaubt?". Es habe nicht geheißen "Habt Ihr auf Wiedersehen" gesagt. Hinter "Beurlauben" stecke eine Wiederkehr, stecke eine Hoffnung. "Die Trennung ist nicht endgültig, es gibt ein Wiedersehen".

Text: Norbert Quaiser; Fotos: Erika Quaiser
Im November 2013