Seltenes Jubiläum in Hallgarten

Erna und Dr. Hans Jandl sind seit 65 Jahren glücklich verheiratet

Im Kalender der Hochzeitstage steht dieses Jubiläum unter "Eiserne Hochzeit". "Wenn man diesen Tag auch noch bei guter Gesundheit feiern darf, ist das ein Gottesgeschenk" freuen sich Erna und Hans Jandl.

Die Gratulantenschar, die dem Eisernen Hochzeitspaar gratulierte, war riesengroß. Denn die Familie hat sich um die Weinbauerngemeinde Hallgarten und um ihre frühere Heimat Rothmühl im Sudetenland verdient gemacht. Für ihre Leistungen um die Patenschaft Hallgartens mit Rothmühl, den Aufbau eines Heimatmuseums und um die Vertriebenenhilfe wurden beide Jubilare mit dem Bundesverdienstkreuz und Hans Jandl zusätzlich mit dem Hessischen Verdienstorden als Halsorden ausgezeichnet.

"Kennen gelernt haben wir uns erst mit 16 Jahren, obwohl wir beide aus Rothmühl im Schönhengstgau stammen. Die Marktgemeinde war jedoch damals rund acht Kilometer lang und hatte drei Schulen. Während Erna im Mittelort wohnte, war ich im Unterort zu Hause. So war ein Kennenlernen schwierig. Es gab zwar eine Bürgerschule, wo man sich hätte treffen können, aber ich ging zu diesem Zeitpunkt bereits zur Oberrealschule nach Zwittau", so Hans Jandl. Kaum hatte er das Reifezeugnis in der Tasche, holte man ihn zum Reichsarbeitsdienst und danach zur Wehrmacht. Vorbei war das geplante Studium an der Wiener Universität.

Als Leutnant mit "Osterfahrung" kam er zuerst in russische Gefangenschaft und später - nach erfolgreicher Flucht - in amerikanische. Danach nahmen ihn Tschechen gefangen und brachten den Kriegsheimkehrer als "Strafe" zur Zwangsarbeit in eine Ostrauer Kohlengrube. Dort mußte er unter Tage schwer arbeiten. Hans Jandl beschwerte sich so lange, bis er "über Tage" arbeiten durfte. 1946 wurde er schließlich in die Sowjetische Besatzungszone ausgewiesen und floh 1947 in die amerikanische Zone, wo er "seine" Erna wieder fand, die nach ihrer Vertreibung aus Rothmühl, in Mittich am Inn gelandet war. Hier heirateten sie am 21. Feber 1949. Zwei Söhne und zwei Töchter wurden geboren.

Hans Jandl erwarb in Straubing die Befähigung für das Lehramt und wurde im bayerischen Schuldienst tätig. 1954 kam die Familie nach Hallgarten, wo Hans Jandl an der Schule unterrichtete. Drei Jahre später ging der Pädagoge noch einmal an die Marburger Universität und studierte Sprachheilpädagogik. Danach war er bis zu seiner Pensionierung im Schuldienst in Wiesbaden tätig. Der Höhepunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit war seine Promotion über die Geschichte von Rothmühl.

Seit ihrer Eheschließung betätigten sich Erna und Hans Jandl auf sozialem und kulturellem Gebiet. Hans Jandl war außerdem viele Jahre in der Kommunalpolitik tätig, gehörte dem Kreistag an, bekleidete das Amt des stellvertretenden Bürgermeisters und war Ortsvorsteher von Hallgarten. Mehrere Bücher zum Thema "Heimatvertriebene" verfasste der Pädagoge und ist bis heute schriftstellerisch tätig.

Dem Engagement der Familie Jandl ist es zu verdanken, dass viele ehemalige Rothmühler in der Patengemeinde Hallgarten eine "Zweite Heimat" fanden. Hier treffen sich ehemalige Rothmühler einmal jährlich zum Beisammensein und zum Gedenken.

Sich für ihre angestammte Heimat, den Schönhengstgau einzusetzen, war für die Jandls immer eine Herzensangelegenheit. Jahrzehntelang stand Dr. Jandl als Obmann dem "Schönhengster Heimatbund" vor. Beide unterstützten auch tatkräftig die bekannte "Schönhengster Sing- und Spielschar", für die Erna Jandl z.B. viele Trachten nähte und in der bis heute viele der Kinder, Schwiegerkinder und Enkel aktiv dabei sind.

Als Landeskulturreferent organisierte der Jubilar nahezu zwei Jahrzehnte lang die Kulturellen Sommer- und Wintertage, die das Zentrum der Kulturarbeit des hessischen BdV bilden. Heute ist sein Schwiegersohn, Landeskulturreferent Otmar Schmitz für die Veranstaltungen, die sich durch abwechslungsreiche Programme und anspruchsvolle Vorträge auszeichnen, verantwortlich.

Das Hochamt zelebrierte Weihbischof em. Gerhard Pieschl für das Jubelpaar. Eindrucksvoll war die festliche musikalische Gestaltung des Gottesdienstes durch den Kirchenchor.

Zur großen Schar der Gratulanten gehören die vier Kinder und Schwiegerkinder mit den sieben Enkeln. Staatssekretärin Petra Müller-Klepper vom Hessischen Sozialministerium überbrachte Glückwünsche der Landesregierung. Diesen guten Wünschen schließen sich der hessische Bund der Vertriebenen und die Sudetendeutsche Landsmannschaft an und wünschen den beiden Jubilaren noch viele schöne gemeinsame Jahre.

Text: Norbert Quaiser; Foto: Otmar Schmitz
Im Juni 2013