Siegbert Ortmann in Kaaden/Tschechien

Weg von einer nationalstaatlichen und hin zu einer gemeinsamen Geschichte!

Am Ehrengrab der Toten vom 4. März 1919 auf dem Friedhof in Kaaden/Tschechien hielt am vergangenen Samstag der hessische BdV-Landesvorsitzende und stellvertretende Bundesvorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Siegbert Ortmann, eine kurze Gedenkrede. Eingeladen dazu hatte der Heimatkreisbetreuer Helmut Seemann, der außerdem die stellvertretende Bürgermeisterin von Kaaden/Kadan, Frau Olga Zörklerova, den Dekan Josef Cermak und weitere tschechische und deutsche Gäste begrüßen konnte. In einer sehr persönlich gehaltenen Ansprache ging Seemann dann auf die schrecklichen Ereignisse vom 4. März 1919 ein, die sein Vater hautnah miterlebt habe. Aber egal, was zwischen den Völkern für Grausamkeiten begangen worden seien, so der Heimatkreisbetreuer, man müsse vergeben und verzeihen können, es aber nicht unbedingt auch vergessen, denn von den Erinnerungen an die Vergangenheit lebe die Zukunft.

Ortmann, selbst sudetendeutscher Heimatvertriebener der "Erlebnisgeneration" erinnerte in seiner Rede an die 25 unschuldigen Mitbürger dieser Stadt, die vor 94 Jahren zu Todesopfern eines sinnlosen tschechoslowakischen Nationalismus geworden seien. Und dies nur, weil sie friedlich für ihr Selbstbestimmungsrecht demonstriert hätten. Dieses grauenhafte Massaker müsste weiterhin im Bewusstsein sowohl bei Tschechen als auch Deutschen erhalten bleiben, wenn es mahnend gegen klassische Nationalstaatsbegriffe und ihre Souveränitätslehren unter den Völkern gelten solle. " Wir müssen Abschied nehmen von jedweder nationalstaatlicher Geschichte und auf das Außerkraftsetzen rechtswidriger Dekrete aus der Vergangenheit hinarbeiten, um zusammenzufinden in der klaren Erkenntnis der Irrwege und Missverständnisse, die wir auf beiden Seiten im Laufe der Geschichte einmal eingegangen sind", sagte Ortmann. Ermutigend dazu seien zum einen die bereits 2009 zwischen der Stadt Kaaden und den sudetendeutschen Heimatvertriebenen unterzeichnete Versöhnungsurkunde und die Errichtung des gemeinsamen Denkmals auf dem Friedhof, zum anderen ganz aktuell die Worte des Tschechischen Premierministers Necas in einer bedeutenden Rede vor dem Bayerischen Landtag in München, mit denen er kürzlich auf die gemeinsame deutsch-tschechische Identität sehr ausführlich eingegangen sei und darüber hinaus den ständig zu führenden Dialog zwischen den Nachbarländern einforderte, und zwar "wegen unserer Vorfahren und im Interesse unserer Nachkommen". Damit könnte das schmerzhafte Blutvergießen von 1919 auch heute noch als Mahnung für die tschechisch-deutsche Gegenwart und Zukunft inmitten eines geeinten Europas gelten, so der Sudetendeutsche Siegbert Ortmann abschließend.

Text: Norbert Quaiser; Fotos: Erika Quaiser
Im März 2013