Deutsch-tschechische Geschichte bleibt unvergänglich

BdV-Lauterbach/Hessen begeisterte mit einer Reise nach Westböhmen

 

Westböhmen mit seiner Jahrhunderte langen gemeinsamen deutsch-tschechischen Geschichte war kürzlich Ziel einer Busreise des Bundes der Vertriebenen (BdV) Lauterbach. Schon zu Beginn machte Kreisvorsitzender Siegbert Ortmann deutlich, dass diese Fahrt neben den üblichen Informationen über das Nachbarland Tschechien auch der Verbesserung der aktuellen deutsch-tschechischen Beziehungen und damit der Völkerverständigung dienen sollte.

Mit Prof. Dr. Rudolf Grulich vom Institut für Kirchengeschichte in Nidda begleitete ein exzellenter Kunst- und Kirchenhistoriker die Reisegruppe und fesselte mit seinen sehr fachkundigen Erläuterungen die 53 Reiseteilnehmer während des gesamten 4-tägigen Programms.

Quartier wurde in der westböhmischen Metropole Pilsen bezogen. Natürlich wurde dort nicht versäumt, neben dem obligatorischen Besuch der weltweit bekannten und von einem bayerischen Brauermeister namens Josef Groll im Jahre 1842 gegründete "Pilsner-Urquell-Brauerei" , den großzügigen Marktplatz mit der barocken Mariensäule in der historischen Altstadt und das 1559 im Renaissancestil erbaute Rathaus zu besuchen.

Die Fahrt ins südliche Umland von Pilsen führte dann an der Wasserburg Švihov/Schwihau vorbei nach Klattau/Klatovy, dem sogenannten "Tor zum Böhmerwald". Dort wurden unter der Jesuitenkirche die vorbildlich restaurierten Katakomben mit 38 ausgestellten Mumien besichtigt. Weiter ging es über die Burg Rabi/Rabenstein, der größten Burg Böhmens zu einem wunderschönen Wasserschlösschen in Blatna, der "Perle inmitten uralter Teichlandschaft" im mittelböhmischen Hügelland. Den Abschluss des umfangreichen Besichtigungsprogramms an diesem Tage bildete eine Rundfahrt durch Pomuk, der Geburtsstadt des Hl. Joh. von Nepomuk.

Am folgenden Tage wurden die Reiseteilnehmer zunächst in schockierender Weise mit den schrecklichen Ereignissen der Vergangenheit konfrontiert. Ein Abstecher zu der tschechischen Gedenkstätte in Lidice erinnerte schonungslos an die brutalen Gräueltaten der SS- Handlanger Hitlerīs und die nach Kriegsende unter anderem wegen der dafür von tschechischer Seite propagierten "Kollektivschuld" aller Sudetendeutschen erfolgten Vertreibung von über drei Millionen Menschen aus ihrer Heimat. Allen Opfern dieser Untaten wurde am einzigartigen Kinder-Monument mit stillem Gedenken und der Niederlegung eines Blumengebindes würdevoll gedacht.

Ausgefüllt wurde das anschließende Tagesprogramm mit einer ausführlichen Besichtigung der goldenen Stadt Prag. Hier glänzte vor allem das übermäßige Wissen von Historiker Dr. Grulich, der während des Stadtrundgangs von der Prager Burg über die Karlsbrücke zum Altstädter Ring mit seinen Anmerkungen die Zuhörer geradezu begeisterte.

Der letzte Reisetag begann mit einer Besichtigung von Karlsbad, dem wohl bekanntesten und größten Kurorts Tschechiens. Es folgte eine Stippvisite nach Eger, bevor die Heimreise nach Lauterbach angetreten wurde.

Von dieser Reise vor dem Hintergrund einer bleibenden gemeinsamen deutsch-tschechischen Geschichte waren die Teilnehmer sehr beindruckt. Der Dank aller galt Herrn Prof. Dr. Rudolf Grulich und dem BdV-Kreisvorsitzender Siegbert Ortmann, die sich als erfahrene und umsichtige "Reiseleiter" erwiesen hatten.

Text: Norbert Quaiser; Fotos: Siegbert Ortmann
Im Juli 2013