"In meiner Badewanne bin ich Kapitän"

Sommerfest beim Bund der Vertriebenen (BdV)in Bad Nauheim
BdV-Musik-Gesangsgruppe Biebesheim-Dornheim bringt Besucher zum Schunkeln
Großes Unterhaltungsprogramm mit "Wahlempfehlung"

Auf diesen Nachmittag hatten sich die Besucher der BdV-Begegnungsnachmittage besonders gefreut. Nicht ein einziger Sitzplatz im großen Saal des Erika-Pitzer-Begegnungszentrums war mehr frei. Der Auftritt der bekannten BdV-Musik-Gesangsgruppe Biebesheim-Dornheim hatte sich herumgesprochen. "Freunde kommen zu Freunden" rief Norbert Quaiser den 11 Musikanten und Sängern bei deren Einzug in den Saal zu. Die Mädchen in roten Dirndln, die Burschen in Lederhosen, die Musiker trugen Hut mit roter Schleife. "Wir sind die Egerländer Musikanten" intonierte die Drehorgel und der Spieler mit der Teufelsgeige stampfte den Takt dazu. Schlag auf Schlag ging danach ein großes Unterhaltungsprogramm über die Bühne.

Aktueller hätte das Thema, das sich Kulturreferent Bruno E. Ulbrich vorgenommen hatte, nicht sein: "Wir haben die Wahl", hieß sein Vortrag, wobei sein kritischer Blick auf den 22. September fiel.

"Wenn ich zurückdenke", so meinte Ulbrich, "so ist dies für uns Alten schon eine Besonderheit, denn in unserer Jugend hatten wir keine Wahl. Mir wurde stets befohlen, wohin ich zu marschieren hatte. Und lange Zeit hatten wir keine Wahl, uns aus den verschiedenen Sorten das gewünschte Brot auswählen zu können, denn es gab ja nur eine Sorte, und diese nur auf Bezugsmarken."

"Heute haben wir die Wahl, wenigstens alle vier Jahre unsere Regierung selbst wählen zu können. Viele Parteien und Personen werben um unsere Zustimmung, damit sie dann die richtigen Entscheidungen für unser Wohlergehen treffen können. Die Wahl ist also nicht leicht. In vielen Punkten sind sich die Programme fast gleich. Sie wollen mehr Geld von den Reichen und mehr Geld für die Armen. Leistungen vom Staat. Ein Grundgehalt für jeden soll es geben, dazu freie Fahrt auf Bahnen und Bussen. Dann kann ich mich nur auf solch eine Zukunft freuen, denn dann bekommen wir den idealen Staat, wie ihn die Kommunisten planten, einen Staat, der für alle sorgt und keiner mehr arbeiten muß", meinte Ulbrich.

Damit war er bei einem seiner Wünsche, die er an die nächsten Regierungen stellen würde: eine Schule, die Leistungen verlangt, die jeden Schüler nach seinen Fähigkeiten und Anlagen fördert und eine Schule, die jedem Schüler das Rüstzeug für das Leben und die Möglichkeiten für persönliche Erfolgserlebnisse gibt.
Vor allem einen Unterricht, in dem die deutsche Geschichte und Kultur nicht nur bis 1933 zurückreicht.

Unsere jahrhundertealte Geschichte mit ihren Geistesgrößen in Literatur, Kunst, Musik, Wissenschaft und Technik dürfe nicht verloren gehen und unser Wirken in den verlorenen Ostgebieten dürfe im Unterricht nicht ignoriert werden. Die kulturellen Leistungen in Ostpreußen, Pommern, Brandenburg, Danzig, Schlesien und im Sudetenland sollten im Unterrichtskanon aller Schularten Pflichtlektion sein.

"Doch welche Partei gedenkt der Leiden und Toten bei der Flucht und Vertreibung? Wo bleibt eine würdige Gedenkstätte für die Opfer im und nach dem Kriege, wie es ein Zentrum gegen Vertreibungen werden sollte, das von der CDU-Abgeordneten Erika Steinbach wiederholt verlangt wurde?" fragte Bruno Ulbrich.

Gerade die Älteren, die die Leiden und Schmerzen und das Unrecht der Vertreibung noch in Erinnerung haben, sollten die Parteiprogramme prüfen und den Vertretern und Vertreterinnen der Parteien in den Straßen solche Fragen stellen: wie halten sie es mit der Gleichstellung aller unschuldigen Opfer während und nach dem Kriege, wie halten sie es mit dem Gedenken an die verlorenen Gebiete von Ostpreußen bis zum Banat. Ulbrich empfahl zu prüfen, wer die Wünsche und Belange von Vertriebenen und Geflüchteten am meisten beachtet hat und für deren Sorgen am meisten Verständnis aufbringen will. Die Planungen und Versprechen sollten nicht nur für die nächsten 4 Jahre gelten. "Dann also - nach reiflicher Überlegung - gehen Sie am 22. September 2013 zur Wahl und machen ein Kreuz am richtigen Platz", schloß Ulbrich, unter viel Applaus seine temperamentvoll vorgetragene Ansprache.

Das Mikrofon ging anschließend von Hand zu Hand, besser gesagt, von Mund zu Mund. Vorstand Georg Walter wandte sich in Versform an die Gäste, Irmgard Eckl berichtete von eine Wallfahrt nach Maria Kulm im Egerland, die nur mit Erbsen in den Schuhen angetreten werden durfte. Alle Wallfahrer hatten sich dabei Blasen an den Füßen gelaufen, nur einer nicht: dieser hatte auch das Versprechen erfüllt, die Erbsen jedoch vorher gekocht!

Erich Grobauer schilderte die "Zeit der vor 1975 Geborenen", erstaunlich was sich seitdem alles geändert hat, konnte man feststellen. Von "Zweiunddreißig roten Nelken" hatte Maria Weiser gelesen, die bei jedem Klassentreffen von einer früheren Mitschülerin den Schulkameradinnen von damals geschenkt wurden, so lange bis sie als Einzige noch übriggeblieben war. Sie setzte danach ein "Klassentreffen" bei Kaffee und Kuchen mit zweiunddreißig jungen Schülerinnen ihrer alten Schule fort, und jeder schenkte sie auch die traditionelle Nelke.

Renate Buslaps war "Campen" und kam ohne Zelt nach Hause und Herbert Körner träumte von einem Fluß in seiner mährischen Heimat, der Tess. Den rhetorischen Schlußpunkt zu setzen fiel - wie immer - Erwin Gröger zu. Bei seinem Vortrag "Der Badetag", nickten Viele mit den Köpfen: was konnte man alles mit dem Badewasser anstellen? Zum Wegschütten war es auf jeden Fall zu schade.

Schade, dass der Nachmittag so schnell vorbei ging, hieß es. Zwei Gästen hatte es so gut gefallen, dass sie gleich Mitglied im Ortsverband wurden.

Als die Freunde der Musik- und Gesangsgruppe Biebesheim-Dornheim "Kein schöner Land" anstimmten, reichten sich alle die Hände und sangen das alte und so schöne Volkslied kräftig mit.

"Auf Wiedersehen am 1. Oktober", verabschiedete Norbert Quaiser die Gäste in die Sommerferien, "dann begehen wir den Tag der Deutschen Einheit und feiern Erntedank".

Text: Norbert Quaiser; Fotos: Erika Quaiser
Im Juni 2013