"Heimatvertriebenes Landvolk im BdV-Landesverband Hessen"
tagt am "Tag der Vertriebenen" in Heppenheim

Dipl.-Landwirt Ivar Günther referiert bei der Traditionsveranstaltung
über seine "Überlandfahrt durch Südrussland"

Günther war auf Einladung des BdV-Kreisverbandes Bergstraße nach Heppenheim gekommen. Nachdem bei der Veranstaltung im vorigen Jahr Horst Ulbrich über "Landwirtschaft im Südwesten Polens im Kontext der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung" gesprochen hatte, war es eine gute Idee der Veranstalter, diesmal einen landwirtschaftlichen Russlandexperten zu Wort kommen zu lassen.

Neben der Kreisvorsitzenden des BdV-Kreisverbandes Bergstraße Rosl Koberg und Landvolksprecher Otto R. Klösel, richtete Kreislandwirt Werner Wald Willkommensgrüße an die Gäste der gut besuchten Veranstaltung, die Schlusspunkt der "Landwirtschaftliche Woche Südhessen 2013" war. Klösels besonderer Gruß galt Frank Sürmann, Vorstandsmitglied der FDP Hessen, Georg Stolle, vom hessischen BdV-Landesvorstand und Dr. Herbert Küttner vom Landesvorstand der SL-Hessen.

Günther und 16 weitere Landwirte von Südzucker und landwirtschaftlichen Fachverbänden, hatten im Mai vorigen Jahres eine zehntägige Reise durch Südrussland unternommen. Zunächst ging es von Frankfurt aus nach Rostov am Don und danach nach Mineralnye Wody am Nordrand des Kaukasus. Über Lipsetsk, 300 km von Moskau gelegen, reiste die Gruppe wieder zurück nach Rostov und von dort zurück nach Frankfurt.

"Die Informationsreise war gut vorbereitet, so dass wir an den meisten Orten erwartet und herzlich begrüßt wurden", so Günther. Das Besuchsprogramm war umfangreich. Es umfasste u.a. einen bäuerlichen Familienbetrieb mit 230 ha und 9 landwirtschaftliche Großbetriebe zwischen 6.000 und 36.00 ha Ackerfläche. Wiesen und Weiden werden im Südwesten Russlands kaum angetroffen. Der Grund, die vorhandene Schwarzerde ist für Grünland ungeeignet, weil die jährliche Niederschlagsmenge nur 350 - 450 mm ausmacht.

Weitere Ziele waren eine Maschinenausstellung der ROS Agroleasing, ein landwirtschaftliches Forschungsinstitut, eine Legehennenhaltung, ein Gestüt mit Trakehnerzucht, eine Niederlassung der Kleinwanzlebener Saatzucht und eine staatliche Zuchtstation für Araberpferde. Beeindruckt waren die Gäste von einem prächtigen Araber-Schimmel den - wem könnte er auch sonst noch gehören - Staatspräsident Putin besitzt. Was niemand erwartet hätte: einige der Gruppe durften sogar aufsitzen!

Günther bezeichnete das bereiste Schwarzerde-Gebiet als die "Kornkammer Russlands". Neben Getreide, vor allem Weizen, werden auch Zuckerrüben, Körner- und Silomais, Sonnenblumen, Soja, diverse Erbsen und Bohnen sowie Raps und Spezialkulturen angebaut. Wegen der zu geringen Niederschläge erreichen die Erträge nur etwa 50 - 70 % des mitteleuropäischen Niveaus.

"Die von den Sowjets durchgeführte Vergemeinschaftung und Industrialisierung der Landwirtschaft sei sehr gründlich gewesen" so der Referent "sie habe privaten Bauern kaum eine Chance gelassen". Mit den zunehmenden Betriebsgrößen seien auch die auf den Feldern eingesetzten Maschinen und Geräte größer und breiter geworden. Die meisten kämen aus Deutschland. Sie leisteten einen beachtlichen Beitrag in der Handelsbilanz zwischen Deutschland und Russland.

Schließlich sprach Ivar Günther zum "Menschlichen" der Reise. In Riga geboren, hat er eine besondere Beziehung zu Russland. "Mit den Russen haben wir beachtlich weniger Kriege geführt als mit den Franzosen, aber mit letzteren feiern wir zur Zeit den 50jährigen Freundschaftsvertrag, während das als Partnerschaftsjahr offiziell erklärte "Deutschlandjahr in Russland" und das "Russlandjahr in Deutschland" weder 2012 noch in diesem Jahr, bei uns kaum Beachtung findet", so Günther.

In seinem Grußwort zu einer Ausstellung anläßlich vom "Deutschlandjahr in Russland", habe Staatspräsident Putin von einer "Modernisierungspartnerschaft" gesprochen, "die mit Jugendaustausch , regionalen Verbindungen und gesellschaftlichem Dialog über einen breiten Themenkreis effizient umgesetzt werden soll." Bundespräsident Gauck habe Frieden und Verständigung nach dem Fall der Berliner Mauer hervorgehoben und die Partnerschaft und Präsentation der gemeinsamen Geschichte in den Ausstellungen begrüßt. "Beide Ansprachen wären nicht in der Bevölkerung angekommen," so Günther.

Text: Norbert Quaiser; Fotos: Erika Quaiser
Im Februar 2013