BdV-Kreisverband Main-Taunus des Bundes der Vertriebenen (BdV)
begeht den "Tag der Heimat"

Festredner BdV-Landesvorsitzender Siegbert Ortmann

Für Sonntag, den 29. September 2013, hatte der Bund der Vertriebenen im Main-Taunus-Kreis zu seinem jährlich stattfindenden "Tag der Heimat" in die Eddersheimer Bürgerstuben eingeladen. Viele Vertriebene aus dem Main Taunus-Kreis und zahlreiche hessische Altbürger waren der Einladung gefolgt. Der Vorstand des BDV-Kreisverbandes Main-Taunus, mit dem Vorsitzenden Franz Pollak, konnte sich über einen vollbesetzten Saal freuen.

Den Auftakt machte der Gesangverein "Liederkranz - Eintracht" aus Eddersheim, unter dem Dirigenten Volker Schütz mit dem Lied "Halleluja" und weiteren Darbietungen. Ein kräftiger Applaus war die Belohnung für den gekonnten Auftritt.

Kreisvorsitzender Franz Pollak hatte eine lange Begrüßungsliste "abzuarbeiten". So begrüßte er herzlich den Europa-Abgeordneten Michael Galer, den Kreistagsvorsitzenden Wolfgang Männer, den Kreisbeigeordneten und Schuldezernenten Wolfgang Kollmeier, die Bürgermeisterin der Stadt Hattersheim Antje Köster sowie die Fraktionsvorsitzenden von FDP und CDU, Dietrich Muth und Michael Minnert. Ein weiterer Ehrengast war der Eddersheimer Vereinsringvorsitzende Bernd Seel. Als Festredner hatte man den Landesvorsitzenden des Bundes der Vertriebenen, Siegbert Ortmann gewinnen können, dem ein freundlicher Empfang bereitet wurde. Er war zum ersten Mal Gast beim Main-Taunus Kreisverband.

Die eindrucksvolle Totenehrung sprach der stellvertretende BdV-Kreisvorsitzende Herbert Lipka. Danach entboten Herr Galer und Herr Kollmeier Grußworte für den MainTaunus-Kreis und Bürgermeisterin Köster für die Stadt Hattersheim.

Landesvorsitzender Ortmann betonte in seiner Ansprache, dass das Motto "Unser Kulturerbe - Reichtum und Auftrag" durch das gleichzeitige sechzigjährige Jubiläum des Bundesvertriebenengesetzes eine besondere Bedeutung erhalte. Der Beschluss zur jährlichen Durchführung des "Tag der Heimat" wurde schon 1949 in Göttingen gefasst und gehe auf eine Initiative von Paul Wagner, dem früheren Bürgermeister von Neidenberg in Ostpreußen zurück. Mittlerweile sei dieser Tag der Heimat für alle Deutschen zu einem besonderen Gedenktag mit offiziellem Charakter unter Mitwirkung von Repräsentanten von Staat und Gesellschaft geworden. Er führte weiter aus, dass Kultur und Tradition der deutschen Ostgebiete Teil unseres Selbstverständnissen sind und dieser Kulturgeist für unser Land von herausragender Bedeutung ist.

Hunderte ehrenamtliche Personen arbeiteten in Heimatstuben, Museen, Heimatblättern usw. um dieses Kulturgut zu erhalten. Dafür gebührte ihnen ganz besonderen Dank. Eine weitere wichtige Passage in seiner Rede gehörte der Brückenfunktion zu unseren östlichen Nachbarn in den Vertreiberstaaten. Haupsächlich Vertriebene seien Brückenbauer durch Besuche in ihrer Heimat und stellten dabei fest, dass besonders jüngere Tschechen, Polen und Ungarn die Geschehnisse von damals hinterfragen und teilweise auch bedauern oder gar verurteilen.

Ein besonderer Dank gilt den Vertriebenen, die durch tatkräftige Hilfe und Spenden dazu beitragen Kulturdenkmäler zu erhalten. Auch der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds von 1997 leiste wertvolle Hilfe und fördere gezielt Projekte.
In Polen gäbe es ebenfalls positive Akzente. Heutige Bewohner Schlesiens bemühen sich nachhaltig um die Pflege deutschen Kulturgutes. Seit einiger Zeit werden auch deutsche Heimatlieder und Gedichte ins Polnische übersetzt. Heute ist uns die Heimat in Tschechien, Polen, Ungarn und anderen Vertreibungsgebieten geöffnet und wir besuchen regelmäßig die Orte unserer Kindheit und Jugend.

Wir Heimatvertriebenen und die heutigen Menschen in der alten Heimat seien aufgerufen die gemeinsame Geschichte immer wieder aufzuzeichnen und für die Zukunft zu sichern. Auf diese Weise würde eine gemeinsame friedliche europäische Zukunft entstehen können. Die gesungene Deutsche Nationalhymne bildete den Abschluß des offiziellen Teils der Veranstaltung.

Die Siebenbürgisch-Sächsische Jugend in Deutschland mit der Tanzgruppe Nieder-Olm, gestaltete danach den kulturellen Teil des Nachmittags. Die Gruppe wurde 1988 gegründet und umfasst 13 aktive Mitglieder, die unter Leitung von Inge Erika Roth und Heide Bachmann stehen. Die Tanzgruppe mit 4 Tanzpaaren trat in der schönen Festtracht des Nösnerlandes aus der Gegend um Bistritz in Nordsiebenbürgen auf. Sie ist die einzige Tanzgruppe der Siebenbürger Sachsen in Rheinland-Pfalz und engagiert sich kulturell nicht nur in dieser Region sondern auch weit darüber hinaus. Voller Stolz zeigten sie in ihrer Festtracht nicht nur deutsche Volkstänze aus ihrer Siebenbürgischen Heimat, sondern auch Tänze aus verschiedenen deutschsprachigen Landstrichen sowie Volkstänze aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten. Großen Beifall erhielten sie für den "Wolgaster", eine Quadrille aus Wolgast in Pommern und den "Neppendorfer Ländler". Ein außerordentliches Erlebnis war der "Schön Lustig", ein alter Volkstanz aus dem Egerland und das "Insterburger Viergespann", eine Quadrille aus Ostpreußen.

Neben der Musik für die Tanzgruppen gab es auch noch volkstümliche Musikeinlagen vom Keybord. Als man schließlich am Abend auseinander ging, waren die Besucher einer Meinung: Auch der weiteste Weg hatte sich gelohnt, um bei dieser eindrucksvollen Veranstaltung mit dabei zu sein. Den Organisatoren und Mitwirkenden sowie dem Festredner wurde mit lang anhaltendem Applaus herzlich gedankt.

Text: Franz Pollak; Fotos: Siegbert Ortmann
Im Oktober 2013