Bund der Vertriebenen (BdV) Kreisverband Wetzlar lud zum "Tag der Heimat" nach Wetzlar-Büblingshausen ein

BdV-Kreisvorsitzender Manfred Hüber mit der Goldenen Ehrennadel des BdV-Landesverbandes Thüringen ausgezeichnet.
Festredner Steffen Hörtler: Die EU hat einen Schönheitsfehler, die Benesch-Dekrete

Unter dem Motto "Unser Kulturerbe - Reichtum und Auftrag" beging der BdV-Kreisverband Wetzlar am Sonntag im Büblingshäuser Bürgerhaus den "Tag der Heimat". Festredner vor 300 Gästen war Diplom-Sozialpädagoge Steffen Hörtler, stellv. SL-Bundesvorsitzender und Geschäftsführer der Stiftung Sudetendeutsches Sozial- und Bildungswerk. Manfred Hüber hatte es sich nicht nehmen lassen, selbst durch das umfangreiche Programm mit zahlreichen musikalischen Farbtupfern und ausgezeichneten Redebeiträgen zu führen. In seiner Eröffnungsrede erinnerte Hüber an das vor 60 Jahren in Kraft getretene Bundesvertriebenengesetz. Bund und Länder hätten sich damals dazu verpflichtet, das Kulturerbe der vertriebenen Deutschen dauerhaft zu erhalten. Gerade die Stadt Wetzlar leiste dies mit der Patenschaft für das ostdeutsche Lied.

Die teilweise von weit her angereisten Gäste fanden in der "Siedlerklause" kaum Platz, so zahlreich waren sie Manfred Hüber's Einladung gefolgt. Der stellv. Landesvorsitzende des BdV Thüringen, Erwin Tesch, hatte für Manfred Hüber eine besondere Überraschung im Gepäck: die Goldene Ehrennadel seines Landesverbandes, mit der er Hüber für dessen langjährige Unterstützung des Regionalverbandes Gehren auszeichnete.

Bevor Hüber zur Begrüßung der Gäste kam, sprach Bruno Kutz, Vorsitzender der Wetzlarer Kreisgruppe der Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen in Hessen, zugleich Vorsitzender des BdV-Ortsverbandes Wetzlar, ein eindrucksvolles Totengedenken.

Hocherfreut zeigte sich Hüber über die lange Liste der Gäste, die durch Grußworte der Veranstaltung ihre Referenz erweisen wollten. Sie wurde angeführt von Hans Jürgen Irmer, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag, Mitglied des Landtagsunterausschusses für Heimatvertriebene, Flüchtlinge, Aussiedler und Wiedergutmachung und Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion im Lahn-Dill-Kreis, sowie Mitglied des BdV-Kreisverbandes Wetzlar, dem Landtagsabgeordneten Dr. Matthias Büger (FDP), stellv. Vorsitzender des Landtagsausschusses für Wissenschaft und Kunst, zugleich Stadtverordneter in Wetzlar, der Kreistagsvorsitzenden des Lahn-Dill-Kreises Elisabeth Müller (CDU), dem Landrat des Lahn-Dill-Kreises Wolfgang Schuster (SPD), dem Wetzlarer Ehrenamtlichen Stadtrat Karl-Heinz Kräuter (SPD) und dem stellv. Landesvorsitzenden des BdV Thüringen, Erwin Tesch.

Für's Kommen dankte Hüber dem stellv. Kreistagsvorsitzenden Jörg Ludwig (FWG), dem Vorsitzenden der SPD Kreistagsfraktion und Vorsitzenden der Gemeindevertretung Ehringshausen Dr. David Rauber, dem Kreistagsabgeordneten Frank Steinraths (CDU) und dem Landtagskandidaten, zugleich Kreistagsabgeordneter, Polath Murat (SPD).

Namhafte Vertreter waren auch aus den Vertriebenenverbänden zugegen. So Lothar Hoffmann, Vorstandsmitglied der Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen in Hessen und Kreisvorsitzender der Landsmannschaft in Dillenburg, Josef Plahl, hessisches BdV-Landesvorstandsmitglied und Kreisvorsitzender des BdV Limburg-Weilburg und schließlich noch Frank Dittrich, Schatzmeister der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Hessen und Vorsitzender des BdV-Kreisverbandes Hochtaunus und einer der Organisatoren der SL-Wandergruppe "Junge und Mittlere Generation - Wandern im Uhrzeigersinn um die Heimat".

Wie schon bei früheren Veranstaltungen, so erhielt die Breslauerin Erni Staroste auch in diesem Jahr für ihr Heimatgedicht großen Applaus.

In seiner Festansprache ging Hörtler, sein Vater stammt aus Blottendorf im Sudetenland, die Mutter kommt aus Gleiwitz in Oberschlesien, zunächst auf seine Sozialisation in der ehemaligen DDR ein. Das Wort "Vertreibung" sei in der DDR ein Tabu gewesen Das Thema habe man schnell mit Revanchismus gleichgesetzt. Zwar hätten heute viele junge Deutsche kaum eine Ahnung von der Geschichte der Vertreibung, aber es gebe auch viele positive Zeichen. So bestehe der Bundesvorstand seiner Organisation, die Sudetendeutsche Landsmannschaft, aus Menschen, die nach der Vertreibung geboren sind.

"Gerade das Interesse junger Menschen aus Tschechien und Polen an der Geschichte der Vertreibung werde größer" weiß Hörtler aufgrund seiner jahrelangen Arbeit in den Bildungsstätten Heiligenhof und Burg Hohenberg. "Wenn man z.B. junge Tschechen frage, wie seht ihr die deutsch-tschechischen Beziehungen, erfährt man nur Gutes: es gibt keine Grenze mehr und die Wirtschaftsbeziehungen sind ausgezeichnet". Für die Sudetendeutschen sei das alles noch kein Grund "sich zurückzulehnen". Niemand denke daran, dass die EU mit einem "Schönheitsfehler" leben muß, nämlich der Tschechischen Republik den EU-Beitritt erlaubt zu haben, obwohl es vorab keine Bereinigung bestehender Probleme, insbes. in Sachen Benesch-Dekrete gegeben habe. Das sei für die Sudetendeutschen besonders schmerzlich, weil in den Kopenhagener Kriterien die Menschen- und Minderheitenrechte als wesentliches Beitrittskriterium zur Voraussetzung gemacht worden waren. Bedauerlich ist - nach Hörtler - der Wissenstand junger Deutscher und Tschechen zum Thema der gemeinsamen sudetendeutsch-tschechischen Vergangenheit, "wobei die Deutschen noch weniger wüßten als die Tschechen."

Es gelte jetzt die Chance zu nutzen, durch eine "junge Generation", Informationen über Böhmen, Mähren und Schlesien weiterzugeben, so Hörtler. In den vergangenen Jahren habe sich gerade auf polnischer und tschechischer Seite viel geändert. So sei die elffache Ausstrahlung des Dokumentarfilms "Töten auf Tschechisch" im tschechischen Fernsehen ein Beweis, dass man sich mit den Verbrechen, die an den Sudetendeutschen verübt wurden, auseinandersetze. Ein tschechischer Rechtsanwalt habe inzwischen Anzeige wegen Mordes gestellt. Außenminister Schwarzenberg habe vorgeschlagen, Täter vor Gericht zu stellen.
Das Vorhaben der Hessischen Landesregierung, sich für einen bundesweiten Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung einzusetzen, erkennt Hörtler als positives Signal. Wichtig sei es, sich auch in Zukunft zu Wort zu melden und auf die Geschichte aufmerksam zu machen.

Das vorzüglich zusammengestellte "Beiprogramm" stellte einen guten Kontrast zu den politischen Aussagen des Gedenktages dar. So sorgte der "Musikverein Reiskirchen" unter Stabführung von Frau Stahl immer wieder für neue musikalische Höhepunkte. Chorgesang auf höchstem Niveau boten der "Union-Chor Wetzlar 1873" und der "Sängerchor Lahngruß 1908 Wetzlar" unter Leitung von Dr. Matthias Zipp. Dass man um den Nachwuchs nicht bangen muß, bewies die "Tanzgruppe Egerländer Gmoi Dillenburg" angeführt von Frau Ramisch. Die Gesangsgruppe "Stimme der Hoffnung" unter Leitung von Frau Sverdonenko beeindruckte die Gäste mit meisterhaften Liedvorträgen.

In seinem Schlusswort bedankte sich Hüber bei den Gästen, die so zahlreich seiner Einladung gefolgt waren und bei den Verbandskollegen aus Thüringen für die unerwartete Ehrung durch die "Goldene Ehrennadel". Einen ganz großen Dank sprach er den Mitwirkenden für die ausgezeichnete Gestaltung des Programms aus.

Der gemeinsame Gesang der deutschen Nationalhymne "Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland" und des Volksliedes "Kein schöner Land in dieser Zeit", beschloss die eindrucksvolle Festversammlung.

Text: Norbert Quaiser; Fotos: Gerda Weller
Im September 2013