60 Jahre Patenschaft Bad Homburg v.d.Höhe - Marienbad

Posaunensolo und Marienbader Oblaten zum Empfang

Dass sie am Samstag mit einem Posaunensolo beim Festakt im Vereinshaus Gonzenheim begrüßt werden würden, hatte der Vorsitzende des Heimatverbandes der Marienbader Stadt und Land e.V, Franz Pany, zugleich Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft und die zahlreichen Ehrengäste nicht erwartet. Ein besonderes Zeichen des engen Verhältnisses zwischen den Partnerstädten: der Posaunist, der 17-jährige Voitech Skrla aus Marienbad, lebt seit einem halben Jahr als Austauschschüler in Bad Homburg.

"Die Übernahme der Patenschaft der Stadt Bad Homburg über die "Marienbader" sei damals nicht zufällig oder willkürlich gefallen, sie drückte vielmehr eine gemeinsame Verbundenheit der beiden Kurstädte aus", so Pany in seinem Grußwort. Marienbad und Bad Homburg spenden aus ihren Quellen die gleichen natürlichen Heilkräfte, und es sind dieselben Leiden und Krankheiten, die dort und hier gelindert oder geheilt werden, habe Bürgermeister Horn 1953 über die Patenschaft gesagt.

Bad Homburg habe damals eine Patenschaft für Menschen übernommen, deren Hauptanliegen - neben der damals noch herrschenden Vorstellung der Rückkehr in die Heimat - vor allem die Wahrung ihrer Identität war. Heute könne die Patenschaft dazu beitragen, dass sich immer mehr jüngere Menschen für die Geschichte und familiäre sowie kulturelle Wurzeln interessieren. Die Patenschaft kann ein Brückenbauer für die Nachkommen auf beiden Seiten sein, sie kann das Zusammenfinden befördern und helfen, Wunden, die die Geschichte geschlagen hat, aufzuarbeiten.

1991 sei aus der Patenschaft sogar eine Partnerschaft erwachsen. Die erste in der Bundesrepublik "und dies nicht über die Köpfe der Patenkinder hinweg, sondern mit ihnen als Speerspitze der Versöhnung", wie damals die Frankfurter Rundschau schrieb.

"Das Wappen von Marienbad ist fester Bestandteil der Amtskette des Oberbürgermeisters von Bad Homburg"- die Marienbader sind also bildlich gesprochen fest angebunden an Bad Homburg und dem Oberbürgermeister ans Herz gewachsen" schloß Pany.

Dass die vor 61 Jahren übernommene Patenschaft eine Erfolgsgeschichte ist, hob auch Oberbürgermeister Michael Korwisi (Bündnis90/Die Grünen) hervor. "Bad Homburg versteht sich nach wie vor als Pate der Marienbader und gleichzeitig sind wir auch Partnerstadt der jetzt demokratisch regierten Stadt Maria Lazne geworden", beschrieb der OB die enge Beziehung der beiden Kurstädte, die so vieles gemeinsam und vor allem eine verbindende Geschichte haben.

Der OB überreichte Franz Pany ein gelungenes, tiefgründiges Geschenk. Das vom Bad Homburger Maler Ralf Häger gestaltete Bild zeigt einen Foliant als Koffer gestaltet, an dem wie ein Mitbringsel, ein Marienbader Motiv steckt. Von Pany nahm Korwisi einen alten Stich von Marienbad entgegen und versprach: "Ein Ehrenplatz ist ihm sicher."

Der stellvertretende Bürgermeister von Marianske Lazne, Petr Horky, befand: "Auf der ganzen Welt verlieren Menschen ihre Heimat. Aber nur wenige haben das Glück wie die Bürger von Marienbad, die hier eine neue Heimat und Unterstützung gefunden haben. Bad Homburg verdient ein Lob dafür."

Auch für die Gäste, darunter viele lokale Politprominenz, ehemalige Bürgermeister, Landtagsabgeordneter Holger Bellino, Robert Otepka, Konsul der Tschechischen Republik in Nordrhein-Westfalen, Karel Herr, ehem. stv. Bürgermeister Marienbads, von der Sudetendeutschen Landsmannschaft stellv. Bundesvorsitzender Siegbert Ortmann, Alfred Herold, hessischer Landesobmann, sowie Josef Plahl, Frank Dittrich und Norbert Quaiser, gab es Geschenke: Unter Federführung ihres Vorsitzenden Peter Braun, hatte der internationale Städtepartnerschaftsverein Päckchen mit original Marienbader Oblaten, an die zwei "Homburger-Hut"-Pralinen gebunden waren, vorbereitet.

Gleich im Museum nebenan hatte der Geschichtliche Arbeitskreis Gonzenheim aus Anlaß des Jubiläums eine Sonderausstellung eröffnet, die vom 12. Januar an jeweils sonntags von 15:00 Uhr bis 18:00 Uhr zu sehen ist. Der Verein zeigt unter anderem Geschirr von ehemaligen Hotels in Marienbad, Püppchen mit Kleidung der Teilnehmer eines Hochzeitszuges, Bilder mit alten Straßenansichten von Marienbad sowie Aufnahmen der Marienbader Siedlung, die in den 50-er Jahren im Bad Homburger Stadtteil Gonzenheim entstanden ist. Auch das Denkmal am Marienbader Platz sowie eine Urkunde und ein Wappen von Marienbad sind zu sehen.

Volksfeststimmung kam auf, als die Musikgruppe des BdV Biebesheim-Dornheim, angeführt von Karin Liedke und Rudi Mohr, in den Saal einzog. Die Frauen in roten Dirndln, die Burschen in Lederhosen und Hüten mit roten Schleifen. "Wir sind die Egerländer Musikanten" intonierte die Drehorgel beim Einzug und der Spieler mit der Teufelsgeige stampfte den Takt dazu. Schlag auf Schlag ging danach ein großes Volksliederprogramm über die Bühne. Einige hielt soviel musikalischer Schwung nicht auf den Stühlen: Zu günstig war die Gelegenheit einen Tanz zu wagen.

Text: Norbert Quaiser; Fotos: Erika Quaiser
Im Februar 2014