"Unn samstags wird die Gass' gekehrt"

Ernstes und Heiteres beim BdV-Begegnungsnachmittag im Erika-Pitzer-Begegnungszentrum in Bad Nauheim

Gleich zu Beginn der Mai-Veranstaltung gab es grossen Beifall für Georg Walter. Der aktive 93-jährige 1. Vorsitzende des Ortsverbandes hatte, musikalisch begleitet von Norbert Quaiser, aus Anlass des Muttertages einen Sologesang auf alle Mütter eingeübt und vorgetragen. Das schlichte, zu Herzen gehende Lied, kannte er noch von seiner schlesischen Heimat. Nach diesem geglückten Auftakt wechselten sich danach Musik, Gesang und Vorträge in bunter Folge im Programm ab.

Der Monat Mai hatte es Helmut Körner angetan. "Der Wonnemonat, heisst zu Ehren seiner Beschützerin auch Marienmonat," erklärte er den Gästen. Kein Wunder, dass Maria der häufigste weibliche Vorname ist, und auch bei Männern als zweiter Vorname hinzugefügt wird, wie z.B. bei Carl Maria von Weber oder Rainer Maria Rilke. Dass es neben den bekannten "Ave Maria"-Melodien von Franz Schubert und Charles Gounod noch an die 1500 weitere Ave Maria-Versionen gibt, hätte keiner erwartet. Ganz still wurde es im Saal, als Körner mit einem Marienlied aus der Feder des Sudetendeutschen Gerhard Riedel schloss. "Maria, breit dem Mantel aus! Du kennst sie, die so flehten. Mach' Schutz und Schirm für uns daraus, rings um unsre Sudeten. Bedenk', dass so wie einst dein Kind, auch hier in Böhmen Kinder sind, die abends mit dir beten."

Mit "Der Mai ist gekommen" hatte Bruno E. Ulbrich seinen Vortrag überschrieben. Als Soldat lag er in den letzten Tagen im Mai 1945 in Breslau. Hier empfing ihn "der Russe" mit all seinen Versprechungen für eine friedliche Kapitulation. Inmitten einer endlosen Schlange von Leidensgefährten wanderte er in ein Lager und wartete dort auf die nächsten Tage. Aber alle atmeten erst einmal auf und waren froh, daß die grausamen Kriegsjahre vorbei sein sollten. "Wer denkt heute noch daran, und wie viele wissen es noch, und erinnern sich an die schlimmen Jahre die dann folgten, an die Flucht, an die Vertreibungen in das unbekannte Land, in dem wir uns jetzt so wohl fühlen?" fragte Ulbrich. Uns Deutschen geht es gut, und in Frieden genießen wir es. Andere Länder in der Europa-Union müssen sich diesen Wohlstand noch erarbeiten. Die Grenzen in Europa sind gefallen, wir können reisen wohin wir wollen und die ganze Welt steht uns offen - sofern wir die Sprachen beherrschen und das nötige Kleingeld für die Reisen besitzen.

Doch nicht überall können die Menschen so in Frieden leben wie bei uns. Hören wir doch in den Rundfunk- Nachrichten und in den Fernsehsendungen immer wieder von den schrecklichen Geschehnissen in der Welt. Täglich hören wir von den Aufständen und Kriegen in Syrien, oder in Palästina, wo noch immer die Palästinenser mit den Juden streiten, wir hören von den Aufständen im Land der alten Ägypter, und von den Verfolgungen in Afrika. Und die Berichte von den Flüchtlingen über das Mittelmeer sehen wir mit Schaudern.

"In dieser brisanten Lage sind wir am 25. Mai wieder aufgerufen uns zu entscheiden, wer die Europäische Union in der nächsten Zeit regieren soll. Wir müssen wieder auf einem Stimmzettel ankreuzen, wer in Straßburg oder Brüssel die Geschicke der Staaten im großen Europa entscheiden wird. Viele glauben, dass uns diese Wahl im Mai 2014 nicht interessieren muss. Doch dies ist falsch gedacht. Die neu gewählten Vertreter werden dann Entscheidungen treffen, die für uns und unsere Kinder wichtig sind. Auch wenn wir alt und gebrechlich geworden sind, unsere Stimme können wir noch erheben und so zu einem kleinen Teil zum Weltgeschehen beitragen", schloss Ulbrich seinen mit viel Beifall bedachten Bericht.

Vortragende, die ihre Texte in schlesischer oder sudetendeutscher Mundart zum Besten gaben, hatten bei den Begegnungsnachmittagen schon öfters auf der Bühne gestanden. Inge Vetter und Anni Appel boten etwas Besonderes: Die beiden putzenden Hausfrauen sprachen Hessisch! "E' Hausfrau, die hat's garnet leicht, e Hausfrau hat ihr'n Kampf, von morjens frieh bis awends spät, da steht se unner Dampf". Dann zählten sie die Arbeiten auf: "Waschdaach, Bischeldaach, Einkaufsdaach, unn samstags wird die Gass' gekehrt, mir sammeln jeden Dreck, unn was uns unnern Besen kimmt, dess kehrn mir alles weg!"

Die Reihe der "Referenten" schien danach kaum ein Ende zu nehmen: Der Schlesier Gerhard Christoph erinnerte an "schlesische Feste", Erwin Gröger brachte die Gäste mit "Kleinen geistlichen Begebenheiten" zum Schmunzeln und Gerda Lugert bedauerte, dass heute Gemeinsamkeit so oft Egoismus gewichen ist. Otmar Ruß und Alfred Bohn lieferten gesangliche Leckerbissen bis schließlich die aus Hindenburg O/S stammende Barbara Janik als neues Mitglied gefeiert wurde. Beim Schlußlied "Kein schöner Land" reichte man sich die Hände. Das nächste Wiedersehen steht bereits am 3. Juni an, beim Sommerfest unter dem Motto "Rote Rosen, rote Lippen, roter Wein."

Text: Norbert Quaiser; Foto Erika Quaiser
Im Mai 2014