Melodien aus der "guten alten Zeit"

"Wiener Kaffeehausorchester" beim Begegnungsnachmittag des Bundes der Vertriebenen in Bad Nauheim

Viel Musik und ein buntes Unterhaltungsprogramm erwartete die Gäste, die zahlreich bis aus Frankfurt, Gießen, Gründau, Obertshausen und dem Odenwald in die hessische Gesundheitsstadt gekommen waren. Der Erste Vorsitzende des Ortsverbandes Georg Walter war auch gleich der erste der Mitwirkenden auf der Bühne: seine gereimte Begrüßung über den Monat Juni war eine gelungene Einleitung für das Sommerfest.

Bruno E. Ulbrich hatte gerade in Hamburg mit Blick auf die Elbe ein Familienfest gefeiert. Beim Anblick der schier unübersehbaren Wasserfläche erinnerte er sich an die Elbequelle in seiner Heimat im Riesengebirge. "Was ist nur aus dem Bächlein nach seinem Lauf durch Böhmen und weiter bis Hamburg geworden" wunderte er sich. Ein ernstes Thema hatte sich Maria Weiser vorgenommen: "Sag nicht immer Flüchtling zu mir!" hieß es in ihrem Beitrag "Warum werde ich Flüchtling genannt? Bin ich denn aus Furcht davongerannt? Tat ich jemandem Leid oder Schaden? Bin ich mit Schuld oder Verbrechen beladen?" Ich bin Heimatvertriebene wusste sie sich zu wehren.

Irmgard Eckel erinnerte daran, dass alte Liebe nicht rostet. Ein Beispiel hatte sie bereit. Lieschen und Schorsch hießen die beiden, die sich nach Jahrzehnten gegenüber standen. Damals hatten sie sich ewige Liebe versprochen, aber das Schicksal wollte es anders. "Ihre Herzen spürten beide pochen, wie damals als sie sich ewige Liebe versprochen." Dafür, dass sie die zu Herzen gehende Begebenheit sogar noch gereimt hatte und frei vortrug, bekam die beliebte 83-jährige "Schriftstellerin" einen besonderen Applaus.

Danach ging das Mikrofon von Hand zu Hand: Helmut Körner überreichte den Gästen einen Strauß "Kornblumen", die Böhmerwäldlerin Maria Kopany-Sauer erinnerte sich an ihre Vertreibung, "Chefärztin" Hilda Grobauer versuchte ihrem "Patienten" Erwin Gröger erfolglos die Vorbereitung für eine Operation zu erklären und im "Reisebüro" sah sich Anni Appel außerstande, Inge Vetter eine Reise schmackhaft zu machen. "Auf keinen Fall nach Italien, dort gibt es nur Spaghetti, die fallen mir immer auf die Bluse!"

Als Wilhelm Schomber, Leiter des "Wiener Kaffeehaus Orchesters", danach den Taktstock hob, kam Wiener Stimmung auf: Beim "Frühlingswalzer" durfte mitgeschunkelt werden und bei "Schütt' die Sorgen in ein Gläschen Wein" und "Im Prater blüh'n wieder die Bäume" stellten die stimmgewaltigen Gäste die "Fischerchöre" in den Schatten.

Irene Conrad, Gesangssolisten des Orchesters, begeisterte mit "Ohrwürmern" wie: "Einen Walzer für dich und für mich", "O Donna Clara", "Man müsste noch mal zwanzig sein" und "In der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine". Als schließlich "Sag zum Abschied leise Servus" gespielt wurde, wollten die "Zugabe"-Rufe kein Ende nehmen.

Eine Ehrung überraschte Norbert Quaiser: "Für langjährige Verdienste bei der Verwirklichung der Ziele des Bundes der Vertriebenen" überreicht ihm der BdV-Kreisvorsitzender Reinhard Schwarz die silberne Ehrennadel des BdV. Beim Schlusslied "Kein schöner Land" gab man sich die Hände. Ein Wiedersehen gibt es nach der Sommerpause am 7. Oktober.

Text: Norbert Quaiser
Im Juni 2014