Erntetisch mit Überraschungen

Bund der Vertriebenen (BdV) Ortsverband Bad Nauheim feiert das Erntedankfest und den Tag der Heimat

Ein langer Tisch, mit Tüchern abgedeckt, weckte die Neugier der Besucher, die sich im großen Saal des Erika-Pitzer Begegnungszentrums zum Erntedankfest versammelt hatten. Hin und her wurde geraten, was wohl auf dem Tisch verborgen sein könnte, aber das Geheimnis wurde erst gelüftet, als Otmar Ruß die Tücher anhob und darunter Kisten gefüllt mit rotbackigen Äpfeln zum Vorschein kamen. "Alle am Bad Nauheimer Johannisberg selbst gepflückt, garantiert ungespritzt und noch dazu gratis zum Mitnehmen" bot Naturfreund Ruß seine Schätze an.

Irmgard Eckl unterstützte ihn dabei literarisch. "Dank für die Gaben von Baum und Strauch, golden und süß locken die Trauben auch. Dank für des Gartens ergiebiges Beet, es gab wieder reichlich zu ernten, was man gesät" reimte sie.

Gedanken zum Tag der Heimat hatte sich Bruno E. Ulbrich gemacht.
Gerade wir Älteren wüssten, so Ubrich, was uns unsere Heimat war und ist und bleibt, und wir stehen jetzt vor der Frage: kann ich noch daheim in meinem jetzigen Zuhause bleiben oder muß ich doch schon in ein Alters-"Heim"? Dort, wo uns eine Heimmutter sicher betreut. So wie es einmal daheim war, so werden wir es nicht mehr erleben, in gewissem Sinne sind wir eben heimatlos geworden. Er selbst besitze noch einen Heimatschein seiner einstigen Heimatgemeinde, der ihm die heimatliche Hilfe zusagte, wenn er in Not geraten sollte. Solch einen Schein gibt es ja heute nicht mehr.

Schön ist es, wenn wir von unserem Heimatort reden können und einen Heimatdichter noch im Gedächtnis haben. Wie reich ist doch unsere Sprache, die spricht von den heimatlichen Bergen oder auch vom großen Heimathafen, Orte, die für die Bewohner ihre eigenen Reize besitzen.

Wer kennt nicht das schlimme Heimweh, das wir in der Fremde immer wieder empfinden, sei es als Kind oder auch als Erwachsene, auch wenn die Fremde noch so schön sein mag. Wie mag es den Menschen jetzt ergehen, die keine Heimat haben, nicht mehr heimkehren können, also heimatlos sind und gern einmal heimgeführt werden möchten?

Am Tag der Heimat mögen die klugen Politiker und fachkundigen Redner von der Heimat sprechen. Sie reden davon, doch schon am nächsten Tag sind ihre Gedanken ganz woanders, und die Heimat ist bei ihnen wieder vergessen. Anders ist es bei uns, bei uns bleibt die Heimat unvergessen, sie ist unsere Heimat, in der wir einst aufgewachsen sind und die wir noch immer im Gedächtnis haben und lieben.

"Denken auch sie alle an ihre geliebte Heimat und freuen sie sich, daß sie ein neues Zuhause gefunden haben, das vielleicht jetzt und für ihre Kinder eine neue Heimat geworden ist?" schloß Ulbrich seinen mit großem Beifall bedachten Vortrag. Jemand hatte mitgezählt: 33 Mal hatte er dabei den Begriff "Heimat" in verschiedenen Verbindungen genannt, ein Fall für das Guinness-Buch der Rekorde?

Danach durften die Gäste selbst lautstark aktiv werden. "Bunt sind schon die Wälder", "Die Gedanken sind frei" und "Im schönsten Wiesengrunde" wurde unter Begleitung von Norbert Quaiser begeistert angestimmt.

Helmut Körner ließ es sich nicht nehmen, das Muttergottesbild von Mariaschein vorzustellen und über Erwin Grögers "Die pensionierte Sittlichkeit" und "Siehste, siehste", kamen die Gäste kaum aus dem Lachen heraus.

Text: Norbert Quaiser; Foto: Erika Quaiser
Im Oktober 2014