"Tag der Heimat" beim BdV-Kreisverband Groß-Gerau e.V.

Solidarität mit Flüchtligen weltweit

Ehemaliger Landrat Willi Blodt erhält Verdienstmedaille

Der Kreisverband des Bundes der Vertriebenen (BdV) Groß-Gerau beging mit den Ortsverbänden und Landsmannschaften im Kreisgebiet am vergangenen Sonntag die Feiern zum diesjährigen Tag der Heimat in der gut besuchten Biebesheimer Kulturhalle. Ortsvorsitzender Erich Fech konnte zu der Feierstunde, die in diesem Jahr unter dem Leitwort "Deutschland geht nicht ohne uns" stand, auch zahlreiche Ehrengäste begrüßen. Neben dem Bundestagsabgeordneten Franz-Josef Jung (CDU), dem Landtagsabgeordneten Günter Schork (CDU) und Landrat Thomas Will waren der Einladung auch die Bürgermeister der Kommunen aus Kelsterbach, Trebur, Stockstadt und Gernsheim gefolgt. Für die Gemeinde Biebesheim nahm die Beigeordnete Urike Eller-Kraft (Grüne) an der Feierstunde teil. Eine Fahnenabordnung der beiden Egerländer Gmoin aus Bischofsheim und Kelsterbach war in ihren bunten Egerländer Trachten erschienen.

Helmut Brandl, stellvertretender Kreisvorsitzender, wies in seinen Grußworten auf die notwendige Solidarität mit den derzeitigen Flüchtlingen in Syrien und Irak hin und folgerte, dass damit auch in unserer unmittelbaren Umgebung wieder Vertreibung angekommen ist. "Lassen wir es nicht zu, wenn Scharlatane in diesen Tagen versuchen, Hetze und Zwietracht zu schüren, wenn es gilt diesen leidgeprüften Menschen hilfreich mit Würde zu begegnen, so, wie einst die deutschen Heimatvertriebenen nach ihrer Ankunft hier in Hessen Entgegenkommen und Unterstützung erfahren durften". Der BdV-Kreisverband Groß-Gerau sei der hessischen Landesregierung für die Einführung des Gedenktages gegen Flucht, Vertreibung und Deportation dankbar, der an jedem zweiten Sonntag im September ab diesem Jahr begangen werde. Dieser Gedenktag solle die Erinnerung an diese Ereignisse für künftige Generationen lebendig halten und zu Verantwortung und Versöhnung mahnen. Er sei darüber hinaus auch ein Zeichen der würdigenden Anerkennung für die gelungene Integration und die Aufbauleistung der Heimatvertriebenen, Aussiedler und Spätaussiedler in Hessen. Der Gedenktag stehe dabei aber nicht nur symbolisch für das Schicksal von Millionen dieser Menschen, sondern auch für Betroffene auf der ganzen Welt. Dadurch leiste der Gedenktag zusätzlich einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung.

Franz-Josef Jung ging in seinen Grußworten auch auf die künftige Bedeutung des von der Bundesregierung kürzlich eingeführten nationalen Gedenktages ein, der an den Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen anknüpfe und so das Flüchtlingsgedenken um das Schicksal der Vertriebenen erweitere. Landrat Thomas Will stellte in seinen Grußworten fest, dass die Vertreibung von Volks- und Religionsgruppen aus ihrer gewachsenen Heimat kein zulässiges Mittel der Politik sein dürfe, sie müsse im zwischenstaatlichen Bereich ebenso geächtet werden wie dort, wo die persönliche Verantwortung beginne.

Festredner Albrecht Schläger, Vizepräsident des Bundes der Vertriebenen und langjähriger Sprecher für Vertriebenen- und Spätaussiedlerfragen der SPD-Fraktion im bayrischen Landtag, ging bei seiner Ansprache auf das Leitmotiv ein und stellte dabei fest, dassdie Heimatvertriebenen trotz zahlloser Widrigkeiten in allen Lebensbereichen Fuß fassen konnten. "Ob in der Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Kirche, in der Kultur oder beim Sport: die Heimatvertriebenen prägten den Aufbau Deutschlands und gestalteten Politik mit. Bis zum heutigen Tage."

Eine besondere Ehre wurde dem ehemaligen Landrat Willi Blodt zuteil. Er erhielt während der Feierstunde aus den Händen des BdV-Vizepräsidenten die Verdienstmedaille, die höchste Auszeichnung des hessischen Landesverbandes. Brandl formulierte in seiner Laudatio: "Willi Blodt nahm sich in vielen Situationen seines politischen Wirkens - vor allem in der Zeit als Landrat - den "Sorgen und Nöten" der Heimatvertriebenen im Kreis Groß-Grau an. Als es Ende der achtziger Jahre galt, für die Nachwelt die Dokumentation der Heimatvertriebenen im Kreis Groß-Gerau über die "Flucht, Vertreibung und Aufnahme" niederzuschreiben, setzte sich Willi Blodt für die finanzielle Unterstützung des Projektes des BdV-Kreisverbandes Groß-Gerau ein und führte so diese Dokumentation zu einem erfolgreichen Abschluss und der geglückten Herausgabe im Jahre 1990."

Die Feierstunde und der anschließende Volkstumsnachmittag wurden vom evangelischen Bläserchor Biebesheim, dem Gesangsverein Harmonie Biebesheim, der Jugendtanzgruppe der Donauschwaben aus Mosbach sowie der BdV-Musik- und Singgruppe Biebesheim/Dornheim mitgestaltet.

Text: Helmut Brandl
Im September 2014