"Heimatvertriebenes Landvolk im BdV-Landesverband Hessen" tagt am "Tag der Vertriebenen" in Heppenheim

Dipl.Ing. agr. Manfred Fiedler referierte bei der Traditionsveranstaltung über "Die Landwirtschaft in Schlesien"

Fiedler war am Samstag auf Einladung des BdV-Kreisverbandes Bergstraße nach Heppenheim gekommen. Nachdem bei der Veranstaltung im vorigen Jahr Ivar Günther über seine "Überlandfahrt durch Südrussland" gesprochen hatte war es eine gute Idee der Veranstalter, diesmal einen landwirtschaftlichen Polenexperten zu Wort kommen zu lassen.

Eröffnet wurde die gut besuchte Tagung, die Schlusspunkt der "Landwirtschaftlichen Woche Südhessen 2014" war, von der Kreisvorsitzenden des BdV-Kreisverbandes Bergstraße Rosl Koberg. Die Kreisvorsitzende zeigte sich erfreut, Georg Stolle vom hessischen BdV-Landesvorstand, Peter Gheorgean vom Regionalbauernverband Starkenburg, Dr. Herbert Küttner vom Landesvorstand der SL-Hessen, Werner Hartmann von der Mittelstandsvereinigung Bergstraße, Helmut Seidel BdV-Kreisvorsitzender Erbach, Wolfgang Quaiser Birkenau und Paul Höllert unter den Teilnehmern begrüßen zu können.

Landvolksprecher Otto R. Klösel, überbrachte Grüße vom Präsidenten des Bauernverbandes der Vertriebenen, Christian Walter und dem Bundesgeschäftsführer des Verbandes Dr. Alwed Blomeyer. Dieser hatte Klösel ein Wort Johann Wolfgang von Goethes zu Eckermann mit auf den Weg gegeben: "Man muss das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns herum immer wieder gepredigt wird, und zwar nicht von Einzelnen, sondern von der Masse, in Zeitungen und Enzyklopädien, auf Schulen und Universitäten. Überall ist der Irrtum obenauf, und es ist ihm wohlig und behaglich im Gefühl der Majorität, die stets auf seiner Seite ist." Das hörten die vertriebenen Bauern gern, denn ihre Forderung auf Rückgabe und Entschädigung bäuerlichen Eigentums und eine Entschuldigung für das menschenrechtswidrige Verhalten der Vertreiberstaaten droht, wie sie bedauernd feststellen, mit der Zeit in Vergessenheit zu geraten.

Dem Vorsitzenden der Hessischen Woche Dr.Willi Billau dankte Klösel dafür, dass die Veranstalter den vertriebenen Bauern von Anfang an ein Forum geboten hätten sich auszutauschen. Bei der 60. Landwirtschaftlichen Woche im nächsten Jahr werde man dieses Jubiläum auch durch eine eigene Festveranstaltung mit begehen.

Fiedler leitete seinen, durch ausführliches Zahlenmaterial unterstützen Vortrag, mit eine Bilderserie ein, in der die Schönheiten des verlorenen Schlesiens schmerzhaft in Erinnerung kamen: das renovierte Rathaus in Landeshut, die alte Weberstadt Schönberg, bei der noch vieles auf Erneuerung wartet, die mittelalterliche Stabholzkirche Wang in Krummhübel, die Wallfahrtskirche in Albendorf, dem "Schlesischen Jerusalem" und die Friedenskirche in Schweidnitz.

Der Referent ging danach auf ein aktuelles politisches Problem ein, die geplante Gründung einer autonomen Region in den historischen Grenzen Oberschlesiens.
Ziel sei die Erlangung der Autonomie Schlesiens im Kontext einer Dezentralisierung der Republik Polen. "Man fühlt sich von Warschau ausgenutzt", so der Referent zu den Bestrebungen. Es liege jedoch bereits eine Gerichtsentscheidung vor, nach der das Vorhaben an "höherer Stelle" keine Zustimmung findet.

Fiedler erläuterte, dass Schlesien sich in 3 Verwaltungseinheiten/Woidwodschaften gliedert: Niederschlesien/Dolnoslaskie, Oppeln/Slaskie und Schlesien/Slaskie Insgesamt ist Polen in 16 Woiwodschaften aufgeteilt.

Anläßlich einer Volkszählung im Jahre 2011 in Schlesien hätten 877.000 als Nationalität "Schlesien" angegeben und 178.00 sich als "Deutsche" bekannt. Zum Vergleich: Die polnische Gesamtbevölkerung beträgt 38 Millionen. 450.000 Polen wohnen in Deutschland, jährlich verlassen 70.000 das Land.

1999 sei der 1. Deutsche Verband der schlesischen Bauern gegründet worden. Anfangs seien die Mitglieder nur Deutsche gewesen, später sind auch Polen beigetreten. Der Verband unterhält gute Kontakte nach Bayern, dort finden wöchentliche Lehrgänge statt und ein reger Besuch von Landwirtschaftsschülern.

Als "gut" klassifizierte Böden liegen in Schlesien südlich der Oder, sonst nur in der Weichselniederung. In anderen Gebieten stehen eher Sandböden an, ein Umstand der in Kombination mit geringen Niederschlägen die Agrarproduktion nachhaltig beeinflusst.

Der Referent belegte seine Aussagen mit umfangreichen Zahlenübersichten. Z.B. beträgt die landwirtschaftliche Nutzfläche Polens insgesamt ca. 15 Mio ha, davon 10 Mio ha Ackerland und 3 Mio ha Grünland. Auf Schlesien bezogen lauten diese Zahlen 2 Mio ha, 1,5 Mio ha und 0,3 ha. Die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe betrug im Jahr 2000 2,8 Mio, dagegen in 2011 nur noch 2,2 Mio., davon 68,9 % der Betriebe mit max. 5,00 ha LN und 1,2 % mit 50 ha LN. 69 % der landwirtschaftlichen Familienbetrieben besitzen max. 5,00 ha LN und 1,1 % 50 ha LN und mehr. "Die Besitzer der Kleinbetriebe heißen "Eurowaisen" klärte Fischer die Zuhörer auf: " Die Eltern verdienen das nötige Geld in Deutschland und die Zuhausegebliebenen betreuen die Kinder und Höfe". Tabellen mit Angaben über Ökologische Landwirtschaft, Ertragsaufstellungen, Tierproduktion, Milch- und Legeleistungen rundeten den eindrucksvollen Vortrag ab.

Kreisvorsitzende Koberg dankte in ihrem Schlußwort dem Referenten und Georg Stolle nutzte die Gelegenheit, zu einem Deutsch-polnischen Seminar in Deschowitz/Annaberg/Groß-Stein des hessischen Deutsch-Europäischen Bildungswerkes einzuladen, das vom 27.-31. Mai 2014 stattfindet.

Text: Norbert Quaiser; Fotos: Erika Quaiser
Im Februar 2014