Glanzvoller "Tag der Vertriebenen" beim 54. Hessentag 2014 in Bensheim

Bei der großen Volkstumsveranstaltung "Singende, klingende Heimat" war für jeden etwas dabei

Prominenter Gast: Hessischer Ministerpräsident Volker Bouffier

Der "Hessentag" bestimmte 10 Tage lang das Leben in Bensheim an der hessischen Bergstraße. Zehn Tage lang wurde gefeiert. Zum "Tag der Vertriebenen" am Samstag hatten sich aus allen Teilen Hessens Heimatvertriebene mit ihren Familien und Freunden nach Bensheim auf den Weg gemacht. Auch in diesem Jahr bildete der Volkstumsnachmittag "Singende, klingende Heimat" den Höhepunkt.

Im großen Saal des Bürgerhauses war kein Stuhl mehr frei, als Horst Nausch seinen Taktstock hob und seine "Echten Böhmerländer" mit dem Marsch "Gruß an Böhmen" bewiesen: Nur aus Böhmen kommt die Musik!

Großen Applaus für ihre Grußworte erhielt das Hessentagspaar 2014, Anne Weihrich und Markus Glanzner, die sich an der Seite von Bürgermeister Thorsten Herrmann in schmucker regionaler Tracht vorstellten. Sowohl Bürgermeister Herrmann als auch Landrat Matthias Wilkes betonten in Ansprachen ihre enge Verbundenheit zu den Heimatvertriebenen.

Der Landesvorsitzende des Bundes der Vertriebenen (BdV) in Hessen, Siegbert Ortmann dankte den Gästen dafür, dass sie durch ihr Kommen ein eindrucksvolles Bild der Geschlossenheit sowie Verbundenheit der Heimatvertriebenen, Flüchtlinge und Spätaussiedler mit ihrer neuen Heimat Hessen abgeben. Aus den Reihen der BdV-Organisation begrüßte er den Ehrenvorsitzenden des Bundes der Vertriebenen in Hessen, Alfred Herold und die gesamte Riege des geschäftsführenden BdV-Landesvorstandes.

"Wir Heimatvertriebene haben" so der Landesvorsitzende "ein schlimmes Vertreibungsunrecht erfahren. Wir haben kennengelernt, wie es ist, enteignet und entrechtet, unter Kollektivschuld gestellt und gegen unseren Willen gezwungen zu werden, die Heimat zu verlassen."

"Aus all diesen schlimmen Erlebnissen haben wir in den zurückliegenden Jahrzehnten aber auch immer wieder die klare Erkenntnis gewonnen" so Ortmann, "dass es lohnt, sich für ein friedliches und geeintes Europa einzusetzen, als weiterhin dem nationalistischen Ungeist unter den Völkern zu frönen. Und so werben wir im Bund der Vertriebenen für ein Europa der Menschenrechte und des Minderheitenschutzes, für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit und für den Dialog und die Völkerverständigung auf der Grundlage von Recht und Gerechtigkeit."

Richtig bleibe aber auch: das Schicksal von Flucht und Vertreibung darf nicht in Vergessenheit geraten. Denn die Erinnerung an das Vertreibungsunrecht, an Leid und Not der Betroffenen geht nicht nur diese, sondern die ganze Gesellschaft an. Sie alle gilt es auf diesem Weg der Erinnerung mitzunehmen, denn das Erinnern stärkt das Miteinander der Völker Europas.

Der Bund der Vertriebenen ist der Hessischen Landesregierung unter Ministerpräsident Volker Bouffier sehr dankbar, mit der Einführung eines Gedenktages für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation dauerhaft und nachhaltig die Erinnerung an die Millionen Heimatvertriebenen lebendig zu erhalten, die während des Zweiten Weltkrieges und danach Opfer von Flucht und Vertreibung wurden. "Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, ich heiße Sie mit Ihrem Kabinettskollegen, Sozialminister Stefan Grüttner und der Hess. Landesbeauftragten für Heimatvertriebene und Spätaussiedler Margarete Ziegler-Raschdorf ganz herzlich willkommen" schloß der Landesvorsitzende seine Ansprache.

In seiner Festansprache begrüßte der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier, dass der Bund der Vertriebenen ein integraler Bestandteil des Hessentages geworden ist. Als er das Leitwort des BdV für 2014 "Deutschland geht nicht ohne uns" zitierte und hinzufügte "Der Hessentag geht nicht ohne den BdV" hinzufügte, wollte der Applaus kein Ende nehmen. Dass die Hessische Landesregierung durch finanzielle Förderung der Arbeit des BdV auch künftig für Planungssicherheit sorgen will und die Einführung eines bundesweiten Gedenktages für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation voll unterstützen wird, hörten die Vertriebenen gern.

Danach übernahm "Moderator" Bernd Glembek die Bühnenregie. Gekonnt und kenntnisreich stellte er die einzelnen Gruppen vor. Den Anfang machte die Jugendtanzgruppe der Landsmannschaft der Donauschwaben aus Mosbach. Temperamentsvolles bot die Gesangsgruppe der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland "Stimme der Hoffnung" aus Wetzlar. Ihr "Hessenland, du bist mein Heimatland" wurde besonders beklatscht.

Die Trachtengruppe der SKG Bensheim-Zell zog mit dem Marsch "Hinner moiner Schwiermutterhaus" bejubelt auf die Bühne. Die BdV-Musikgruppe Biebesheim-Dornheim, geleitet von Karin Liedtke und Rudolf Mohr ,sind schon alte Bekannte bei einem Volkstumsnachmittag. "Wir sind die Egerländer Musikanten" intonierte die Gruppe und der Spieler mit der Teufelsgeige stampfte den Takt dazu. Der Holzstab mit den diversen Schlaginstrumenten Becken, Schellenring, Klangholz, und Tamburin versehen, war die Attraktion.

Ein buntes Bild bot die Schlesische Trachtengruppe Wiesbaden. Die Tracht, die sie tragen, ist eine Festtagstracht wie sie um 1900 im Riesengebirge in der Gegend um Oberschreiberhau getragen wurde. Sie zeichnet sich besonders durch das reichbestickte Weißzeug der Frauen aus, welches die Frauen bis zur Hochzeit gestickt hatten. Auch die Gruppe hat alles Weißzeug selbst gestickt, da dieses nicht käuflich erworben werden kann. Die verheirateten Frauen trugen bunte bestickte Hauben aus Brokat- oder Seidenstoffen. Kinder und Jugendliche dagegen hatten bunte Hauben mit weißen Schluppen (Waschhauben) oder rein weiße Hauben. So konnten die Männer schon gleich erkennen ob eine Frau noch zu haben war oder schon " unter der Haube" war. Einen mehrstimmigen Schlußpunkt setzte danach der Männergesangverein Germania 1898 Lorsch. Ohne eine Zugabe wollte man ihn nicht von der Bühne lassen.

Zum großen Schlussbild versammelten sich schließlich alle Mitwirkenden nochmals auf der Bühne. Ein schönes Bild für die vielen Fotografen. Mit der gemeinsam gesungenen 3. Strophe unserer Nationalhymne ging der Nachmittag schließlich mit einem großen Applaus zu Ende.

Am Vormittag hatte die Landesbeauftragte der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Margarete Ziegler-Raschdorf eine gut besuchte öffentliche Bürgersprechstunde abgehalten. Die Fachabteilung des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration war vertreten durch komm. Referatsleiter Thomas Bach , Monika Groh sowie Georg Unkelbach, Büroleiter der Landesbeauftragten.

Unter Vorsitz von BdV-Landesvorsitzenden Siegbert Ortmann folgte die öffentliche Sitzung des Hessischen Landesbeirates für Vertriebenen-, Flüchtlings- und Spätaussiedlerfragen, an der auch Staatsminister Stefan Grüttner, die Landesbeauftragte Margarete Ziegler-Raschdorf, Georg Unkelbach, Thomas Bach und Monika Groh teilnahmen. Georg Unkelbach geht zum Monatsende in den Ruhestand. Alle Redner sagten ihm ein großes "Dankeschön".

Text: Norbert Quaiser; Fotos: Erika Quaiser
Im Juni 2014