Phantastische Welten aus Holz

Literarisch-künstlerische Vernissage der Intarsienkunst in Wetzlar

Außergewöhnliches ist noch bis Mitte April in der Wetzlarer "Phantastischen Bibliothek" zu bewundern: Furnierbilder des 92-jährigen, aus Harzdorf bei Reichenberg im Sudetenland stammenden Bruno E. Ulbrich. Der Pädagoge Ulbrich leitete u.a. zwei große hessische Schulen und hatte erst nach seiner Pensionierung 1986 die Muße, seine künstlerischen Neigungen wieder aufzugreifen und Intarsienbilder zu gestalten. Er lebt heute in Bad Nauheim und wirkt als Kulturreferent im BdV-Ortsverband.

"Ich bedaure, dass manche Wände bei Ihnen zu Hause jetzt kahl sind" scherzte die Leiterin der Bibliothek Bettina Twrsnick, als sie die Vernissage 11. März eröffnete "aber 25 Furnierbilder aus Ihrem Schaffen zieren jetzt für einige Zeit unser Haus und sind Zeugen einer selten gewordenen Kunstform."

"Die Intarsie - ein Kunstwerk" hatte Ulbrich seine Eröffnungsrede überschrieben.
Er erläuterte, dass die Intarsie ursprünglich eine Dekorationskunst war, bei der verschiedene Hölzer so ineinander gelegt werden, dass wieder eine ebene Fläche entsteht. Vorwiegend bei Schränken, Wandpaneelen und Fußböden sind diese alten Einlegearbeiten noch heute zu bewundern.

Zu großer künstlerischer Vollendung gelangten die Furnierbilder in der Renaissance in Italien. Sie waren vor allem bei den Reichen und Mächtigen beliebt. Diese alte Kunst der IntARSia ist heute ein seltenes Handwerk, das in dem lateinischen Wort ARS sowohl die Kunst als auch das Handwerk beinhaltet. Diese kunstvolle Technik beherrschen heute nur wenige Könner.

"Die Herstellung der Furniere erfolgt in große Sägereien", so Ulbrich. Die Baumstämme werden gewässert, geschält und geschnitten. Die großen Schälfurniere sind für besondere Flächen vorgesehen. Oft werden die Stämme schubweise in feine Furnierplatten zersägt.

So entstehen Furnierplatten, die jeweils 0,5 - 1,5 mm stark und je nach Baumstamm 2 - 4 m lang sind. Die dünnen Furniere werden in Schreinereien oder Möbelfabriken mit Furnierpressen auf minderwertige Trägerplatten aufgeleimt. Für die Intarsienbilder müssen die Furniere zerschnitten und je nach Maserung, Farbe und Holzstruktur, zu einem Bild zusammengesetzt werden. Die einzelnen Furnierteile verbindet man mit besonders geleimten Papierstreifen. Die Bildmotive und Schriften müssen spiegelverkehrt gedacht werden, denn die spätere Schauseite ist von vielen Papierstreifen zugeklebt. In besonderen Furnierpressen werden die Arbeiten auf eine Trägerplatte aufgeleimt, geschliffen und lackiert. Dies muß auch mit der Rückseite erfolgen.

Renate Gasser, Tochter von Bruno E. Ulbrich und Bernd Vogeler aus Nidda, Deutschlehrer und Literaturkenner, lasen abwechselnd literarische Fundstücke, als guten Kontrast zur ausgestellten handwerklichen Kunst:
Die merkwürdige Geschichte von Kurt Kusenberg "Mal was andres", Kurt Gernhardt's "Die drei von der Baumschule" und schließlich die "Ballade vom Ofensetzer" aus der Feder des Dichters und Zeichners Günter Kunert. Dankbaren Applaus bekamen beide für die gekonnt dargebotenen Kabinettstückchen aus neuerer Literatur.

Die Ausstellung ist bis zum 25. April in der "Phantastischen Bibliothek" in Wetzlar, Turmstr. 20 zu sehen: montags bis donnerstags von 9 bis 18 Uhr und freitags von 9 bis 13 Uhr. Eintritt frei.

Text und Fotos: Norbert Quaiser
Im März 2014