Klare Analyse zum "Münchner Abkommen"

Jahreshauptversammlung des Bund der Vertriebenen (BdV) Kreisverband Odenwald

Gute Resonanz fand der Vortrag des 48-jährigen Oberstudienrates Markus Harzer bei der Jahreshauptversammlung des Bundes der Vertriebenen, Kreisverband Odenwald und der involvierten Sudetendeutschen Landsmannschaft. In seiner typisch lockeren Darstellungsart beleuchtete der Geschichtslehrer und Landekulturreferent der Sudetendeutschen Landsmannschaft Hessen die damaligen politischen Verhältnisse nach Gründung der Ersten Tschechoslowakischen Republik 1918/19.

Durch die Verträge von Versailles und St. Germain seien die Deutschen in Böhmen und Mähren gegen ihren Willen in den neu geschaffenen Staat einbezogen worden. Allein schon die Namensgebung des Staates verdeutlichte die Ablehnung des deutschen Bevölkerungsanteils, denn diese bildeten neben den etwa 50% Tschechen mit 25% die zweitstärkste Volksgruppe, wohingegen die Slowaken nur einen Anteil von etwa 13% hatten; den Rest bildeten Ungarn und Polen. Bestrebungen der Sudetendeutschen, wie vorher weiterhin an Österreich angegliedert zu bleiben, wurden gewaltsam unterdrückt.

Durch die folgende tschechische Politik unter Edvard Beneš waren die Sudetendeutschen gravierenden Repressalien und Schikanen ausgesetzt, insbesondere durch große Benachteiligungen in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht. Dies ließ eine starke Sudetendeutsche Partei unter Führung Konrad Henleins emporkommen, was sich bald Adolf Hitler zu Nutze machte. Durch das Münchner Abkommen vom September 1938 wurde das Sudetenland unter Zustimmung der Regierenden von Frankreich, England und Italien an Deutschland angegliedert. Durch die Machtpolitik Adolf Hitlers, der dann nicht nur entsprechend des Vertrages im Sudetenland, sondern auch im restlichen Teil von Böhmen und Mähren, dem Protektorat, einmarschierte, lässt bis heute unter Historikern und Politikern die Gültigkeit des Münchner Abkommens in Frage stellen. Die grausame Vertreibung der Sudetendeutschen nach Beendigung des Krieges stellte jedoch einen eklatanten Verstoß gegen das Völker- und Menschenrecht dar, wobei zudem die Beneš-Dekrete untragbar seien.

In den Grußworten hatte Gerhard Grünewald als Vertreter des Bürgermeisters auf die völkerverbindenen Städtepartnerschaften, insbesondere auch mit Jicín in Nordböhmen, hingewiesen. Stadtverordneter Helmut Löb als Vertreter der Republikaner nahm ganz aktuell auch Bezug auf den Besuch von Bundespräsident Joachim Gauck in Prag, bei dem er auch das sudetendeutsche Problem angesprochen hatte.

Das Totengedenken sprach Hans Ripper, Erbach-Schönnen, der auch den Kassenbericht gab. Lothar Plößer und Roland Richter, beide Erbach, bestätigten in ihrem Prüfungsbericht eine sorgfältige Kassenführung, woraufhin einstimmig die Entlastung des Vorstandes erfolgte.

Kreisvorsitzender Seidel konnte auch wieder verdiente Mitglieder ehren: Ehepaar Karl und Gertrud Donko, Michelstadt-Würzberg, für 10-jährige Mitgliedschaft und aktive Mitarbeit sowie Angela Braun, Erbach, für ebenfalls langjährige aktive Mitarbeit, insbesondere bei den Monatstreffen.

Text: Helmut Seidel
Im Juni 2014