Siegbert Ortmann:
Rede beim Landesverbandstag 2014

Als organisierter Zusammenschluss von Heimatvertriebenen, Flüchtlingen, Aussiedlern und Spätaussiedlern machen wir uns im Bund der Vertriebenen bekanntlich zur Aufgabe, die Interessen unserer Mitglieder so weit wie möglich in unserer Gesellschaft zu vertreten. Will heißen,

Der Bogen dieser Ziele und Aufgabenbeschreibungen ist in der Tat sehr umfangreich und erfordert zur Umsetzung besonderes ehrenamtliches Engagement von uns allen mit dem fortwährenden Ziel, im Sinne der gesetzlichen Vorgaben nach dem Bundesvertriebenengesetz die notwendige Verbandsarbeit in die Zukunft dauerhaft und vor allem überzeugend für die nächsten Generationen aufzustellen. Denn das eigene Erleben von Flucht und Vertreibung der meisten unserer bisherigen Mitglieder schwindet infolge ihres natürlichen Ablebens und es gilt deshalb mehr als bisher, das Überleben unseres Verbandes sicherzustellen und ernsthaft geeignete Überbrückungsmaßnahmen für einen dauerhaften Bestand heute schon einzuleiten. Dieses Vorhaben kann man auch kurz mit dem Begriff "Zukunftssicherung" umschreiben und seine Ernsthaftigkeit muss uns allen auch wirklich bewusst sein, denn der momentane Mitgliederschwund deutet auf "fünf Minuten vor zwölf" hin. Und dazu passen auch nicht die bisweilen erkennbaren Einstellungen verdienter Repräsentanten aus den eigenen Reihen, die die bisherige erfolgreiche Verbandsarbeit mit dem eigenen, altersbedingten Ausscheiden gewissermaßen "glorreich" einfach untergehen lassen wollen, doch hoffentlich nicht mit dem Hintergedanken: "nach mir die Sintflut"!

Für mich sind solche Überlegungen kein Maßstab zum eigenen Tun und so denke ich fortwährend über mögliche Zukunftsorientierungen des BdV nach, wohlwissend, dass ich dazu aber ihrer aller Mithilfe bedarf. Wenn seit einiger Zeit meine Person in Verbindung mit einer bevorstehenden Änderung des bisherigen traditionellen Verbandsnamens in Verbindung gebracht wird, so ist dies doch kein Grund zur Sorge. Denn eine Namensänderung stellt unzweifelhaft eine Satzungsänderung dar, über die allein dieses Organ, also ein solcher BdV-Landesverbandstag mit qualifizierter Mehrheit entscheiden kann. Bis dato sehe ich persönlich dieses erforderliche Quorum bei unserer Delegierten nicht als gegeben. Doch sage ich auch, dass ich meine entsprechenden Bemühungen nicht aufgeben werde, weil ich zum einen wirklich der Überzeugung bin, dass wir mit der bisherigen Namensgebung - das BdV-Logo ausgenommen- bei zukünftigen Generationen kein wirkliches Interesse für eine Mitarbeit wecken können. Zum anderen möchte ich zu Lebzeiten noch selbst an einer solchen interessanten Neugestaltung mitwirken und dies eben nicht nur den nächsten Generationen überlassen. Sicherlich würde sich ein Name wie beispielsweise "BdV - Bündnis gegen Flucht und Vertreibung e.V.", als durchaus thematisierte, aber gleichzeitig zeitenlose Variante der Namensgebung besser eignen, ohne aber damit noch besseren Lösungsansätzen vorgreifen zu wollen.

Nun gibt es ein weiteres Strukturproblem in den Untergliederungen der uns angeschlossenen Landsmannschaften, das dringend zu lösen ist. Dieses Problem steht mit den fortwährenden Untergang von Landsmannschaften in unserem Lande zusammen. Diese aufgelösten Landsmannschaften wollen aber verständlicherweise eine irgendwie zum Ausdruck zu bringende Identität im dem BdV-Kreisverband bewahren, der ihre bisherigen Mitglieder aufzunehmen gedenkt. Mit dieser Situationsbeschreibung dürfte klar werden, dass wir uns aufgrund der vorhandenen Strukturgegebenheiten von alten Gewohnheiten schon trennen müssen, um sodann gestärkt als Vertriebenenorganisationen für die Zukunft überhaupt bestehen zu können.

Ich habe eingangs auf die Tätigkeitsbeschreibung unseres Verbandes hingewiesen und möchte dazu heute mit dem Ihnen vorliegenden Bericht des Landesvorstandes für das zurückliegende Jahr 2013 die satzungsgemäße Rechenschaft ablegen. Dabei bin ich mir bewusst, dass diese Darstellung nicht alle Aktivitäten wiederspiegeln kann. Sie können uns als amtierende Landesvorstandsmitglieder und Referenten aber abnehmen, dass wir - alles im Ehrenamt - gerne noch viel mehr für den hessischen BdV-Landesverband, seine Untergliederungen und Landsmannschaften geleistet haben. Geholfen haben uns dabei wiederum die erfahrenen Mitarbeiterinn en und Mitarbeiter der Landesgeschäftsstelle, denen ich hiermit für ihr Engagement unser Aller besonderen Dank aussprechen möchte.

Der vorliegende Tätigkeitsbericht enthält die alljährlich geleisteten "Pflichtaufgaben" unseres Landesverbandes und unterwirft diese damit dem öffentlichen Diskurs. Mit dieser Offenlegung sehr konkreter Informationen wollen wir unser verbandsspezifisches Handeln und Agieren transparent machen, um nicht in den Verdacht der Vertretung von ausschließlich Eigeninteressen zu geraten. Doch es gibt hierzu immer wieder Kritiker, die eine noch umfassendere Offenlegung, vor allen in Bezug auf die finanziellen Zuflüsse und deren Verwendung fordern. Zugegeben, davon haben wir bislang abgesehen und unsere Haushaltsdaten nicht in den alljährlichen Tätigkeitsbericht einfließen lassen. Aber wir haben im vergangenen Jahr meines Wissens erstmals und in Ansprache mit der hessischen Staatskanzlei den Bescheid über die institutionelle Landesförderung - und dabei handelt es sich bekanntlich um Steuergelder - der Öffentlichkeit offenbart und dies auch über unserer Internetseite verbreitet. Auf diese Weise geben wir m.E. genügend Einblick über unsere tatsächlichen Verbandsaktivitäten und -Strukturen.

Im vergangenen Jahr haben wir die parteipolitischen Gesprächskontakte mit den Fraktionen des Hessischen Landtags ausgelassen, um als überparteiliche Organisation nicht mit dem Landtagswahlkampf in Verbindung gebracht zu werden. Unser diesjähriges Arbeitsprogramm hat die Gespräche mit den demokratischen Parteien wieder auf der Agenda. Wir leiten dieses Engagement aus der Interessenvertretung der Vertriebenen und Spätaussiedler her. Weil wir als Verband eben im politischen Raum keine Entscheidungen zu fällen haben, sehen wir dafür in der Kontaktpflege mit den Politikern eine zulässige Einflussnahme auf die Vorbereitung von politischen Parlaments- und Regierungsentscheidungen. Dabei liegt unsere Stärke in der Kraft der Argumente, deren Würdigung dann aber ausschließlich Sache der Politik ist. Themen zu derartigen Gesprächen gibt es zuhauf. Für das jetzt laufende Jahr haben wir uns u.a. vorgenommen

Dieses vorgesehene Arbeitspensum ist keineswegs vollständig. Sie alle können uns weitere Themen mitteilen, die wir dann gerne den hessischen Politikern zu möglichen Initiativen vorstellen werden.

Aus der Fülle unserer bisherigen Aktivitäten lassen Sie mich noch ausdrücklich die hervorragende Zusammenarbeit mit dem uns angegliederten Deutsch- Europäischen-Bildungswerk hervorheben. Es wird sich inzwischen herumgesprochen haben, dass die langjährige Mitarbeiterin Frau Berta Wiest endgültig aus den Diensten dieser Einrichtung ausgeschieden ist und unser Mitarbeiter Hubert Leja in ihrer Nachfolge die ersten Erfolge verbuchen konnte. Das diesjährige Reiseprogramm steht und dürfte auch so zu verwirklichen sein. Reiseanmeldungen nimmt der Vorsitzende Georg Stolle gerne noch entgegen. Ihm möchte ich an dieser Stelle ganz besonders für seinen unermüdlichen Einsatz zum Gelingen der immer wieder interessanten Seminarreisen danken.

Der Landesvorstand hat es sich neuerlich zur Aufgabe gemacht, im Rahmen der zeitlichen Möglichkeiten intensive Kontaktgespräche mit seinen Untergliederungen und den Landsmannschaften zu führen. Ein Anfang wurde mit dem mitgliedsstärksten Kreisverband des BdV-Landesverbands, dem KV Groß-Gerau gemacht. Die entsprechende Zusammenkunft dazu fand vor kurzem statt und kann aus meiner Sicht als sehr instruktiv bezeichnet werden. Alle waren wir uns einig, dass für ein erfolgreiches Wirken des BdV in der Zukunft gemeinsames, entschiedenes Handeln an vorderster Stelle zu stehen hat. Als Landesvorsitzender danke ich allen Mitwirkenden für die sehr lebhafte, und m.E. erfolgreiche Aussprache.

Eine zweite Begegnung dieser Art hat letzten Dienstag beim BdV-Kreisverband in Bensheim stattgefunden. Darum hatte die Kreisgruppenvorsitzende der Landsmannschaft der Ostseedeutschen gebeten. In einer über zwei Stunden andauernden Aussprache ist es meinen beiden Vorstandskollegen Georg Stolle, Otto Klösel und mir endlich gelungen, eine einvernehmliche Lösung für die zukünftige Zusammenarbeit der beiden starken Vertriebenenorganisationen an der hessischen Bergstraße herbeizuführen, getreu dem Sprichwort: "Wo ein Wille, da ein Weg!".

Ich habe diese beiden Fälle erwähnt, um Ihnen zu zeigen, dass dieser Landesvorstand immer für Sie und Ihre Organisationen da ist, wenn er gerufen wird! Und so verlieren wir auch nicht den notwendigen Kontakt zu der Basis.

Jetzt noch einige Anmerkungen zu unseren diesjährigen größeren Vorhaben mit besonderer Außenwirkung:

Ich komme zum Schluss meiner Ausführungen. Sie haben feststellen können, dass ich Ihnen mit dem Inhalt meiner Rede über den vorliegenden Tätigkeitsbericht 2013 hinaus auch einige neue Gedanken und Überlegungen mitgeteilt habe. Denn ich gehe schon davon aus, dass Sie diesen Bericht bereits mehr oder weniger ausgiebig verinnerlicht haben und wir in der jetzt anschließenden Aussprache damit alle meine heutigen Aussagen und die im Bericht enthaltenen Darstellungen behandeln können. Und dafür sollten wir uns auch Zeit nehmen. Mir bleibt zunächst noch, mich bei jedem meiner Vorstandskollegen und bei Ihnen allen recht herzlich für die aktive Mitarbeit eines jeden einzelnen von ihnen zu bedanken. Und lassen Sie mich persönlich hinzufügen, die geleistete Arbeit hat uns allen doch auch überwiegend Freude bereitet.

Vielen Dank!

Foto: Erika Quaiser
Im April 2014