66. Ordentlicher Landesverbandstag des Bundes der Vertriebenen (BdV) in Wiesbaden

Premiere für Gastredner Staatssekretär Dr. Wolfgang Dippel - künftig mehr "Frauenpower"

Der hessische BdV-Landesvorsitzende Siegbert Ortmann hat am 22. März den 66. Ordentlichen Landesverbandstag des hessischen Bundes der Vertriebenen (BdV) im Haus der Heimat in Wiesbaden eröffnet. Der große Wappensaal erwies sich als beinahe zu klein, um alle Delegierten und die zahlreichen Ehrengäste aufzunehmen.

Unter den Anwesenden begrüßte Ortmann den Staatssekretär Dr. Wolfgang Dippel vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration, die Kultur- , Schul - und Migrationsdezernentin der Stadt Wiesbaden, Rose-Lore Scholz in Vertretung von Oberbürgermeister Sven Gerich, die Landesbeauftragte der Hessischen Staatsregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler Margarete Ziegler-Raschdorf, Georg Unkelbach, Leiter des Büros von Margarete Ziegler-Raschdorf, Staatsminister a.D. Florian Rentsch (FDP), Stadtverordneten Stephan Belz (SPD) und den Landes-Ehrenvorsitzenden Alfred Herold.

BdV-Präsidentin Erika Steinbach und Rudi Friedrich, vormaliger Landesbeauftragter für Heimatvertriebene und Spätaussiedler waren durch Grußworte mit der Veranstaltung verbunden. Einstimmig wurde das Verbandstagspräsidium in die Hände von Reinhard Schwarz, Dr. Herbert Küttner und Rudolf Riedel gelegt. Ungeteilte Zustimmung fand ebenso das Protokoll des Landesverbandstages 2013. Die Totenehrung sprach Helmut Seidel.

Der Erstattung des Geschäftsberichtes, der Vorlage der Jahresrechnung 2013 und des Berichts der Kassenprüfer, folgte einstimmige Entlastung des Vorstandes. Der Haushaltsplan für 2014 wurde von allen einstimmig verabschiedet. Landesschatzmeister Otto R. Klösel wurde wegen seiner umsichtigen Haushaltsplanung ganz besonders gedankt.

In einem sehr persönlich gehaltenen Grußwort wandte sich Rose-Lore Scholz an die Delegierten. Als Nachkriegskind habe sie den Verlust der Heimat nicht selbst erlebt. Gleichwohl wurde ihr Leben geprägt durch die Lebensgeschichte ihrer Eltern. Der Schmerz über den Verlust der Heimat wurde aufgefangen durch den Zusammenhalt der Vertriebenen. Gemeinsam habe die Generation ihrer Eltern im Westen Fuß gefasst. Nach und nach sei eine neue Heimat erwachsen, ohne dass die alte Heimat jemals aufgehört habe Heimat zu sein. Die Gemeinschaft der Vertriebenen sei, nach den beiden christlichen Kirchen, die mit Abstand größte Gruppe im Nachkriegsdeutschland gewesen. Der BdV habe seit damals das Schicksal seiner Mitglieder eingebettet in eine Gemeinschaft, in der die Menschen sich gegenseitig stärken, Identifikation schenken und nach dem BdV-Jahresmotto leben: "Deutschland geht nicht ohne uns".

Für Gastredner Dr. Wolfgang Dippel war die Anwesenheit eine Premiere. Kaum zum Staatssekretär ernannt, führte ihn sein erster Weg zum Landesverbandstag "zu Ihnen, für die ich im Ministerium für Soziales und Integration zuständig bin." Auf die Festlegungen im Koalitionsvertrag eingehend erklärte er, dass dadurch auch künftig eine sichere Verbandsarbeit gewährleistet sei. Diese ehrenamtliche Arbeit wäre im Grunde nicht zu bezahlen. "Wenn wir Gutes tun, müssen wir das auch in der Öffentlichkeit präsentieren, das Schlechte kommt von allein". Immer mehr gerät auch die Frauenarbeit in den Mittelpunkt: "Frauenpower werden wir in den nächsten Jahren noch viel, viel mehr erleben und unterstützen".

Landesvorsitzender Siegbert Ortmann hatte zuvor in seiner Ansprache betont, dass die Erhaltung der Zukunftsfähigkeit des Verbandes und die langfristige Anerkennung der Heimatvertriebenen, Aussiedler und Spätaussiedler mit ihren ureigenen Problemen in der Gesellschaft im Mittelpunkt seiner Arbeit steht.

"Regional hat der Landesverband eine Fülle von Aufgaben vor sich", wie Ortmann erklärte. So die Errichtung einer Gedenkstätte für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation auf dem Gelände des Hessischen Landtags in Wiesbaden und eine aktuelle Ergänzung der Dauerausstellung "Vertriebene in Hessen" im Hessenpark.

Im Vordergrund steht auch die Erweiterung des digitalen Angebotes von Hintergrundinformationen zum Thema "Flucht und Vertreibung" für Schulen und Öffentlichkeit. Ein besonderes Anliegen ist ihm auch die Teilnahme von hessischen Landespolitikern an den bevorstehenden Völkerverständigungsreisen des Deutsch-Europäischen-Bildungswerks, einer Einrichtung des BdV-Hessen und die verstärkte Einbindung der Arbeit des hessischen Landesbeirates für Vertriebenen-, Flüchtlings- und Spätaussiedlerfragen bei Regierungsentscheidungen.

Ortmann erwähnte noch die nächsten Großveranstaltungen des Landesverbandes. Für den Brauchtums-Nachmittag "Singende, klingende Heimat" am 14. Juni 2014, im Rahmen des Hessentages in Bensheim, laufen schon die Vorbereitungen. Der "Zentrale Tag der Heimat" wird gemeinsam mit dem landesweiten "Gedenktag für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation" am 14. September im Hessischen Landtag begangen. Beide Veranstaltungen werden wieder über Hessen hinaus für Aufmerksamkeit sorgen.

Schließlich stand noch die Wahl eines neuen Schriftführers im Landesvorstand an.
Durch den Tod von Hartmut Saenger war diese Stelle bis jetzt unbesetzt. Die Delegierten entschieden sich einstimmig für Norbert Quaiser.

"Ich bedanke mich bei jedem meiner Vorstandskollegen und bei Ihnen allen für die aktive Mitarbeit. Und lassen Sie mich persönlich hinzufügen: die geleistete Arbeit hat uns doch auch überwiegend Freude gemacht" so der Landesvorsitzende. Mit diesem Schlusswort und dem gemeinsam gesungenen "Lied der Deutschen" "Einigkeit und Recht und Freiheit" ging die ereignisreiche Veranstaltung zu Ende.

Text: Norbert Quaiser; Fotos: Erika Quaiser
Im April 2014