BdV-Gedenkansprache und literarischer Osterspaziergang

Begegnungsnachmittag des Bundes der Vertriebenen im Erika-Pitzer-Begegnungszentrum
Rede zum "Tag der Selbstbestimmungsrechtes"

Eine Rede zum "Tag des Selbstbestimmungsrechts" stand im Mittelpunkt des jüngsten Begegnungsnachmittags des Bundes der Vertriebenen (BdV), Ortsverband Bad Nauheim. Den "literarischer Osterspaziergang" durften die Gäste im großen Saal des Pitzer-Zentrums im Sitzen absolvieren.

"Der 4. März 1919 sei für die Sudetendeutschen ein Tag traurigen Gedenkens" führte die Egerländerin Julia Rauner in ihrer Gedenkansprache zum "Tag des Selbstbestimmungsrechts" aus. Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg sei die Tschechoslowakei gegründet worden. Bis dahin hatte es nie einen selbständigen tschechischen Staat gegeben. In dem rein deutschen Sudetenland wurde die Bevölkerung tschechisiert. Die Menschen waren nun "Tschechische Staatsbürger deutscher Nationalität" ohne Gleichberechtigung und ohne Rechte. Engstirnige Staatsmänner der Siegermächte legten damals mit solchen Zwangsmaßnahmen den Grundstein für den Zweiten Weltkrieg. So demonstrierten an jenem 4. März 1919 in Eger, Karlsbad, Falkenau, Kaaden, Komotau und anderen Städten des Sudetenlandes, friedlich und unbewaffnet die Deutschen gegen den Anschluss an die neugegründete Tschechoslowakei. Tschechisches Militär schoss auf diese wehrlosen Menschen. An diesem Tag hatte die deutsche Bevölkerung 54 Tote und mehrere hundert Verwundete zu beklagen, darunter viele Frauen und Kinder. Diesen Opfern müsse auch heute noch gedacht werden und auch daran, dass nach dem Zweiten Weltkrieg schließlich mit der Vertreibung von 3 Millionen Menschen aus ihrer angestammten Heimat, ein grausamer Schlusspunkt unter die sudetendeutsche Tragödie gesetzt wurde.

Literarischer Höhepunkt waren die Erinnerungen von Bruno E. Ulbrich an"Goethe in Wetzlar am Reichskammergericht" . Dieses war 1693 von Speyer nach Wetzlar gekommen, um die großen Rechtsstreitigkeiten zu lösen. So wie heute in Karlsruhe die entscheidenden Urteile gefällt werden, so geschah es einst in Wetzlar bis 1806, bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. An dieses Reichskammergericht wurde auch einst ein Johann Wolfgang Goethe berufen, nachdem er sein Jurastudium in Leipzig und Straßburg beendet hatte.

Er blieb zwar nicht lange dort und über seine juristische Arbeit ist auch nicht viel bekannt. Mehr weiß man über seine damaligen Gedanken. Goethe schrieb sie später so anschaulich nieder, dass sein kleines Werk "Die Leiden des jungen Werthers", bald von allen gelesen und in der Welt bekannt wurde. Goethe schrieb es 1774 in nur 4 Wochen. Anlass dazu waren die Erlebnisse in Wetzlar, Gespräche mit Bettina von Arnim und ihrem Mann und der Selbstmord von Karl Wilhelm Jerusalem am 29. Oktober 1772 in Wetzlar.

Zum Reichskammergericht hatte Ulbrich herausgefunden, dass der Aufstand der Salpeterer aus dem Hotzenwald im südlichen Schwarzwald, dort verhandelt wurde. Die Salpeterer - genannt nach ihrem ersten Anführer - waren einst stolze Bauern, die auf ihr Recht bedacht und nur dem Kaiser in Wien untertan waren. Sie wehrten sich gegen das Ansinnen des Abtes von St. Blasien, der sie zu seinen Untertanen und Leibeigenen machen wollte. Ihre Beschwerden blieben jedoch erfolglos, und die Salpeterer aus Hauenstein und Bergalingen wurden getötet, in Burgen gefangengesetzt und z.T. vertrieben bis in das Banat in Rumänien. Dieses Schicksal zeige, dass es auch in früheren Zeiten Menschen gab, die sich mit den herrschenden politischen Verhältnissen und maßgeblichen wirtschaftlichen und kulturellen Strömungen nicht abfinden wollten.

Irmgard Eckl erinnerte mit zwei selbstverfassten Gedichten, dass Ostern vor der Tür steht. "Es ist in diesen Osterwochen der Osterhas' am Eierkochen". Aber in Wirklichkeit macht er nur den feinen Pinkel, "denn Eierlegen muss das Hinkel".

Auf einen "reichen Frankfurter", den sie im Internet kennengelernt hatten, warteten Inge Vetter und Anni Appel vergeblich. Zum gleichen Thema trat der Schlesier Gerhard Christoph als "Huxtbieter"auf. Von Dorf zu Dorf suchend, soll der "Hochzeitsbieter" Mädchen zum passenden Ehemann verholfen haben. Was dann bei der Hochzeit aber schief gehen kann wenn Alkohol im Spiel ist, hatte Erwin Gröger notiert.

Hilda Grobauer erinnerte an die Vielzahl von Gründonnerstagsbräuchen im Sudetenland. Ihre Großmutter hielt die strengen Fast- und Abstinenztage noch streng ein. Einige der Gäste wussten noch, dass sie mit anderen Kindern begeistert durch ihr Dorf gezogen waren und "Grüner, grüner Donnerstag, gib uns was in den Bettelsack" gerufen hatten. "Wir freuten uns über die Buchteln und Eier" und wenn uns nichts gegeben wurde, kreischten wir zur Beschämung der Hausfrauen "Dreck, Dreck Hühnerdreck!"

Was sie früher alles in ihr Urlaubsgepäck packte und was heute drin ist, verriet Bertl Krieg.
Früher Lippenstift, Liedschatten und Puderdose, heute wollene Unterhose.
Athrosensalbe, Franzbrandwein, das muss jetzt in den Koffer rein!

Helmut Körner setzte mit seinen Gedichten "Frühlingseinzug" und "Wenn wir geboren werden" wieder literarische Akzente, bis schließlich Otmar Ruß und Norbert Quaiser mit "Kein schöner Land" das musikalische Finale einleiteten.

Text: Norbert Quaiser; Fotos: Erika Quaiser
Im April 2014