Tag der offenen Tür in der "Sudetendeutschen Oase in Hessen"

Buchvorstellungen im Institut für Kirchengeschichte von Böhmen-Mähren-Schlesien, Haus Königstein, in Nidda.
Gedenken an Ehrenmitglied Arnold Spruck

Am Samstag, dem 05.07.2014, hatte das Institut für Kirchengeschichte von Böhmen-Mähren-Schlesien zu einem Tag der offenen Tür im Haus Königstein in Geiß-Nidda eingeladen. Das "Institut der 12.000 Bände", auch als "Sudetendeutsche Oase in Hessen" gelobt, war wieder das Ziel von teilweise weit her angereisten Gästen.

Einer entschloss sich, zur Freude von Geschäftsführer Pfarrer Dr. Wolfgang Stingl, spontan zur Mitgliedschaft im Institut.

Dem im vorigen Jahr verstorbenen Ehrenmitglied Arnold Spruck galt ein Gedenken von Professor Dr. Rudolf Grulich, dem wissenschaftlichen Leiter des Instituts.

Spruck hatte sich schon früh mit der Geschichte seines Wohnortes Nidda in Oberhessen befasst und Arbeiten zur Geschichte und Kirchengeschichte Niddas und Oberhessens veröffentlicht. Schon immer hatte ihn auch Wittichenau und die Lausitz interessiert, die Heimat seiner Vorfahren. Erst nach der Wende war es ihm möglich, ihren Spuren nachzugehen. Beim Stöbern in alten Chroniken und beim Studium in alten Kirchenbüchern fand er immer neue Verbindungen und Wege, die von der Lausitz nach Böhmen führten. Zahlreiche geistliche Uronkel hatten ihre Jugendjahre im Wendischen Seminar in Prag verbracht, stellte er fest. In seinem Werk "Wittichenau und die Länder der böhmischen Krone, Geschichte einer Nachbarschaft über 760 Jahre" hat Spruck die Ergebnisse seiner außergewöhnlichen Forschungen dokumentiert. Neben anderem Nachlass aus Sprucks Wirken besitzt es jetzt einen Ehrenplatz in der Instituts-Bibliothek.

Die Vorstellung von 2 neu erschienen Büchern stand danach im Mittelpunkt der Veranstaltung, so "Sudetendeutsche Miniaturen. Böhmisch-mährische Medaillons als Festschrift zum 70. Geburtstag von Rudolf Grulich". Dabei handelt es sich um Texte aus den Mitteilungen Haus Königstein aus längst vergriffenen Auflagen. In fünf Abschnitte unterteilt, ist das Buch ein Beweis, mit welchem Herzblut Grulich die Geschichte der Sudetendeutschen unter die Lupe nimmt, aufarbeitet und dazu beiträgt, dass dieses leidvolle Geschehen, die Vertreibung der Sudetendeutschen aus ihrer Heimat, nicht in Vergessenheit gerät. Gleich in der Überschrift zum ersten Kapitel blitzt aber auch Grulichs Humor durch, wenn er das Kürzel AEIOU erklärt: "Allen Ernstes ist Österreich unersetzlich".

Mit dem Werk: Das Todesproblem in der Dichtung "Der Ackermann und der Tod", hat Walter Schwarz sich mit dem "Ackermann" beschäftigt, der ihn schon seit seiner Studienzeit begleitet. Reinhold Schneider nannte das Streitgespräch des Ackermann aus Böhmen mit dem Tod ein Trostbuch, das sich von Jahrhundert zu Jahrhundert Bewährt habe, nicht zuletzt 1946, als aus den böhmischen Ländern vertriebene Deutsche unter dem Ackermann-Namen eine Gemeinde bildeten. 2014 jährt sich der 600. Todestag des Autors Johannes von Tepl. Er ist auch unter dem Namen Johannes von Saaz bekannt. Sein Werk schrieb er nach dem Tode seiner Frau im Jahre 1400. Es gilt als der erste Höhepunkt der frühneuhochdeutschen Literatur.

Wie aktuell dieser Text auch heute ist, zeigt die Dramatisierung als Melodram durch Dusan R. Parizek, der auch das Libretto für eine Oper schrieb und die Regie bei der Uraufführung in Prag führte. Beide Werke wurden herausgegeben vom Institut für Kirchengeschichte von Böhmen-Mähren-Schlesien, e-mail: haus-koenigstein.nidda@t-online.de.

Text: Norbert Quaiser; Fotos: Erika Quaiser
Im Juni 2014