Schlesier wollen Brücken bauen zwischen den Völkern

Hessische Landsmannschaft Schlesien (Ober- und Niederschlesien) wählte Landesvorstand neu
Helmut Liewald für weitere 2 Jahre Landesvorsitzender

Mit dem Brückenbau umriss Stephan Rauhut, neuer Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien - Nieder- und Oberschlesien- e.V., die Aufgaben seines Verbandes bei der Landesgruppe Hessen auf deren Landesdelegiertenversammlung am vergangenen Samstag. Im Wiesbadener Haus der Heimat betonte er während seines ersten Besuchs bei der hessischen Landesgruppe, dass nicht nur die Schlesier Schlesien verloren hätten, sondern ganz Deutschland, bis auf einen kleinen Teil bei Görlitz. - Es müsse aber nicht verloren bleiben, denn zum einen trügen alle Schlesier ihre Heimat im Herzen, wo auch immer sie jetzt lebten, zum anderen müssten sie ihre Kultur und ihr Wissen an ihre Enkel weitergeben. Außerdem seien sie Experten für Schlesien, so sehe er es als Aufgabe der Generation der Vertriebenen, aber auch der nachfolgenden Generationen, Schlesien in einem friedlichen Europa den verbindenden Platz zwischen den Völkern zu geben, den es jahrhundertelang innehatte.

Die ersten Schritte seiner Amtszeit führten ihn nicht nur zu anderen Vertriebenengruppen, sondern er sei auch auf die demokratischen Parteien und staatlichen Stellen in Deutschland zugegangen, auch in Richtung polnischer Institutionen und solcher der deutschen Minderheit in Schlesien. Für ihn als gebürtigen Görlitzer sei der Brückenschlag ein selbstverständliches Anliegen.

Das Verhältnis zur anderen Landsmannschaft Schlesiens, die der Oberschlesier, sehe er als partnerschaftlich an. Es gehe nicht um eine Fusion; gut funktionierende Strukturen dürften nicht durch Fusion kaputt gemacht werden. Aber die Zusammenarbeit sehe er als zukunftsweisend für die Schlesier und für Schlesien.
Sein Dank galt dem hessischen Landesvorstand um den Vorsitzenden Helmut Liewald.

In seinem Rechenschaftsbericht hob Vorsitzender Helmut Liewald hervor, dass die Landesgruppe nach wie vor als einzige neben dem BdV eine hochkarätige mehrtägige Landeskulturtagung anbieten könne, die in den letzten Jahren der kürzlich verstorbene Landeskulturreferent Tore Reichenwallner (Wiesbaden) hervorragend organisiert und durchgeführt habe. Mit diesem Angebot und den vielfältigen Aktivitäten der Kreis- und Ortsgruppen bestehe die Hoffnung, dass die Kultur und Geschichte der schlesischen Heimat noch lange lebendig gehalten werden könne. Hierzu rief er zu Anstrengungen aller Schlesier in ganz Hessen auf, besonders dort, wo es noch Lücken gebe.
Begegnungsfahrten nach Schlesien fänden nicht nur im familiären und privaten Rahmen, sondern auch in Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Europäischen Bildungswerk statt.

In einer Totenehrung gedachten die Schlesier ihrer Toten, besonders des kürzlich verstorbenen Landeskulturreferenten Tore Reichenwallner (Wiesbaden), der Vorstandsmitglieder Edith Teich (Offenbach) und Karl Jöst (Lorsch) sowie des Deschowitzer Bürgermeisters Dieter Przewdszing, der als Angehöriger der deutschen Minderheit in Schlesien erst kürzlich ermordet wurde.

Finanziell steht die Landesgruppe stabil da, wie der Landesschatzmeister Gerd Reimann berichten konnte. Die Kassenprüfer bescheinigten ihm die Ordnungsgemäßheit seiner Arbeit, so konnte der Landesvorstand Hessen einstimmig entlastet werden.

Bei der Neuwahl unter der Leitung von Klaus Paetz, Niedernhausen, konnte Helmut Liewald (Frankfurt) für einstimmige Wiederwahl für die nächsten 2 Jahre danken. Zu Stellvertretern wurden Georg Stolle (Bensheim) und Albrecht Kauschat (Limburg) gewählt, der auch die Pressearbeit betreut. Als Schatzmeister fungiert weiterhin Gerd Reimann (Frankfurt) und als Schriftführer Heinz Jenke (Wiesbaden), Geschäftsführerin bleibt Ingrid Reiß (Wiesbaden). Das Kulturreferat übernimmt Gerold Schmidt (Bad Arolsen). Als Beisitzerin für Hessen Mitte-West wurde Lieselotte Krause (Offenbach) und als Beisitzer für Hessen Süd wurde Winfried Labatzke (Waldmichelbach) gewählt.

Als Ehrenvorsitzender gehört auch weiterhin Joseph Pietsch (Darmstadt) zum Vorstand. Kassenprüfer sind Joachim Juraschek und Siegfried Pleß (Offenbach), Stellvertreterin Brigitte Künzel (Frankfurt). Klaus Paetz (Niedernhausen) berichtete noch über die Aktivitäten der "Arbeitsgemeinschaft Schlesischer Trachtengruppen". Im letzten Jahr nahmen 107 Teilnehmer aus 6 schlesischen Trachtengruppen, davon 3 Gruppen bereits zum 50. Mal (1964 Beginn der Europeade), an der 50. Europeade in Gotha/Thüringen vom 17. - 21. Juli 2013 teil. In diesem Jahr findet die 51. Europeade in Kielce/Polen (Partnerstadt von Gotha/Thüringen) vom 23. - 28. Juli 2014 statt. Es werden 53 Teilnehmer aus 7 Schlesischen Trachtengruppen (aus Hessen die Tanz- und Spielschar Wiesbaden e.V. und die Schlesische Volkstanz- u. Trachtengruppe Schreiberhau Schwalmstadt) sich mit Tänzen und Gesang, für Schlesien, dort präsentieren.

Als Termine für 2014 stehen schon fest: der Tag der Vertriebenen auf dem Hessentag in Bensheim am 14. Juni, die kulturellen Sommertage des BdV Hessen vom 11. bis 14. August in Wiesbaden-Naurod und ebenso dort die Schlesischen Kulturtage vom 20. bis 23. Oktober. Der zentrale "Tag der Heimat" in Hessen fällt zusammen mit dem neuen Gedenktag für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation auf den 14. September 2014.

Für die beiden kommenden Jahre wünschte der Landesvorsitzende Helmut Liewald gute und erfolgreiche Zusammenarbeit für die schlesische Heimat, zu der nicht nur der Landesvorstand, die Kreis- und Ortsgruppen, sondern alle gebürtigen Schlesierinnen und Schlesier sowie deren Nachkommen in Hessen aufgerufen seien.

Text: Albrecht Kauschat, Pressesprecher; Fotos: Klaus Paetz, Albrecht Kauschat
Im März 2014