Bund der Vertriebenen (BdV) Kreisverband Wetzlar lud
zum "Tag der Heimat" nach Wetzlar- Büblingshausen ein

Unter dem Motto "Deutschland geht nicht ohne uns" beging der BdV-Kreisverband Wetzlar am Sonntag im Wetzlar-Büblingshäuser Bürgerhaus den "Tag der Heimat".
BdV-Kreisvorsitzender Manfred Hüber erinnerte an das Unrecht der Vertreibung und kritisierte, dass die Benesch-Dekrete heute noch gelten.
Festredner Dr. Christean Wagner rief dazu auf, sich immer wieder zu unserer Heimat zu bekennen.

In seiner Eröffnungsrede sagte Hüber, dass nach dem Festakt im Hessischen Landtag anlässlich des 1. Hessischen Gedenktages für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation in Verbindung mit dem "Zentralen Tag der Heimat 2014" nun Kreis- und Ortsverband Wetzlar die diesbezügliche regionale Veranstaltung für das Jahr 2014 abhalten.

Er verwies darauf, dass die Heimatvertriebenen den Aufbau Deutschlands und die Politik mitgeprägt hätten. Unvergessen seien die Persönlichkeiten, welche die junge Demokratie beeinflusst hätten, wie Paul Löbe (SPD) aus Schlesien, Kurt Schumacher (SPD) und Rainer Barzel (CDU) aus Ostpreußen sowie Erich Mende (FDP) aus Oberschlesien.

Der CDU-Politiker Volker Kauder besitze elterliche Wurzeln in der Batschka und die des SPD-Ministers Sigmar Gabriel lägen sowohl in Schlesien als auch in Ostpreußen.
Auf hessischer Seite erinnerte er an die beiden Minister Gustav Hacker, Gotthard Franke und Staatssekretär Dr. Walter Preißler. Auf hiesiger kommunaler Ebene sei an den Stadtrat und Kreistagsabgeordneten Georg Moeller von der Gesamtdeutschen Partei/BHE und den Kreistagsabgeordneten Max Mura, der später für die CDU wirkte, zu denken. Auch der Gründer der Wetzlarer Patenschaft für das Ostdeutsche Lied, Edgar Hobinka sei zu erwähnen.

Für die katholische Kirche verwies er auf den ehemaligen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Robert Zollitsch, ein Donauschwabe und den Schlesier Kardinal Joachim Meissner. Die Wirtschaft gestalten akfuell VW-Chef Martin Winterkorn und der Verleger Herbert Fleißner als Vertriebene oder deren Nachkommen mit.

Hüber erinnerte an das große Unrecht der Vertreibung und beklagte, dass die Benesch-Dekrete immer noch Gültigkeit hätten. Während der kulturellen Sommertage im Vormonat hatte dazu Dr. Capek von der Universität Pardubitz gesagt, "jeder tschechische Politiker, der ihre Abschaffung fordere, sei politisch tot". Der aus Tschechien stammende ehemalige deutsche Bundestags- und Europaabgeordnete Milan Horacek, hatte beim 1. Hessischen Gedenktag für Vertriebene, Flüchtlinge und Deportierte am letzten Sonntag im Hessischen Landtag gesagt, dass "die Benesch-Dekrete eines Tages in den Mülleimer der Geschichte kommen werden". Der christlich-demokratische tschechische Kultusminister Hermann hatte kürzlich die Ansicht vertreten, dass die Aussöhnung noch Jahrzehnte dauern würde. Die drei oben genannten Persönlichkeiten sind Freunde der Sudetendeutschen, so Hüber und beurteilen wahrscheinlich die Entwicklung realistisch. Die Benesch-Dekrete stehen einer Versöhnung im Wege und hätten längst abgeschafft werden müssen.

Bevor Hüber zur Begrüßung der Gäste kam, sprach Kuno Kutz, Vorsitzender der Wetzlarer Kreisgruppe der Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen in Hessen, zugleich Vorsitzender des BdV-Ortsverbandes Wetzlar, ein eindrucksvolles Totengedenken.

Hocherfreut zeigte sich Hüber über die lange Liste der Ehrengäste. So begrüßte er herzlich den Bezirksdekan Pfarrer Dr. Christof May, den Landtagsabgeordneten Hans-Jürgen Irmer, stellv. Fraktionsvorsitzender der CDU und Vorsitzender des Landtags-Unterausschusses für Heimatvertriebene, Flüchtlinge, Aussiedler und Wiedergutmachung und Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion, die stellvertretende Kreistagsvorsitzende Nicole Petersen, als Vertreterin der Kreistagsvorsitzenden Elisabeth Müller, Landrat Wolfgang Schuster, und den stellv. Landrat a. D. und Vorsitzenden der FWG Lahn-Dill e. V. Wolfgang Hofmann. Ferner die Kreistagsabgeordneten Michael Hundertmark, Heike Ahrens- Dietz, Günter Jackel, Sascha Knöpp, Frank Steinraths, Dieter Steinruck und Edgar Luh.

Fürs Kommen dankte Hüber auch Stadtrat Karlheinz Kräuter, Stadträtin Ruth Viehmann, Birgit Sturm, ehemalige Bürgermeisterin der Stadt Leun, Dr. Horst Engel, Leiter des Karlsbader Archivs und Museums in Wiesbaden mit seiner Frau, Gerhard König, Leiter der Patenschaft der Stadt Wetzlar für das "Ostdeutsche Lied" und Karl Oskar Henning von der Wetzlarer Neuen Zeitung.

Sein besonderer Gruß galt dem Hauptredner Dr. Christean Wagner. "Sie wurden in Königsberg / Ostpreußen geboren und sind heute stellv. Landesobmann Ostpreußen in der Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen, Landesgruppe Hessen, Vorstandsmitglied der Stadtgemeinschaft Königsberg und Vorsitzender des Fördervereins Kloster Altenberg. Sie waren u. a. Hessischer Kultusminister von 1987 bis 1991 und Hessischer Minister der Justiz von 1999 bis 2005 und anschließend bis Januar 2014 Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion. Als Hauptredner bei einem früheren Tag der Heimat in Wetzlar haben wir Sie in guter Erinnerung" stellte Hüber Dr. Wagner den Gästen vor.

In seiner Festansprache rief Christean Wagner dazu auf, "sich immer wieder zu unserer Heimat zu bekennen" und deren historische und kulturelle Werte in das heutige Gesellschaftsleben einzubringen. Wagner erinnerte an die hohe Integrationsleistung der westdeutschen Gesellschaft bei Kriegsende, als 13 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene eine neue Bleibe gesucht hätten. Allein die hessische Bevölkerung habe im Zuge dieser Völkerwanderung um ein Drittel zugenommen, bewundernswert sei nicht zuletzt auch die Leistung der Vertriebenen beim Aufbau der deutschen Wirtschaft. Darauf ging Landrat Schuster ein, als er "den hervorragenden Beitrag" der 20 000 Flüchtlinge im Gebiet des heutigen "Lahn-Dill-Kreises" bei der Entwicklung der Region würdigte. Ohne ihren Fleiß und ihr gutes Wissen hätten wir nichts umsetzen können.

Irmer gab seiner Genugtuung darüber Ausdruck, dass in Hessen neben Bayern und Sachsen der "Tag der Heimat" ein offizieller Gedenktag sei und "ein Zeichen der Solidarität mit den Heimatvertriebenen" darstelle. Im Reigen der Grußworte führte Bezirksdekan May aus, dass die bestehende katholische Gemeinschaft in der Region nicht ohne Zuzug der Vertriebenen denkbar sei. Vor dem Krieg habe es dort lediglich zwei katholische Gotteshäuser gegeben, mittlerweile gebe es im Bezirk 22 katholische Kirchen.

Das vorzüglich zusammengestellte "Beiprogramm" stellte einen guten Kontrast zu den politischen Aussagen des Gedenktages dar. So sorgten die " Wetzlarer Musik Senioren", unter Leitung ihres Dirigenten Hampel, immer wieder für neue musikalische Höhepunkte. Chorgesang auf höchstem Niveau boten der "Union-Chor Wetzlar 1873" und der "Sängerchor Lahngruß 1908 Wetzlar" unter Leitung von Dr. Matthias Zipp. Viel Beifall bekamen die von Frau Ramisch einstudierten Auftritte der "Egerländer Gmoi Dillenburg". Die Gesangsgruppe "Stimme der Hoffnung" der Kreisgruppe der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland unter der Leitung von Frau Swetdonenko beeindruckte die Gäste mit meisterhaften Liedvorträgen.

Der gemeinsame Gesang der deutschen Nationalhymne "Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland" und des Volksliedes "Kein schöner Land in dieser Zeit", beschloss die eindrucksvolle Festversammlung.

Text: Norbert Quaiser; Fotos: WNZ
Im September 2014