Erholung am Meer

Entstehung der Seebäder an der Ostsee

Ausstellung im Wiesbadener Haus der Heimat

Am 28.04.15 eröffnete Otmar Schmitz, Landeskulturreferent des Landesverbandes des Bundes der Vertriebenen (BdV) Hessen, im Beisein der Landesbeauftragten der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Margarete Ziegler-Raschdorf, und zahlreicher Gäste im Wiesbadener Haus der Heimat die Ausstellung " Zoppot, Cranz, Rigaer Strand - Ostseebäder im 19. und 20. Jahrhundert". Inhalt und Bedeutung dieser vom Herder-Instituts Marburg in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kulturforum östliches Europa und dem Lehrstuhl für Geschichte Osteuropas an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) konzipierte Wanderausstellung wurde den Besuchern der Ausstellung von Christina Gorol, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Herder Institutes Marburg, vorgestellt.

Das Baden im Meer war schon lange bekannt, bevor um 1800 die ersten Seebäder an der Ostseeküste entstanden, - zunächst ohne Comfort mit einfachen Badekarren und Kaltbädern. Die Badeinrichtungen dienten der Heilung verschiedener Krankheiten, aber von Beginn an auch der Erholung und Unterhaltung. Schnell entwickelte sich die Infrastruktur der Bäder, Warmbadeanstalten entstanden, die Seestege wuchsen immer gewaltiger ins Meer. Spätestens mit dem Aufkommen der Eisenbahn wurden aus den ehemals kleinen Fischerorten Unterhaltungszentren, in denen sich die "Welt" traf. Im Laufe der Jahre entwickelte sich so eine spezifische Badekultur.

Daneben zog auch die Faszination der Meereslandschaften zahlreiche Besucher an die Ostseeküste. Schon im 18. Jahrhundert hatten Romantiker das Meeresufer als privilegierten Ort metaphysischer Naturerfahrung entdeckt. So auch Caspar David Friedrich (1774-1840), der sich ab 1801 häufi g auf der Insel Rügen aufhielt und bei Spaziergängen am Meer sowie Gratwanderungen über die steilen weißen Kreidefelsen Skizzen anfertigte, welche die Grundlage für seine Gemälde bildeten. Auch Schriftsteller wie Gerhart Hauptmann (1862-1946), Maxim Gorki (1868-1936), Lyonel Feininger (1871-1956), Thomas Mann (1875-1955) und Max Pechstein (1881-1955) ließen diese Landschaften Teil ihrer Romane und Erzählungen werden. Zugleich wurden Ansichtskarten mit den Abbildungen von Brandung, Strand, Küste, Felsen sowie Sonnenuntergängen zu Objekten massenhafter Verbreitung.

Bei der Ausstellung stehen die Themenbereiche Landschaft und allgemeine Geschichte, Gestaltung des Raumes, Badegäste, Freizeitgestaltung und Unterhaltung sowie Bäderarchitektur in den aufeinander folgenden Zeitperioden - 19. Jahrhundert, Zwischenkriegszeit und Zeit des Nationalsozialismus, des Sozialismus/Kommunismus sowie nach der politischen Wende - im Vordergrund. So werden die Unterschiede und die Gemeinsamkeiten der drei Badeorte Zoppot/Sopot, Cranz/Selenogradsk und Rigaer Strand/Jurmala an der südlichen Ostseeküste präsentiert. Ein besonderer Fokus liegt jedoch auf der Entwicklung der Badekultur im 19. Jahrhundert. Das Ausstellungskonzept und Texte dazu stammen von PD Dr. Habil. Olga Kurilo.

Die Ausstellung ist für Besucher vom 28.04. bis 13.06.15, montags bis freitags von 14.00 bis 19.00 Uhr und samstags von 10.00 bis 14.00 Uhr im Haus der Heimat, Friedrichstr. 35, kostenfrei zu besichtigen.

Text: Helmut Brandl; Fotos: Hubert Leja
Im Juni 2015