Hessische Delegierte bestätigen Siegbert Ortmann in seinem Amt

Dr. Bernd Fabritius für "Modernisierungskurs" beim 67. Landesverbandstag in Wiesbaden

Die Delegierten des Landesverbandes des Bundes der Vertriebenen (BdV) Hessen aus den Kreisverbänden und Landsmannschaften trafen sich Ende März beim 67. Landesverbandstag im Wiesbadener Haus der Heimat zur Neuwahl des Landesvorstandes.

BdV-Landesvorsitzender Siegbert Ortmann konnte neben den aus ganz Hessen angereisten Delegierten auch zahlreiche Ehrengäste begrüßen: Vom Stadtparlament Wiesbaden Stadtverordnetenvorsteher Wolfgang Nickel, Bürgermeister Arno Goßmann, die Stadtverordneten Jan Vollkammer SPD), Bernhard Lorenz (CDU) und Andreas Waldeck (Bündnis 90/Die Grünen), Thomas Bach vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration sowie die Landtagsabgeordneten Hans-Jürgen Irmer und Ulrich Caspar vom Unterausschuss für Heimatvertriebene, Aussiedler, Flüchtlinge und Wiedergutmachung (HAFW), außerdem den ehemaligen Landesbeauftragter für Heimatvertriebene und Spätaussiedler Rudolf Friedrich sowie den Ehrenvorsitzenden des BdV-Landsverbandes Hessen Alfred Herold. Ein besonderer Willkommensgruß galt dem im vergangenen Herbst neu gewählten BdV-Präsidenten Dr. Bernd Fabritius als Nachfolger von Erika Steinbach.

Stadtverordnetenvorsteher Wolfgang Nickel überbrachte die Grüße des Parlaments der Landeshauptstadt Wiesbaden. In seinen Grußworten unterstrich er das gute Miteinander der Stadt Wiesbaden mit den Heimatvertriebenen und lobte die großen Leistungen der Vertriebenenverbände bei der gemeinsamen Bewältigung der Integrationsaufgaben nach Ankunft in Hessen, den Versöhnungswillen mit den östlichen Nachbarn sowie das stete Bemühen um die Bewahrung von Kultur und Brauchtum der verschiedenen Heimatgebiete der Vertriebenen.

Bürgermeister Arno Goßmann richtete Grüße an die Delegiertenversammlung auch im Namen des Wiesbadener Oberbürgermeisters Sven Gerich. In seinen Grußworten führte er aus: "Ohne Sie wäre Wiesbaden ärmer gewesen. Das ist das größte Kompliment, das man dem Vertriebenenverband, diesen Menschen, machen kann. Sie haben diese Stadt enorm bereichert: kulturell, aber auch durch die Arbeitskraft, indem man diese Stadt gemeinsam wiederaufbauen konnte."

Die Landesbeauftragte der Hessischen Landsregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Margarete Ziegler-Raschdorf, und der Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokratischen Fraktion im Hessischen Landtag, Thorsten Schäfer-Gümbel, übersandten Grußworte, in denen die partnerschaftliche Zusammenarbeit gewürdigt wurde.

Dr. Fabritius bedankte sich beim Landesvorsitzenden Siegbert Ortmann für die Einladung zum 67. Landesverbandtag im Wiesbadener Haus der Heimat und überbrachte die besten Grüße des BdV-Präsidiums. Dabei nutzte der neue BdV-Präsident in einer programmatischen Rede, Inhalt und Ziele seiner künftigen Arbeit zu erläutern:

"Es ist für mich eine gute Gelegenheit, gerade mit Delegierten aus allen hessischen Kreisverbänden und Landsmannschaften ins Gespräch zu kommen. Grundlage jeder vertrauensvollen Zusammenarbeit ist nicht zuletzt, sich kennen zu lernen. Das schafft Team-Geist und Zusammenhalt. Genau dem dient dieser Bezug und auch das Gespräch. Wir sind ganz besonders stark und erfolgreich als BdV, wenn wir uns selbst stark ziehen, und am besten noch in die gleiche Richtung. Durch Geschlossenheit entwickeln wir zusätzliche Strahlkraft in die Kreisverbände, in die Kreisgruppen hinein. Gleichzeitig entfaltet eine solche Mannschaft Strahlkraft nach Außen." Er lobte die gute Dialog-Plattform des BdV-Landesverbandes zur hessischen Landesregierung, speziell auch beim jährlichen Neujahrsempfang. Einen besonderen Stellenwert seiner Ansprache hatte der seit kurzem eingeschlagene "Modernisierungskurs" des BdV-Bundesverbandes. "Nun mag der erste Gedanke sein, was sich fortschrittlich anhört, kann doch nicht schlecht sein. Dem folgt aber der zweite Gedanke: Fortschrittlichkeit darf aber nicht alles über Bord werfen, was bisher gültig gewesen ist. - Diesen Spagat muss der BdV leisten". Dr. Fabritius warb bei seinen Ausführungen für den neuen Internet-Auftritt des Bundesverbandes und lud die Anwesenden ein, den Dialog nach Innen und ganz besonders nach Außen mit neuen Kommunikationstechniken zu wagen. Ein ganz besonderer Dank galt der derzeitigen Bundesregierung für die Einführung des bundesweiten Gedenktages am alljährlichen Weltflüchtlingstag und forderte in diesem Zusammenhang Solidarität und Empathie mit den Kriegsflüchtlingen dieser Tage. Er erinnerte daran, dass auch die deutschen Heimatvertrieben bei ihrer Ankunft nicht überall willkommen geheißen wurden. In seinen weiteren Ausführungen ging Fabritius auch auf die kürzlich verabschiedeten Satzungsänderungen bei der 15. Bundesversammlung der Sudetendeutschenlandsmannschaft in München ein. Sie waren nach seinen Worten das Verständnis auf Befindlichkeiten unseres Nachbarlandes Tschechien: "Auch wenn die Ergebnisse der Bundesversammlung für den einen oder anderen ein schwer zu akzeptierender Schritt gewesen sein mag, so führt daran sicher kein Weg vorbei." Anstelle der Änderung derjenigen Paragraphen hinsichtlich "Wiedergewinnung der Heimat" setze man sich für die weltweite Durchsetzung aller Menschen- und Grundrechte ein; dazu gehöre selbstverständlich auch das Recht auf Heimat sowie das Selbstbestimmungsrecht der Völker und Volksgruppen. Der Reformkurs des Sprechers der Sudetendeutschen entspräche der Linie des BdV und wird von ihm sehr begrüßt. "Unter diesen neuen Voraussetzungen sollte auch in der Tschechischen Republik ein korrespondierender Dialog beginnen, der dort noch offene Fragen wie die Benesch-Unrechtsdekrete im Sinne heutiger europäischer Wertekultur löst." Dr. Fabritius dankte allen, die sich für die Arbeit und die Energie in den Verbänden und Landsmannschaften einsetzen. "Das ehrenamtliche Engagement ist eine unverzichtbare Voraussetzung dafür, dass wir etwas erreichen." Ohne die Hilfe und die stetige Arbeit vieler vor Ort wären viele Themenfelder des BdV längst von der Oberfläche verschwunden.

Bei den anschließenden Neuwahlen des Landesvorstandes bestätigten die Delegierten aus den hessischen Kreisverbänden und den einzelnen Landsmannschaften den jetzigen Landesvorsitzenden Siegbert Ortmann in seinem Amt. Zu seinen Stellvertretern bzw. Stellvertreterin wurden Manfred Hüber, Georg Stelle und Brigitte Sattler gewählt.

Zu Beginn seines Tätigkeitsberichtes erinnerte der BdV-Landesvorsitzende Siegbert Ortmann daran, dass er bei seiner Wahl im Frühjahr 2012 zum Landesvorsitzenden gefordert habe, der Verband müsse sich von dem etwas verstaubten Image befreien, um sich so als lebendige, gesellschaftlich relevante Gruppe in der Gesellschaft darstellen und überleben zu können. Er verwies dabei auf die vom BdV-Präsidenten vorher gemachten Ausführungen. Diese Auffassung führte zur Veröffentlichung "seiner drei Standbeine", einer Art Regierungserklärung, die inzwischen ein breites Interesse geweckt habe. Dies sind: Aktivitäten wieder das Vergessen und Wissen um die geschichtliche Wahrheit, Erinnerungskultur in Bezug auf Tradition, heimatliches Brauchtum und zielgerichtete Fortentwicklung sowie Initiative auf Dialog mit den östlichen Nachbarn mit Blickrichtung zu gutnachbarlichen Beziehungen und echter dauerhafter Versöhnung in der europäischen Wertegemeinschaft. Ortmann lobte die gute Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Europäischen-Bildungswerk unter der Führung seines Stellvertreters Georg Stolle. "Die ständigen Kontakte mit den politischen Instanzen in unserem Land und damit die Schaffung eines guten Klimas mit politischen Parteien und seinen Repräsentanten. Ohne diesen Kontakt haben wir in der Zukunft keine Chancen." Die Nachhaltigkeit unserer Arbeit müsse auf allen politischen Ebenen immer wieder nachgewiesen werden. Auf den Tätigkeitsbericht 2014 mit Nachtrag eingehend, verwies der Landesvorsitzende auf die sehr detailliert dokumentierten Referatsberichte, die die Arbeit des Landesverbandes widerspiegeln.

Text und Fotos: Helmut Brandl
Im März 2015