Gedenken an 70 Jahre Vertreibung

Feierstunde am alten Friedhof in Flörsheim am Main

Flörsheim: Der BdV-Kreisverband Main-Taunus und der BdV-Stadtverband Flörsheim hatten am vergangenen Samstag zu einer Gedenkfeier an die Vertreibung vor 70 Jahren auf den alten Friedhof in Flörsheim am Main geladen. Neben rund 100 Besuchern konnte BdV-Ortsvorsitzender Wenzel Woller als Ehrengäste u.a. Landrat Michael Cyriax, Bürgermeister Michael Antenbrink und den BdV-Landesvorsitzenden Siegbert Ortmann (Lauterbach) begrüßen. Und dies geschah vor dem blumengeschmückten Mahnmal mit der Aufschrift "Den Toten der Heimat, den Opfern von Flucht und Vertreibung 1945-1946" und gab damit der Veranstaltung eine besonders eindrucksvolle Kulisse. Und so erinnerte sich der BdV-Ortsvorsitzende zu dieser Aufschrift am Ende seiner Begrüßungsworte als selbst Betroffener mit dem Ausspruch "Wer das damals erlebt hat, wird das nie vergessen". In seiner Ansprache ging der BdV-Landesvorsitzende in einer Art "Dreiteiler" auf die geschichtliche Wahrheit über das Vertreibungsverbrechen nach dem 2. Weltkrieg, der sich für unsere Gesellschaft daraus ergebenden mahnenden Erinnerungskultur wider das Vergessen sowie der notwendigen Bereitschaft zur Verständigung für eine dauerhafte Versöhnung mit den östlichen Nachbarländern, ein. "Wir wissen aus eigener Erfahrung, dass der Gedanke der Verständigung und Versöhnung nur dort wachsen und gedeihen kann, wo Probleme der Vergangenheit und Gegenwart aufgearbeitet werden", so Ortmann und fügte hinzu, dass nur auf dieser Basis sich Brücken bauen ließen für eine gute und friedliche Zukunft, wie dies der Bund der Vertriebenen mit seinen Landsmannschaften seit Jahrzehnten erfolgreich praktiziere. Zu der aktuellen Flüchtlingssituation merkte der BdV-Landesvorsitzende an, dass es eine besondere Herausforderung sei, den heutigen Opfern solidarisch zu helfen und ihnen mit Menschlichkeit zu begegnen. Im übrigen würden vor allem die Heimatvertriebenen der Erlebnisgeneration an das erinnert, was sie selbst erlebt hätten. Auch Landrat Michael Cyriax (CDU) und Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD) gingen bei ihren Grußworten auf die jetzt in Deutschland ankommenden Flüchtlingsströme ein, die allerdings nicht mit der Situation der vertriebenen Deutschen nach Ende des Zweiten Weltkriegs vergleichbar seien, weil damals die gemeinsame Sprache und Kultur die Menschen verbunden habe.

Die würdige, musikalische Umrahmung der Gedenkfeier gestalteten der Gesangverein "Sängerbund" unter Leitung von Solveig Wagner.

Text und Foto: Siegbert Ortmann
Im September 2015