30 Jahre Ostseedeutsche Landsmannschaft hessische Bergstraße

Die Erinnerung darf nicht verloren gehen

Vor 30 Jahren schlossen sich die Ostseedeutschen, die heute an der Bergstraße leben, zu einem Verein zusammen. Am 17.10.15 wurde Jubiläum gefeiert.

14 Millionen Menschen flohen am Ende des Zweiten Weltkrieges aus den deutschen Ostgebieten, der Tschechoslowakei und Ungarn und suchten im zerbombten Westen eine Zukunft. Auch ein Viertel der Bergsträßer Bevölkerung hat hier seine Wurzeln. Landsmannschaften verweisen auf ihre Herkunft. Hans-Ulrich Karalus gründete mit zehn weiteren Initiatoren den Verein, dem heute Brigitte Sattler vorsteht. Sie begrüßte die Gäste zu den Jubiläumsfeierlichkeiten im Bensheimer Goethe-Gymnasium, darunter Bundestagsabgeordneten Michael Meister (CDU), selbst Gründungsmitglied, der den Festvortrag hielt.

Ein Ziel der Landsmannschaft der Ostseedeutschen im Bund der Vertriebenen sei es, das Kulturgut der Landsleute, die Ende des Zweiten Weltkriegs aus West- und Ostpreußen, Danzig und Pommern zur Flucht gezwungen wurden und an der Bergstraße eine neue Heimat gefunden haben, zu pflegen und der Bevölkerung näherzubringen. Das machte Vorsitzende und Gründungsmitglied Brigitte Sattler bei der Jubiläumsfeier deutlich.

Neben der "Preußischen Tafelrunde" würden Reisen in die alte Heimat unternommen, aus denen sich bereits Freundschaften entwickelt haben. Seit der Öffnung des Eisernen Vorhangs wird viel geholfen, etwa beim Bau von Wasserleitungen oder der Versorgung von Bauern mit landwirtschaftlichen Geräten und Saatgut. Auf die Initiative von Gründer Hans-Ulrich Karalus geht die Partnerschaft der Kreise Bergstraße und Polessk/Labiau zurück.

"Eine Brücke nach Polen zu bauen war unser Ziel - und das ist uns gut gelungen", so die Vorsitzende. "Vertreibungen gab es schon immer", sagte Sattler mit Blick auf die gegenwärtige Flüchtlingswelle. Dass auch der Ansturm der Vertriebenen aus dem Osten ehemals Ängste bei den Einheimischen ausgelöst habe, stellte sie nicht infrage. "Aber Neuankömmling haben immer auch die Gesellschaft bereichert".

Meister erinnerte daran, dass der Schrecken von Tod und Zerstörung mit Kriegsende nicht ausgestanden war. Flucht, Zwangsarbeit und Deportationen folgten. "Was damals geschehen ist, ist Teil der deutschen Geschichte", sagte der Bundestagsabgeordnete und forderte dazu auf, die Trauer wachzuhalten, aber die notwendigen Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Die Erinnerung dürfe nicht verloren gehen und das erlittene Leid bedürfe einer Anerkennung, um Frieden mit dem eigenen Erleben schließen zu können.

Im Kreis Bergstraße kamen seinerzeit verstärkt Sudetendeutsche und Schlesier an. Nur wenige kamen aus West- oder Ostpreußen. Doch auch ihnen wollte Hans-Ulrich Karalus eine Stimme geben und gründete die Landsmannschaft. Meister hob aus der Vielzahl an Aktivitäten im Laufe der drei Jahrzehnte die "Preußischen Tafelrunden" hervor, die Persönlichkeiten wie Immanuel Kant oder Käthe Kollwitz in den Fokus rückten.

Im Zuge der Osterweiterung der Europäischen Union konnte eine stärkere Verflechtung mit den heute in den Vertreibungsgebieten lebenden Menschen wachsen. Dass die Verständigung über die Geschichte ein wichtiges Kapitel in der Tätigkeit im Bund der Vertriebenen (BdV) bleiben wird, ließ Landesvorsitzender Siegbert Ortmann wissen.

Landrat Christian Engelhardt (CDU) unterstrich, dass die Geschichte der Vertreibung nicht in Vergessenheit geraten dürfe. Er schlug den Bogen zur aktuellen Flüchtlingswelle. So werden 1000 Asylbewerber in Viernheim erwartet, die - anders als nach dem Zweiten Weltkrieg - aus einem kulturellen Raum mit anderen Traditionen stammen.

Bensheims Stadtverordnetenvorsteherin Carola Heimann (CDU) zog die von Hass geprägte Situation in Israel heran und schlussfolgerte: "Sie sind in der Landsmannschaft auf dem richtigen Weg". Europaabgeordneter Michael Gahler (CDU) sprach der EU eine große Bedeutung im Friedensprozess zu. Sie habe Menschen zusammengebracht und versöhnt.

Besondere Akzente im Festakt setzte die Musik. Der Chor der Deutschen aus Russland sang, Vera und Miriam Wijtek brachten ein Duett von Klavier und Geige zu Gehör. Am Rande der Veranstaltung zeigte eine Ausstellung Bilder vom prachtvollen Bernsteinzimmer.

Text: Redaktion Starkenburger Echo; Fotos: Ostseedeutsche Landsmannschaft Bergstraße
Im November 2015