Zentrale Veranstaltung zum Tag der Heimat in Wiesbaden

Europa muss frei und unvoreingenommen mit dem Thema Vertreibung umgehen

Bei strahlendem Herbstwetter fand im Biebricher Schloss in Wiesbaden, der "guten Stube" Hessens, die 4.zentrale Veranstaltung zum Tag der Heimat statt. Hauptredner war der Hessische Ministerpräsident Roland Koch. Die Teilnehmer an der Veranstaltung wurden vor dem Biebricher Schloss von der Hochlandkapelle unter Leitung von Dieter Wistuba mit heimatlichen Klängen begrüßt. Aus ganz Hessen waren Vertriebene gekommen, um am zentralen Tag der Heimat teilzunehmen.

Tag der Heimat keine Jubelveranstaltung

Bei der Begrüßung hob der Landesvorsitzende des Landesverbandes Hessen des Bundes der Vertriebenen, Alfred Herold, hervor, der Zweite Weltkrieg habe die Welt und Europa entscheidend verändert. Mehr als 15 Millionen Menschen wurden gezwungen, teilweise unter Gewalt, ihre angestammte Heimat zu verlassen. Deshalb könne der Tag der Heimat keine "Jubelveranstaltung" sein, sondern ein "Bekenntnis zu unseren Heimatgebieten" und ein "Erinnern" an die dunkelsten Stunden der Geschichte unseres deutschen Vaterlandes.

"Doch bei allem Leid, das uns und auch anderen Völkern widerfahren ist, gilt das Wort: ""Die Zukunft gehört den Handelnden und nicht den Klagenden", fuhr der Landesvorsitzende fort.

Zu der Veranstaltung war zahlreiche politische Prominenz gekommen. Landesvorsitzender Alfred Herold begrüßte besonders den Präsidenten des Hessischen Landtags, Norbert Kartmann (CDU), selbst Vertriebener, Ministerpräsident Roland Koch (CDU), die hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger (CDU), den Landesbeauftragten der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, "unseren Landsmann" Rudolf Friedrich, die Stadtverordnetenvorsteherin von Wiesbaden, Angelika Thiels (CDU), den Vorsitzenden der CDU Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung von Wiesbaden, Bernhard Lorenz, in der Vertretung von Oberbürgermeisters Hildebrand Diehl, Stadträtin Helga Skolik (CDU). Vom Hessischen Landtag nahmen die Abgeordneten Rudi Haselbach (CDU), Dr. Franz Jung (CDU), Armin Klein (CDU), Marco Pighetti, (SPD) und Florian Rentsch (FDP) teil. Ein Grußwort hatte die CDU- Bundestagsabgeordnete Kristina Köhler geschickt.

Mit sehr großem Beifall wurden der Hessische Ministerpräsident Roland Koch und die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, empfangen. Als Vertreter des Hessischen Rundfunks nahm Fernsehdirektor Alois Theisen teil.

Von kirchlicher Seite waren Ehrendomherr Pfarrer Karl Kindermann und Geistlicher Rat, Pfarrer Dr. Wolfgang Stingl, gekommen.

Von der Ackermanngemeinde begrüßte Herold den Landesvorsitzenden Rudi Krämling und vom Hessischen Sozialministerium Dr. Walter Kindermann, Udo Röther und Georg Unkelbach.

Koch für Errichtung des Zentrums gegen Vertreibungen in Berlin

Der Hessische Ministerpräsident Roland Koch beleuchtete in seiner von großem Beifall unterbrochen Rede Vergangenheit und Zukunft. Mit Blick auf die heutigen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse rief er dazu auf, nicht zu resignieren.

Er zog Parallelen zu der Zeit vor 60 Jahren. Viele hätten damals keiner gesicherten Zukunft entgegengesehen. Die Menschen meisterten aber die an sie gestellte Herausforderungen. Mit Bereitschaft zur Verantwortung, Mut, Kraft und Entschlossenheit hätten sie Hessen gemeinsam aufgebaut. Darauf könnten heute alle stolz sein.

Der Hessische Ministerpräsident ergriff Partei für die Errichtung des Zentrums gegen Vertreibungen in Berlin. Vertreibung bezeichnete er als ein Phänomen. Dieses Thema sei nicht in der Geschichte abgeschlossen, sondern es bleibe weiterhin eine Herausforderung.

Koch forderte ein freies und selbstbewusstes Europa, das objektiv mit der Vergangenheit umgehe. Es müsse auch mit den östlichen Nachbarn über die Vertreibung gesprochen werden. Allerdings gebe es diesbezüglich noch Voreingenommenheit. Bei Gesprächen mit tschechischen Spitzenpolitikern dürften die Benesch-Dekrete nicht ausgeklammert werden.

Die Diskussion um das Zentrum gegen Vertreibungen könne nicht einer Minderheit überlassen werden. So schaffe man Raum zur Missinterpretation. Koch vermisste, dass vielfach die Bereitschaft fehle, gelassen und selbstbewusst mit dem "Zentrum gegen Vertreibungen" umzugehen. Er forderte, das Zentrum müsse von allen politischen Kräften unterstützt werden. Man solle hier auch einmal über den eigenen Schatten springen. An die junge Generation gewandt führte der Ministerpräsident aus, sie müsste ein eigenes selbstbewusstes Verhalten zur eigenen Geschichte Deutschlands haben.

Dem Bund der Vertriebenen bescheinigte der Hessische Ministerpräsident ein vorwärts gerichtetes Verhalten. Den Vertriebenenverbänden sei die Aufgabe gestellt, die Zukunft mit der Vergangenheit zu verbinden. Es komme darauf an, dass die Geschichte der Vertriebenen wach gehalten werde. Weiter lobte er die Solidarität mit den Russlanddeutschen.

Abschließend dankte Koch den Vertriebenen für die Aufbauleistung. Besonderen Dank sprach er weiter den Landesbeauftragten für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Rudolf Friedrich, aus.

BdV-Präsidentin Erika Steinbach:
"Wir wollen die Geschichte nicht umschreiben"

In ihrem Grußwort zitierte die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, Eugen Lemberg, der durch die Aufnahme der Vertriebenen von einem "neuen Volk" sprach, das in Deutschland entstanden sei. Frau Steinbach stellte die Brückenfunktion der Heimatvertriebenen zu den östlichen Nachbarn heraus.

Heftige Kritik übte die Präsidentin des BdV an der Achse Berlin-Warschau.

"Wir wollen die Geschichte nicht umschreiben", wandte sie sich an die Kritiker des Zentrums gegen Vertreibungen. Offensichtlich fürchte man die Wahrheit. Auch kirchliche Kreise müssten sich mit der Wahrheit auseinandersetzen.

Der Präsident des Hessischen Landtags, Norbert Kartmann, erklärte das Motto des diesjährigen Tages der Heimat könne von jedem unterschrieben werden. Ziel sei es an die Vertreibung zu erinnern und zu vermitteln, dass Vertreibungen geächtet werden müssen.

Stadtverodnetenvorsteherin Angelika Thiels trat dafür ein, dass die Kultur der Heimatgebiete der Vertriebenen im Bewusstsein des deutschen Volkes und Europas erhalten bleiben müsse. Sie lobte die Aufbauarbeit und die Versöhnungsbereitschaft der Vertriebenen. Die Landeshauptstadt Wiesbaden messe der Patenschaft mit Karlsbad große Bedeutung bei.

Friedrich dankt dem Bund der Vertriebenen

Der Landesbeauftragte der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Rudolf Friedrich, führte in seinem Schlusswort aus, für die Vertriebenen sei der Tag der Heimat kein Grund zum Feiern, sondern es sei nur Raum für ein würdiges Gedenken.

Er dankte dem Bund der Vertriebenen und den Landsmannschaften für ihre Arbeit.

Weiter erinnerte Friedrich daran, dass sich Hessen durch die Vertriebenen positiv verändert habe. Die Tätigkeit des Bundes der Vertriebenen bezeichnete er als Friedensarbeit. "Heimat, Vaterland Patriotismus" seien eine Verpflichtung.

Die Veranstaltung wurde musikalisch umrahmt von einem Streicherquartett unter Leitung von Marianna Nowak und der Schönhengster Sing- und Spielschar, Dirigentin Tanja Hiebel.

Adolf Wolf