58. Landesverbandstag in Gießen

Entschließung BdV 1/2006

Die in Wiesbaden versammelten Delegierten des 58. ordentlichen Landesverbandtages des Landesverbandes Hessen des Bundes der Vertriebenen, fordern die Bundesregierung und die Regierung der Tschechischen Republik auf, unverzüglich ein Abkommen über die würdige Bestattung von deutschen Zivilpersonen, die nach dem Zweiten Weltkrieg Opfer von grausamen Gewalttaten wurden, zu schließen.

Sie stellen dazu fest:

  1. Nach dem Zweiten Weltkrieg verübten Angehörige der tschechoslowakischen Armee, Revolutionsgarden und Zivilisten barbarische Massaker unter der deutschen Zivilbevölkerung. In diesem Zusammenhang wird auf das im Sommer 2005 in der Nähe von Taus freigelegte Massengrab verwiesen. Zu nennen sind weiter unter anderem Massengräber in der Nähe der Orte Deutsch- Brodek, Duppau, Haida, Kaaden, Komotau, Neu-Rohlau, Podersam, Saaz, Schluckenau, Teplitz, Triebendorf.
    Die Opfer der Gewalt wurden nach Zeitzeugenberichten außerhalb der Friedhöfe in Massengräbern verscharrt.
    Die Toten können vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge auf Soldatenfriedhöfen in der Tschechischen Republik nicht menschenwürdig beigesetzt werden, weil ein entsprechendes Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Tschechischen Republik bisher nicht abgeschlossen wurde.
    Es wird besonders hervorgehoben, dass bereits im Jahre 2003 alle Fraktionen des Deutschen Bundestages eine würdige Bestattung dieser Opfer unterstützten.

    Die Delegierten unterstreichen besonders:

    Mit dieser Forderung soll keine Anklage gegen das tschechische Volk erhoben werden. Schuld ist immer individuell.
    Die Einweihung des Versöhnungskreuzes von Wekelsdorf und der Beschluss des Stadtparlaments von Haida, ein Gedenkkreuz für die Opfer des Massenmords an deutschen Einwohnern zu errichten, wird dankbar als ein Zeichen der Versöhnung angenommen.


  2. Die Delegierten haben mit Betroffenheit, Entsetzten und Unverständnis davon Kenntnis genommen, dass nach einem Bericht von Radio Prag und anderen tschechischen Medien in einer Fabrikhalle in Aussig vor kurzem 4.000 Kisten mit Gebeinen von deutschen Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden wurden, die offensichtlich aus Kostengründen auf dem Soldatenfriedhof von Prag nicht beerdigt werden können.

    Die Delegierten stellen dazu weiter fest:

    Europäische Kulturnationen sind es ihren Toten schuldig, dass sie menschenwürdig bestattet werden.

Wiesbaden, den 25. März 2006