Tag der Vertriebenen beim Hessentag in Weilburg an der Lahn

Die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg darf nicht verdrängt werden

Auf historischem Boden für die Heimatvertriebenen fand der diesjährige Hessentag in Weilburg an der Lahn statt. Am 8. Februar 1946 war dort der erste Vertriebenentransport aus dem Sudetenland in Hessen eingetroffen.

Seit der Regierung Koch in Hessen gibt es den "Tag der Vertriebenen" beim Hessentag.

Auch in diesem Jahr war die Veranstaltung sehr gut besucht. Der Hessische Ministerpräsident Roland Koch ließ es sich nicht nehmen, trotz seinen vielen Verpflichtungen, zu den Heimatvertriebenen zu kommen. Er wurde mit tosendem Beifall begrüßt. Koch dankte in seiner Rede für die gute Zusammenarbeit mit dem Bund der Vertriebenen in Hessen und mit den Landsmannschaften. Mit Blick auf das zusammenwachsende Europa bemerkte er, das Thema Vertreibung dürfe im Verhältnis zu den östlichen Nachbarstaaten nicht verdrängt werden. Die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg bezeichnete der Ministerpräsident als Unrecht. Deutsche hätten unter der Vertreibung gelitten. Dieses Thema müsse auch mit den polnischen Freunden diskutiert werden. Dabei dürfe nicht im Vordergrund stehen, wer das meiste Leid erdulden musste.

In diesem Zusammenhang lobte er unter Hinweis auf die Charta der deutschen Heimatvertriebenen. Das sei eine entscheidende Voraussetzung für das Zusammenwachsen Europas gewesen. Allerdings gebe es noch Defizite. Koch übte Kritik an der Weitergeltung der Benesch-Dekrete in der Tschechischen Republik. Diese Dekrete gehörten nicht nach Europa. Sie verstießen gegen die europäische Rechts- und Werteordnung.

Weiter trat der Hessische Ministerpräsident für die Errichtung des Zentrums gegen Vertreibungen in Berlin ein. Er verurteilte die politischen Auseinandersetzungen darüber. Koch missbilligte die Haltung der SPD, die den Standort Berlin nicht akzeptiere. Mit den sozialdemokratischen Ministerpräsidenten sei keine diesbezügliche Übereinkunft erzielt worden. Er gab die Zusicherung, dass Hessen das Zentrum gegen Vertreibungen unterstützen werde.

Der Hessische Ministerpräsident ging in seiner Rede auch auf die heutigen Probleme ein. Er rief zu Mut und Entschlossenheit auf. Rückblickend bemerkte Koch, die Schwierigkeiten in der Nachkriegszeit seien größer als die heutigen gewesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg hätten Einheimische und Vertriebene "beschlossen neu anzufangen und Wohlstand zu erarbeiten".

Zur Kulturarbeit nach 98 des Bundesvertriebenengesetzes führte der Ministerpräsident aus, die Heimatvertriebenen hätten ein Recht darauf, dass ihre kulturelle Identität erhalten bleibe. Die Vertriebenen erhielten die Unterstützung wie bisher.

Alfred Herold, Landesvorsitzender des Bundes der Vertriebenen, dankte Ministerpräsident Roland Koch sowie auch der Hessischen Sozialministerin, Silke Lautenschläger, für die Unterstützung. Es sei die fünfte Veranstaltung dieser Art, die mit Förderung durch die Hessische Landesregierung ermöglicht wurde.

Es werde "Kultur pur" geboten. Hier komme die Seele der Heimat zum Klingen.

Zu dem Volkstumsnachmittag waren auch zahlreiche Prominente aus der Landes- und Kommunalpolitik gekommen. Auch das Hessentagspaar Kerstin Abel und Dirk Petersen statteten einen Besuch ab.

Es wurde ein abwechslungsreiches und anspruchsvolles Kulturprogramm geboten.
Ingrid Paulus führte gekonnt durch das Programm.
Die Original Böhmerlander unter Leitung von Horst Nausch spielten schmissige Weisen. Die Verbundenheit zu den Spätaussiedlern wurde durch die Kindergruppe "Grazia" der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, unter der Leiterin Vera Maier, dokumentiert. Es wirkten weiter mit, der Erzgebirgische Verein Nauheim- Weiterstadt, Leiter Artur Rudolf, die Kindergruppe der Egerländer Gmoi, Braunfels, unter Leitung von Claudia Jordan und die Volkstanzgruppe der Egerländer Gmoi, Leitung Konrad Thiel.
Die brütende Hitze an diesem Tag hatte keinen Einfluss auf den Besuch. Der Saal in der Stadthalle war bis auf den letzten Platz besetzt. Auch die Stimmung litt nicht unter den hohen Temperaturen. Bei bekannten Heimatliedern sangen viele mit.

Auch die Gruppe erbrachten bei der Hitze eine besondere Leistung. Alles lief wie am Schnürchen. Der Volkstumsnachmittag war wieder ein besonderes Ereignis am diesjährigen Hessentag.

Adolf Wolf